Was für ein Sommer: Zuerst die auf unserer Etage kaum auszuhaltende Hitze, dann allzu früh die fast schon herbstliche Abkühlung.
Lesen ist einatmen. Schreiben ist ausatmen.
Zeit zu haben ist ein Gut, von dem man ruhig mehr nehmen darf als man hat.
Zuhören ist die sanfteste unter den Praktiken der Liebe.
Um hinter den Zauber eines Menschen zu kommen, bedarf es der Magie der Aufmerksamkeit.
| Rudolf Bussmann
Aus: ‹Das 25-Stundenbuch›. Aphorismen und Bagatellen. Mit Zeichnungen von Stephanie Grob. Waldgut Verlag, Frauenfeld, 2006. 172 S., Abb., gb., CHF 36
(Heft September 2006)
Zu ‹Fausto Coppis Engel› von Ugo Riccarelli haben wir eine gute und eine schlechte Nachricht. Und weil eigentlich immer alle erst die schlechte hören wollen, nun, hier ist sie...
Mit dem Abschied von Anette Eckstein beginnt im kleinen Lörracher Kulturzentrum eine neue Ära.
Vor rund zwei Jahren wurde an dieser Stelle vom 60. Geburtstag des Basler Marionetten Theaters (BMT) berichtet.
Die aktuelle Schau im Museum Tinguely ist einer schillernden Lebens- und Arbeitsbeziehung gewidmet.
Die Jubiläumsauflage der Bieler Fototage untersucht das Menschenbild in der zeitgenössischen Fotografie.
Gut möglich, dass die Pop- und Rockmusikszene in Basel mehr Raum (und mehr Geld) braucht.
Der Vorschlag eines ‹Zentrums für Populärmusiks› in der Kaserne ist in mehrfacher Hinsicht problematisch.
Tobit Schäfer und Christian Moesch haben mit ihrem Konzept ‹Kaserne Basel mit Zentrum für Populärmusik› ein mittleres kulturpolitisches Beben ausgelöst.
Lektüre zum Augenschmaus
db. Seit bald 20 Jahren setzt sich der Filmverlag ‹trigon-film› dafür ein, dass wertvolle Filme aus Afrika, Asien und Lateinamerika auch in unseren Kinos gezeigt werden; rund 200 Titel finden sich in seinem Sortiment. Zwei Millionen ZuschauerInnen haben so Einblicke in den Geschichtenreichtum und die Erzählformen des Südens und Ostens bekommen. Zu den sorgfältig ausgewählten Werken werden immer auch ausführliche Informationen, Porträts und Hintergrundberichte geliefert, etwa im ‹trigon-film Magazin›. Auch die aktuelle, handliche und attraktive Broschüre ‹Magische Augenblicke› stellt neue Filme vor, die bis Anfang 2007 in verschiedenen Schweizer Städten laufen. In Basel sind die 12 Filmperlen aus elf verschiedenen Ländern in den ‹kult.kinos› zu sehen. Wer sie dort verpasst, kann sie (und ca. 70 weitere Titel) als DVD bestellen und die ‹andere Kinodimension» zu Hause geniessen.
Publikation ‹Magische Augenblicke›, 64 S., kt., Abb., liegt kostenlos in den ‹kult.kinos› auf. Mehr Infos: www.trigon-film.org
Angebote für Nachwuchstalente
db. Bis Ende Jahr können junge FilmemacherInnen Kurzfilme von maximal 20 Minuten Länge in fünf Kategorien einreichen. Die von einer Jury begutachteten und ausgewählten Werke werden im Rahmen der Jugendfilmtage gezeigt, die immer viel Publikum anziehen. Die 31. Ausgabe des Festivals gastiert 2007 erstmals im Zürcher Theater an der Sihl.
Noch bis Ende September können sich Jugendliche bis 20 am Jubiläumswettbewerb ‹MyCulture.ch› beteiligen, den das Migros-Kulturprozent für 2007 anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages lanciert hat. Gefragt sind Ideen für eigene kulturelle Projekte aus allen Sparten. Die 50 spannendsten werden ab Frühjahr 2007 realisiert und landesweit aufgeführt.
www.jugendfilmtage.ch, www.myculture.ch
Le Gipfel du Jazz
db. Jazz aus dem Norden Europas steht im Mittelpunkt des diesjährigen ‹Jazzgipfels› in Freiburg. Veranstalter sind erstmals das Zeltmusikfestival und das E-Werk gemeinsam; das Programm entstand in Kooperation mit verschiedenen Partnern. Die Konzerte finden in mehreren Lokalitäten statt, und neben den skandinavischen Gästen (darunter die Starvokalistin Viktoria Tolstoy) tritt auch die Freiburger Jazzszene gut besetzt in Erscheinung.
‹Le Gipfel du Jazz›: Sa 16. bis So 24.9.,
www.jazzfestival.freiburg.de, www.zmf.de,
www.ewerk-freiburg.de
Hörgenüsse
db. In einer sehfixierten Welt zum Hören anstiften möchte die ‹HörBar› im Quartierzentrum Bachletten (QuBa), die in Zusammenarbeit mit Schweizer Radio DRS betrieben wird. Allmonatlich stellen die Radioleute Bernard Senn und Aldo Gardini eine Perle der Hörkultur vor, bisher z.B. eine Spurensuche in Istrien, ein Porträt der Geschwister Mendelssohn oder eine Sendung über Saint-Exuperys letzten Flug. Die neue Serie startet.mit einem Feature von Michael Müller über den mittlerweile international bekannten Basler Filmkomponisten Niki Reiser, der u.a. die Musik zu Filmen von Dani Levy und Doris Dörrie geschrieben hat. – Hörspiele geniessen kann man auch im Hinterhof der Capribar, die diesen Herbst ihr zehnjähriges Bestehen feiert und in Kooperation mit dem Lausch-Hörbuchladen einige ‹Radionovelas› präsentiert.
‹HörBar› über und mit Niki Reiser: So 24.9., 19.30, QuBa, Bachlettenstr. 12, www.quba.ch
‹Radionovelas›: Fr 15. und 22.9., 20.00
(1.9. Flamenco-Konzert), Capribar, Inselstr. 79,
www.capribar.ch
Lob der Kleinkunst
db. Auf Initiative des Migros-Kulturprozents wurde 2003 erstmals der Schweizer ‹KleinKunstTag› durchgeführt, der auf das Engagement dieser eher verkannten Kulturgattung aufmerksam machte. Auch an der vierten Auflage des Aktionstages nehmen landesweit wieder zahlreiche Veranstaltende teil, ausser offenbar in der Region Basel, in der die Kleinkunst aber trotzdem lebendig ist. Etwa im Theater Palazzo, wo der preisgekrönte Erzähler Ferruccio Cainero mit seinem charmanten Solo-Programm ‹Windmühlen› gastiert. Oder im Vorstadt-Theater, dass die neue Saison kulturell vielfältig mit seiner schon legendären ‹Nuit Blanche› eröffnet.
‹KleinKunstTag›: Mi 13.9., www.naeher-dran.ch
‹Windmühlen›: Fr 15.9., 20.30, Palazzo
‹Nuit Blanche›: Sa 23.9., 19.30, Vorstadt-Theater Basel
Lebendige Schweizer Theaterszene
db. Am 8. Juli erschien die Zeitschrift ‹Information Szene›, die während nahezu 30 Jahren umfassende ‹Informationen über und von Schweizer Bühnen und Truppen› vermittelte, zum letzten Mal in gedruckter Version. Von Susann und Hansueli W. Moser-Ehinger gegründet und mit beispiellosem Engagement betreut, wurden seit Anfang Oktober 1977 exakt 1222 Ausgaben publiziert, die präzise Auskünfte über sämtliche Theater des Landes boten, d.h. über Spielpläne, Räume, Strukturen, Finanzen, Konzepte und Köpfe der etablierten und der freien Szene. Zudem kommentierte das schlicht gemachte Blatt stets mit Biss das aktuelle Geschehen. Vor gut zehn Jahren lancierten die beiden Basler Theaterfans eine Website, die nun in Kooperation mit verschiedenen Theaterverbänden zu einem umfassenden Portal für das Theater in der Schweiz ausgebaut wird; neben den Programmübersichten sind auch redaktionelle Beiträge geplant. Mehr Infos über helvetisches Theater sind nirgends greifbar (www.theater.ch).
Mund-Art
db. Wie lebendig und poetisch die Schweizer Mundart ist, zeigen u.a. die Performances der Spoken-Word-Szene. Das Ensemble ‹Bern ist überall›, setzt sich aus AutorInnen zusammen, die auch für die Bühne schreiben: Guy Krneta, Michael Stauffer, Stefanie Grob, Gerhard Meister, Pedro Lenz und Beat Sterchi. Die verblüffende Wort- und Sprechgewandtheit dieser Gruppe, die musikalisch von Adi Blum (Akkordeon) und Michael Pfeuti (Bass) unterstützt wird, kann man live am Lyrikfestival Basel oder auf Tonträger geniessen: Soeben ist ihre vergnügliche Debüt-CD erschienen, ein Aufführungs-Mitschnitt im Berner Café Kairo. Im selben Verlag sind weitere Aufnahmen von SprechkünstlerInnen erhältlich.
Audio-CD von Bern ist überall: ‹Im Kairo›, 70 Min., CHF 27, www.menschenversand.ch
Lyrik-Fest
db. Dass Gedichte keineswegs passé sind, beweist nicht zuletzt das alljährliche Internationale Lyrikfestival Basel, das der umtriebige Literaturvermittler Matthyas Jenny ins Leben gerufen hat. Schreibende der Region stellen ihre neuen Arbeiten und jeweils einen Gast aus dem In- oder Ausland vor. Die fünfte Ausgabe steht unter dem Motto ‹Die Handschrift der Lyrik› und lässt sowohl bekannte Namen wie Debütierende zu Wort kommen. Neben den Lesungen sind u.a. Podiumsgespräche zum Stellenwert von Gedichten (mit den Herausgebern renommierter Literaturzeitschriften), zur Zukunft der Gattung und zum Verhältnis von Lyrik und Zeichnung angekündigt. Ein Büchertisch ergänzt das Angebot, und ein Auftritt des Spoken-Word-Ensembles ‹Bern ist überall› rundet das Festival ab.
5. Internationales Lyrikfestival Basel: Sa 23.9., 20.00, Allg. Lesegesellschaft; So 24.9., ab 10.00, Sudhaus. Programm ab 4.9. unter www.lyrikfestival.ch
Literatur-Hunger
db.‹Lesen hilft atmen› heisst es auf einem Buchzeichen des Müllerhauses. Aber nicht der Atem, sondern der Hunger steht im Zentrum einer Veranstaltungsreihe des aargauischen Hauses für Literatur und Sprache. An drei Abenden lesen und diskutieren AutorInnen und Fachleute über verschiedene Aspekte von Hunger: über den Liebeshunger, den Erfolgshunger und den Welthunger. Ausserdem bietet das Müllerhaus aktuell u.a. eine vierteilige Schreibwerkstatt für Erwachsene an.
Themenreihe Hunger: Di 26.9., 20.15 (Liebeshunger), weitere Daten: www.muellerhaus.ch
Schreib-Matinees mit den Autoren Andreas Neeser und Markus Ramseier: So 15. und 29.10., 12. und 26.11., 10.00—14.00. Anmeldung erforderlich, Kosten inkl. Brunch 580 CHF
Nahost-Realität
db. Als die ‹du›-Redaktion ihr aktuelles Heft plante, war der jüngste Krieg im Nahen Osten noch nicht im Gange. Es ist den ‹Mauern der Weltgeschichte› gewidmet und enthält u.a. einen grossen Foto-Essay zu Israels rigidem Mauerbau im Westjordanland. Ergänzend schildern vier gebildete, friedensaktive Frauen (zwei aus Palästina, zwei aus Israel), die mit diesem auf 700 Kilometer angelegten ‹Schutzwall› leben müssen, was die Mauer in ihrem Alltag bedeutet. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird das Heft im Literaturhaus Basel vorgestellt; Befürworter und Gegner von Mauern kommen zu Wort und sprechen über vergangene, gegenwärtige und geplante Mauerbauten.
‹Macht und Ohnmacht von Mauern›: Di 12.9., 19.00, Literaturhaus Basel. Mit Lea Fleischmann, Kai Wiedenhöfer, Lutz Rathenow und Andreas Nentwich. Moderation Reinhard Meier. ‹du› Nr. 769: Die Mauer. Niemandsland Palästina (ab 30.8.)
Impressionen aus dem Maghreb
db. Mit einem zweitägigen ‹Fest für die Literatur› eröffnet das Basler Literaturhaus die neue Saison und stellt u.a. drei Literaten aus Tunesien und Algerien vor, moderiert von Regula Renschler. Dazu erklingt Musik, und der Lenos Verlag, der sich seit Jahrzehnten für die Literatur der arabischen Welt engagiert, offeriert einen Apéro. – Der marokkanischen Kultur zugetan ist Nathalie Steinle, die seit dem Frühsommer einen winzigen Laden mit orientalischen Waren betreibt und als Buchhändlerin zudem passende Lektüre und CDs anbieten kann. – In Marokko hat sich auch der Publizist Valentin Herzog mehrfach aufgehalten. Die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen hat er nun zu einem Band mit sieben Erzählungen verdichtet, die westliche und südliche Lebensart kontrastieren.
Maghreb-Lesungen: Fr 8.9., 18.00, Literaturhaus Basel. Marokko-Laden Purpur, Schützenmattstr. 8, www.purpur-basel.ch. Lesung Valentin Herzog: Di 5.9., 20.15, Kellertheater Alte Kanzlei, Riehen
Lustvoll Hebeln
db. Trotz Sparauflagen – u.a. zog das diesjährige ‹Stimmen›-Festival drastisch weniger Publikum an als in andern Jahren – steigt das Burghof-Team mit einem attraktiven Programm in die neue Spielzeit ein. Eröffnet wird mit einer musikalisch-theatralischen Eigenproduktion über den «alemannischen Nationaldichter» Johann Peter Hebel. Die Lörracher Sängerin und Komponistin Anne Ehmke beschäftigt sich seit vielen Jahren mit seinem Werk und hat zahlreiche Texte vertont. Mit ihrer Band The Curious wird sie diese in Blues- und Rockrhythmen gesetzten Hebel-Lieder erstmals öffentlich präsentieren. Die mit Bühnenprofis erarbeitete Produktion zeigt Hebel als humorvollen und hintergründigen Dichter der Region, der keineswegs Staub angesetzt hat und eine Wiederentdeckung verdient.
‹Armer Hebel! — Variationen über einen Dichter›: Fr 15./Sa 16.9., 20.00, Burghof
Multikulti am Rhein
db. An der Basler Rheinpromenade kann man demnächst in reizvoll fremde Welten eintauchen. Der Verein ‹Basel lebt!› veranstaltet ein dreitägiges Fest mit internationalem Markt, Kinderdorf und Kleinkunst. An zahlreichen Ständen werden kulinarische Spezialitäten sowie Waren und Kunsthandwerk aus aller Welt angeboten. Für Unterhaltung sorgen Klein- und StrassenkünstlerInnen der Region, die auch in der Innenstadt auftreten werden. Die Kids können sich in einem orientalischen Zeltdorf tummeln, das mit Unterstützung des Kinder-Tagesheims ‹Fourmi› errichtet wird. Der Grossanlass wird u.a. von der GGG und dem Justizdepartement (AJFP) unterstützt. Die InitiantInnen, darunter der festivalerprobte Konrad Weber, möchten damit die kulturelle Vielfalt unserer Region zeigen fördern.
‹Basel lebt!›: Fr 8. bis So 10.9., zwischen Mittlerer Brücke und Klingentalgraben. Fr und Sa 11.00—2.00, So 11.00—21.00, www.basellebt.ch
Kulturaustausch
db. Seit nunmehr 20 Jahren unterhält die Christoph Merian Stiftung das internationale Austausch- und Atelierprogramm ‹iaab›, das Kunstschaffenden aus der Region Basel und Südbaden mehrmonatige Werkaufenthalte in einem von zehn Partnerländern ermöglicht. Im Gegenzug kommen ausländische KünstlerInnen in die sieben ‹iaab›-Ateliers der Region Basel. Die 1986 als erstes internationales Projekt der CMS ins Leben gerufene Einrichtung fördert den interkulturellen Austausch und den interdisziplinären Dialog über Kunst. Es werden auch gezielt Kontakte zu Ländern unterhalten, die kein westliches Kunstverständnis haben. Das ‹iaab› wird künstlerisch von Anna Bonacci geleitet und mit öffentlichen wie privaten Mitteln (u.a. grosszügigen Spenden) finanziert. Trotz zunehmender Institutionalisierung ist es lebendig geblieben. Viele KünstlerInnen haben nachhaltig von den Aufenthalten profitiert und ein stabiles Netzwerk aufgebaut. Eine Auswahl von Werken der StipendiatInnen ist derzeit in Riehen zu sehen.
‹Choices by iaab›: bis So 3.9., Kunst Raum Riehen. Täglich 13.00—18.00. www.iaab.ch
Brasilien-Bilder
db. Ungewohnte Einblicke in das Leben im Amazonasgebiet vermittelt eine Ausstellung im Union. Fünf Kunstschaffende aus der Stadt Manaus zeigen ihre Werke, die auf unterschiedliche Weise ihre Herkunft und Kultur thematisieren, auch unter indigenen und ökologischen Aspekten. Ergänzend stellt der in Basel lebende Dirk Hennrich, der die Schau mitorganisiert hat, 20 grossformatige Schwarzweissfotografien aus, die er in Manaus aufgenommen hat. Ein Diavortrag, ein Gespräch mit den Malern über ihre Arbeitsbedingungen und ein Konzert mit brasilianischer Musik runden die Ausstellung ab.
‹Bild vom Amazonas›: Di 5.9., 19.00 (Vernissage) bis Do 21.9., Union




