Es war ein schöner Zufall, dass am 14. Juni erneut eine Frau in den Bundesrat gewählt wurde. Auch wenn man Doris Leuthards politische Einstellung (z.B. zum Asylgesetz) nicht teilt, kann man sich darüber freuen, dass Frauen in der Politik zunehmend wichtige Positionen besetzen.
Dass die ‹basel sinfonietta› nicht ‹irgendein› Orchester ist, beweist sie neben ihrer hohen musikalischen Qualität und ihren demokratischen Strukturen immer wieder mit originellen, grenz- und spartenüberschreitenden Programmen, namhaften GastdirigentInnen, unkonventionellen Auftritten.
Am diesjährigen Cellofestival geht es mehrdeutig um ‹Stimmungen›. Bekannte Namen und junge Talente präsentieren ein reiches Angebot.
Aus Basel und Bejing, aus Genf und Shanghai, aus Zürich, Tianjin und Wuhan kommen sie, die 20 Cello-Studierenden des Swiss China Cello Orchestra (SCCO), das im August in der Basler Elisabethenkirche auftreten wird.
Die bosnische Filmemacherin Jasmila Zbanic erzählt in ihrem Kinoerstling vom Umgang mit dem Erbe des Balkankriegs.
Florian Henckel von Donnersmarcks Erstlingsfilm schildert weder verklärend noch verhetzend ein überholtes Staatswesen.
Nach achtjähriger, aufwändiger Recherchierarbeit, betrieben von rund 250 AutorInnen, festgehalten in über 3600 Artikeln auf über 2000 Seiten liegt es endlich vor: das erste ‹Theaterlexikon der Schweiz›.
Knapp ein Dutzend Produktionen von innovativen Gruppen aus Europa und den USA sind nach den Sommerferien in der Kaserne Basel zu erleben.
Setzen Sie sich in einen Sessel, legen Sie die CD ein und hören Sie einfach nur zu:
«Ein U/ Ein E/ Ein I/ Ein Enn/ Ein Eff/ Ein Ge/ Ein Zett/ Ein Te/ Ein Err/ Neun Runen nur/ neun nur/ nur neun/ neun Runen feiern eine freie Fuge nun/ Unfug erfriert/ Feuer fing Engen/ Unfug zerfriert/ Enge fing Feuer/ neunzig Zentner runtertreten …»
Die Lilie
Die Lilie, die Papa bei seinem letzten
Besuch gebracht hat und die zuerst eine
grünlich-weisse Knospe, dann eine
silbern schimmernde Blüte und zuletzt eine
bräunliche, müde Haut war, stand letzte
Woche aufrecht vor der Hauswand im Abfallsack.
Als Jan aus der Schule kam, hatte
jemand die welke Blume abgerissen und am
Boden zertreten; nur der Stiel ragte noch
in die Luft.
Adelheid Duvanel (1936—1996),
Basler Dichterin und Malerin
Der Text stammt aus dem ersten
Erzählband ‹Wände, dünn wie Haut›,
GS-Verlag, Basel, 1979. Das Bild
ist im Privatbesitz des Buchantiquariats
‹Libelle mit H&B›, Schnabelgasse 6,
www.antiquariat-libelle.ch
(Heft Juli/August 2006)
Zwei Sorgen sinds, die einen Gastrosophen nicht rasten noch ruhen lassen: Erstens die, ein hier besprochenes Restaurant könnte bei Erscheinen der Zeitschrift schon nicht mehr existieren, ergo innert Monatsfrist bachab gegangen sein, rumms, Rollläden runter.
Im elsässischen Steintal zeugt ein Museum vom Lebenswerk des Pastors und Sozialreformers Jean-Frédéric Oberlin.
Es herrsche ein besonderes Klima für die Museen in dieser Stadt, innovative Ideen haben hier Tradition.
Der junge Zürcher Almundo-Verlag hat letztes Jahr eine neue Serie von Reise-Lesebüchern eröffnet als Ergänzung zu den herkömmlichen Reiseführern.
Ist der Kampfgeist des Feminismus erloschen? Das Kunsthaus Baselland fahndet nach Frauenbildern und ihrer Gefährdung.
In zwei Phasen beleuchtet die Fondation Beyeler den Eros in der Kunst des 20. Jahrhunderts.
In der Nacht auf den Neujahrstag 1923 brannte das erste Goetheanum, der von Rudolf Steiner entworfene Holzbau mit zwei markanten Kuppeln, bis auf den Betonsockel ab.
Kultur in Freiburg
db. Wem Basel im Sommer kulturell zu eng wird, der findet in Freiburg eine Fülle von Angeboten. Anfang Juli etwa kann man das berühmte Konzerthaus an einem ‹Tag der offenen Tür› kennen lernen. Der einst heftig umstrittene Neubau wurde soeben zehn Jahre alt und hat sich zu einem erfolgreichen Kulturraum ‹für alle› entwickelt. Er beherbergt heute drei namhafte Orchester und hat eine Auslastung von knapp 80 Prozent. Verschiedenartige Klänge sind auch am 24. Zeltmusikfestival ‹Zeltkick› zu hören, bei dem u.a. Al Jarreau, Cesaria Evora, Nigel Kennedy und die Gruppe BAP auftreten (inkl. Fussballübertragungen). Und im Rahmen des ‹Münstersommers Freiburg› finden weitere Konzerte, Lesungen, Filme und Ausstellungen statt, viele davon openair, z.B. am dreitägigen ‹Fest der Innenhöfe & Museumsnächte› oder am ‹Gipfel du Jazz›. Überhaupt geizt die Stadt nicht mit Reizen und ist im Sommer besonders attraktiv.
Konzerthaus Freiburg, ‹Tag der offenen Tür›: So 2.7., 11.00—18.00
24. ZMF ‹Zeltkick›: bis So 16.7., www.zmf.de
Münstersommer Freiburg: bis Di 26.9.
Kultur im Fluss
db. Seit sechs Jahren ankert im Sommer jeweils das Kulturfloss von Tino Krattiger im Rhein und belebt mit einem bunten Musikprogramm das Kleinbasler Ufer. Die Openairkonzerte ziehen viel lokales, aber auch touristisches Publikum an; und seit einige Lärmklagen von Anwohnenden 2004 vom Bundesgericht abgewiesen wurden, hat sich die Initiative endgültig etabliert. Die Programmierung hat Krattiger nun versierten Musikkennern übertragen; Chrigel Fisch, Dänu Siegrist und Tobit Schäfer sind für das diesjährige ‹im Fluss› verantwortlich. Mit ihrer Auswahl möchten sie die Neugier auf gehaltvolle zeitgenössische Musik wecken. Neben Bands aus der Region und der übrigen Schweiz treten erstmals auch internationale Acts auf, z.B. die Freiwillige Selbst-Kontrolle (FSK) aus München, deren Mitglieder aus Kunst und Musik stammen und die ein exklusives Bob-Dylan-Set präsentieren werden, oder der britische Techno/Soul-Pionier Jamie Lidell. Während über drei Wochen werden jeden Abend ausser sonntags zwei halbstündige Konzerte zu hören sein – notabene kostenlos.
Kulturfloss ‹im Fluss›: Mo 31.7. bis Mi 23.8., www.imfluss.ch
Gesangs-Kultur
db. «Jeder Mensch hat eine Stimme, es ist an ihm, sie zu finden.» Mit diesem Motto eröffnet die Jazzschule Basel im August ihr ‹Vocal Department›. An dieser ‹Schule für die Stimme› vermitteln Fachleute an Interessierte jeden Alters und Niveaus in Einzel- oder Gruppenunterricht, als Workshops oder zur Vorbereitung auf eine Profilaufbahn ein breites Fächerangebot: Gesangstechnik, Stimmbildung, Improvisation, Chor, Harmonielehre, Gehörschulung, Rhythmik, Performance etc. Dabei werden verschiedene Musikrichtungen gepflegt, und die Studierenden treten mit Konzerten auch öffentlich auf. Zu den Lehrpersonen gehören u.a. die für das künstlerische Konzept zuständige Petra Vogel sowie Gina Günthard, Lisette Spinnler, Christian Zehnder und Balthasar Ewald. Die Jazzschule Basel reagiert mit der neuen Abteilung auf die Nachfrage nach Gesangsausbildungen, die in den letzten Jahren enorm zugenommen habe.
Vocal Department, Jazzschule Basel, Reinacherstrasse 105, T 061 333 13 13, weitere Infos: www.vocaldepartment.ch
Kino-Umbau
db. Anfang April hat der Schweizer Studiofilm-Verband u.a. erneut die Programmation der Basler ‹kult.kinos› ausgezeichnet. Nun investieren diese – nicht zuletzt im Hinblick auf die Multiplex-Eröffnung – in einen lange geplanten Umbau der beiden Camera-Säle im Kleinbasel. Das Camera war das erste Basler Studiokino. Als Revolverküche Maxim wurde es vor über 30 Jahren von engagierten linken Filmfans übernommen, die dort u.a. die ‹Bonfilm›-Auswahl zeigten. Bis heute haben sich Trägerschaft und Programmation nur wenig geändert. In Zukunft werden hier immer noch anspruchsvolle, aber weniger ‹sperrige› Filme gezeigt, die möglicherweise mehr junges Publikum anziehen. Und mit dem kompletten Umbau der Säle (das Foyer wurde bereits renoviert) soll auch der ‹Tiefgaragencharme› verschwinden. Stattdessen sorgen zwei junge Innenarchitekten für eine Lounge-ähnliche Atmosphäre. Der Mittelgang wird aufgehoben, man betritt den grossen Saal seitlich durch einen Tunnel, findet dann komfortable (dafür weniger) Sitze, eine neue Wand- und Bodengestaltung sowie bessere Licht- und Tonanlagen vor. Die alten Sitze wurden in einer Benefiz-Aktion für den Hirschi-Keller verkauft. Zur Eröffnung werden eine Woche lang neue Filme für alle Generationen gezeigt.
Eröffnung: Fr 14.7., 18.00, ‹kult.kino camera›, Rebgasse 1
Silokino im Exil
db. Einer der luftigsten Orte für Freiluftkino ist gewiss die Siloterrasse im Hafen, die jeweils sommers vom Neuen Kino bespielt wird. Nun wird das Silo saniert, doch Filme werden trotzdem gezeigt, wenn auch im Exil. Nämlich auf dem Schiff, auf dem Bauernhof Untere Bütschen in Reigoldswil und beim Wagenmeister auf dem nt-Areal. Gezeigt werden Klassiker von Subiela, Solanas, Sorbas, Yersin, von Praunheim und Rios.
Silo Exilo: Do 20. bis Sa 22.7., Fr 28./Sa 29.7., Mo 1. bis Mi 3.8., www.neueskinobasel.ch
Theaterfrauen
db. Als Ergänzung zum soeben erschienenen ‹Theaterlexikon der Schweiz› (siehe Text nebenan) lässt sich das Buch der Freiburger Germanistin und Philosophin Ingeborg Gleichauf lesen. Es stellt 15 deutschsprachige Dramatikerinnen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart vor, darunter die in Basel lebende Autorin Katharina Tanner. Der Band schildert anschaulich die Entwicklung weiblicher Theaterarbeit, gibt Einblicke in die Werke und persönlichen Hintergründe der ‹Dramen-Damen› und ihre Präsenz im aktuellen Theaterbetrieb. In dem Berliner Verlag sind übrigens weitere Titel zu Frauen in der Kunst- und Kulturgeschichte lieferbar.
Ingeborg Gleichauf, ‹Was für ein Schauspiel!›, Aviva-Verlag, Berlin 2003. 216 S., gb., CHF 34.30, www.aviva-verlag.de
Sommertheater
db. 1985 wurde der Verein Kultur in Brüglingen gegründet, um das Gebiet des Botanischen Gartens bei St. Jakob (ehemalige ‹Grün 80›) auch kulturell zu nutzen und zu beleben. Von Mai bis Mitte September sind z.B. jeden Sonntagvormittag Musik- und Theatergruppen vor oder im Kutschenmuseum zu Gast, und im August steht eine grosse Produktion auf dem Programm; diesmal Friedrich Smetanas Komische Oper ‹Die verkaufte Braut› mit dem Chor des Theaters Biel-Solothurn unter Adrian Stern, und mit einer Tanzeinlage. Vor den insgesamt neun Freilichtaufführungen gibts in der ‹Dorfschenke› böhmische Spezialitäten.
‹Die verkaufte Braut›: Sa 5. bis Sa 26.8., 20.00 (Essen ab 18.00), Kutschenmuseum Brüglingen, www.kultur-in-brueglingen.ch
Hörspiel & Co.
db. In den Sommermonaten sendet Schweizer Radio DRS 2 jeden Mittwoch- und Samstagabend Hörspiele zum Thema Liebe. Die Texte von ‹klassischen› und zeitgenössischen AutorInnen (u.a. Sibylle Berg, Igor Bauersima und Dani Levy) pendeln lustvoll und eindringlich zwischen Happy End und Suizid.
Hörspiele ‹Alles Liebe›: Sa 1.7., 21.00 bis Mi 30.8., 20.00, www.drs2.ch
Ausserdem ‹Hörpunkt›-Tage zu den Themen ‹Weltreligionen› (So 2.7.), ‹Schweizer Reise› (Mi 2.8.), 6.00—24.00, DRS 2
Randzonen Europas
db. Einen faszinierenden ‹Atlas des verschwindenden Europas› haben kürzlich zwei engagierte und ausgewiesene Kennerinnen Osteuropas herausgegeben. Der Band versammelt unter dem Titel ‹Last & Lost› dreissig Text- und (eigenständige) Bildbeiträge von z.T. namhaften AutorInnen. Sie sind Orten und Landschaften gewidmet, die durch menschliche Willkür oder Naturgewalt vom Vergessen und Verschwinden bedroht sind: Stadtviertel, Industriebrachen, ehemalige Feriendörfer, Küstenstriche. Es sind melancholisch-poetische, respektvolle, erschütternde Schilderungen von Gefährdung, Verwahrlosung und Zerfall (virtuos der Beitrag über die Freak-‹Insel› Amsterdams!) und sie betreffen neben osteuropäischen Gebieten u.a. Gegenden in Norwegen, England, Frankreich, Deutschland und Spanien. Persönliche Reportagen, die Zeit- und Sozialgeschichte mal anders erzählen und zu Entdeckungen vor der eigenen Haustür anregen.
‹Last & Lost›. Ein Atlas des verschwindenden Europas. Hg. Katharina Raabe und Monika Snajderman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 2006. 336 S., gb., farb. Abb., CHF 52.70
Eisenbahn & Co.
db. Ausgiebig feiert Olten seine Liaison mit der Bahn, die schon 150 Jahre währt und zur rasanten Entwicklung und Industrialisierung der Stadt beigetragen hat. Ein Kilometer-Null-Stein im Bahnhof erinnert daran, dass von hier aus ursprünglich das Schweizer Schienennetz vermessen wurde. Olten als Eisenbahnknotenpunkt bedeutete Arbeitsplätze, und noch heute ist die Stadt für den Schienenverkehr wichtig. Zum Jubiläum hat u.a. das Kunstmuseum eine Ausstellung mit dem Titel ‹Reisenbahnen› organisiert. Rund 40 Schweizer Kunstschaffende, darunter etliche aus Basel, zeigen mit unterschiedlichen Medien geschaffene Werke zum Thema Reisen. Als literarische Ergänzung empfiehlt sich die Anthologie ‹Im ganzen Land schön›, zu der 15 AutorInnen beigetragen haben. Mit einer Tageskarte ausgerüstet, haben sie die Heimat auf Rädern erkundet und variantenreich beschrieben. Ein Band, der mehr von Land und Leuten verrät als manches herkömmliche Reisebuch.
Ausstellung ‹Reisenbahnen›: bis So 9.7. im Kunstmuseum Olten
‹Im ganzen Land schön›. Die Schweiz mit der Tageskarte. Hg. Dieter Bachmann, Limmat Verlag, Zürich, 2006. 208 S., gb., CHF 36
Zukunft durch Kooperation
db. Vor zwei Jahren wurde in Kärnten (A) der Verein ‹Landschaft des Wissens› gegründet, der sich in Theorie und Praxis mit Perspektiven für den ländlichen Raum beschäftigt, entsprechende Vorhaben initiiert, begleitet und dokumentiert. Im ersten Band der gleichnamigen Buchreihe werden sieben aussergewöhnliche Projekte in sechs europäischen Ländern porträtiert, die zukunftsfähige ‹Strategien des Handwerks› beleuchten. Dass Kooperation dabei ein Schlüsselwort ist, wird an den anschaulich beschriebenen Initiativen und Unternehmen beeindruckend deutlich. Vorgestellt werden Netzwerke und Betriebe, die u.a. Massschuhe, Filztextilien, Färbemittel, Stühle, Bautechniken, Keramik- und Glasobjekte produzieren und dafür beispielhafte Strukturen und nachhaltige Strategien entwickelt haben. Jede Reportage fasst die Projekterkenntnisse zusammen, die auch für andere Branchen und Regionen inspirierend sein können. Das sorgfältig gestaltete Buch (mit Fadenheftung und Leseband) endet mit weiterführender Literatur und sämtlichen Adressen der Beteiligten.
‹Strategien des Handwerks›. Verlag Paul Haupt, Bern 2006. 368 S., Abb., gb., CHF 48
Bilder der Arbeit
db. Mit dem Begriff Arbeit sind unterschiedliche Vorstellungen, Funktionen und Geltungen verbunden. Dies zeigt auch eine Ausstellung, die das Thema aus soziologischer, philosophischer und arbeitspsychologischer Optik reflektiert. Der Verein Kiebitz für berufliche und betriebliche Veränderungen will damit anlässlich seines zehnjährigen Bestehens zum Nachdenken und Mitmachen anregen. In Ergänzung zur Schau werden in praxisorientierten philosophischen Cafés aktuelle Fragen diskutiert und in Mini-Workshops kostenlos Tipps und Tricks, etwa zu Bewerbungen, vermittelt. ‹High Noon Philo-Lunches› bieten neben Verköstigung Kurzlesungen und Gespräche an, die vom freischaffenden Philosophen Daniel Bremer geleitet werden.
‹Bilder der Arbeit›: bis Di 29.8., Steinentorstr. 11. Di bis Fr 11.00—18.30, Sa 10.00—16.00. Begleitveranstaltungen: T 061 378 80 81
Promenadologie
db. In den Achtzigerjahren begründete Lucius Burckhardt die ‹Spaziergangswissenschaften› (engl. Strollology). Der Basler Nationalökonom, Soziologe, Kunsthistoriker und Planungstheoretiker (1925–2003) liess in das neue Fach Erkenntnisse aus seiner über fünfzigjährigen Forschung einfliessen. Es verbindet alle an Architektur und Planung beteiligten Disziplinen und reflektiert kritisch den heutigen Umgang mit unserer Umgebung und Lebenswelt. Mit seiner ‹Promenadologie› warb Burckhardt so humorvoll-ironisch wie seriös für ein neues Verständnis von Landschaft und urbanem Raum und für eine menschenfreundliche Planung und Architektur. Eine Auswahl seiner immer noch brisanten Texte und künstlerischen Aktionen ist nun neu erschienen. – Auch im Werk von Tacita Dean und Francis Alÿs spielt das Gehen eine zentrale Rolle. An einer Tagung im Schaulager werden sich Fachleute diverser Gebiete mit dieser Wahrnehmungsform beschäftigen.
Lucius Burckhardt, ‹Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft›. Verlag Martin Schmitz, Berlin, 2006. 360 S., Fotos, kt., CHF 32.70
Tagung ‹Gehen›: Fr 7./Sa 8.7., Schaulager, Münchenstein, www.schaulager.org
Faszinierender Steindruck
db. Interessante Einblicke in die komplexe Drucktechnik der Lithographie vermittelt eine Werkschau aus Nik Hausmanns Atelier. Seit 1971 betreibt er im jurassischen Séprais seine Werkstatt, die längst über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf geniesst. Mit rund 150 KünstlerInnen hat der versierte Fachmann bisher zusammengearbeitet, darunter mit bekannten Namen wie Martin Disler, Franz Gertsch, Schang Hutter, Maria Lassnig, Ilona Rüegg und Klaudia Schifferle sowie natürlich mit Kunstschaffenden aus der Region Basel; nicht wenige davon sind Freunde geworden. Schon früh war Hausmann fasziniert vom Zusammenspiel zwischen Handwerk, Technik und Kunst. Er absolvierte verschiedene gestalterische Kurse an der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel, assistierte beim Glasmaler und Maler Otto Staiger und machte eine Offsetdrucker-Lehre, später ein Volontariat in der Steindruckerei Im Erker, St. Gallen, wo namhafte Künstler verlegt wurden. Ende der Sechzigerjahre arbeitete er in der Basler Steindruckerei von Kurt Meier, eröffnete aber schon bald sein eigenes Druckatelier und schliesslich die Werkstatt im Jura. Seit vielen Jahren leitet er zudem den Druckgrafik-Verlag Edition Cestio. Wie wichtig das Zusammenwirken von KünstlerIn und Drucker ist, lässt die Ausstellung erahnen.
Druckgrafik aus dem Atelier Hausmann: bis So 16.7., Ausstellungsraum Klingental




