Küchenkunst ist Kultur, daran zweifelt kein Mensch, der Freude an Gaumengenüssen hat. Und weil wir in der ProgrammZeitung allesamt Schlemmermäuler sind, ist es selbstverständlich...
Sie waren und sind dieser Tage wieder in aller Munde: Katastrophen, Unglücke und ‹Ereignisse›, die Basel in den letzten Jahrhunderten heimgesucht haben: Pest, Stadtbrände, das grosse Erdbeben und schliesslich ‹Schweizerhalle›.
Der Riehener Konzertzyklus ‹Connaissez-vous?› bringt unbekannte und wenig aufgeführte Kompositionen zu Gehör.
Seit 15 Jahren gibt es das Cathy Sharp Dance Ensemble. Ein Grund, zurück und nach vorn zu schauen.
27 Jugendliche gestalten mit Fachleuten ein Tanztheater mit Videos und Filmmusik von Jerry Goldsmith.
Vor knapp hundert Jahren wurden in Basel die ersten Kinos eröffnet, mit so bezaubernden Namen wie Fata Morgana und Walhalla.
Andrea Stakas preisgekrönter Spielfilm über eine Frauenfreundschaft schlägt Brücken zwischen Mentalitäten und
Generationen.
Der Neubeginn brachte zwar viel Abwechslung, inhaltlich vermochte die Sparte Schauspiel indes noch nicht restlos zu überzeugen.
Die Schauspielerin, Kabarettistin, Pianistin und Sängerin präsentiert ihr neues Programm ‹Fehlbesetzung›.
Ein Wintertag in Oslo, irgendwann in den Sechzigerjahren. Vilgot ist elf. Er ist unterwegs zu Simen, einem Freund.
Es war einmal ein Land im Meer, weit entfernt von allen anderen Ländern...
Die Interkulturelle Bibliothek ‹JuKiBu› feiert ihr Jubiläum am neuen Domizil.
Die einen bekennen sich zu Jugendsünden oder Seitensprüngen. Andere bekennen ihren Glauben oder Unglauben. Dritte bekennen sich...
Verschiedene aktuelle Angebote laden zu Auseinandersetzungen mit Glaubensfragen ein.
Zahlreiche Veranstaltungen zeichnen ein vielschichtiges Bild des baltischen Staates Estland und seiner Kultur.
Wenn die ehrwürdige New York Times schon mal über Basel schreibt – so geschehen am 11. Juni 06, drei Tage vor Eröffnung der ART – dann merken wir auf, dann sind wir ganz Aug’, besonders, wenn da auch ‹where to eat› steht.
Dem ‹Räumlichen Gestalten› in einem umfassenden Sinne ist ein neues, interdisziplinäres Festival gewidmet.
Von Goethe wird berichtet, dass er sich selbst während der mühseligen und letztlich unrühmlich ausgegangenen ‹Campagne› der Alliierten gegen die französische Revolutionsarmee im Herbst 1792 in das gewohnte Studium der Naturphänomene vertieft habe. Was auf den ersten Blick erstaunen mag...
Schmuckstücke von Beatrice Chiquet sind mehr als nur dekorativ. Sie sind Objekte, die den Übergang zur Skulptur fliessend machen.
Das ‹Museum.BL› beleuchtet Kalorien und Kilos, Klischees und Kosten von verschiedenen Seiten. Im Spielzeugmuseum Riehen werden parallel dazu Schönheitsideale thematisiert. Und das Puppenhausmuseum zeigt Barbie-Mode.
Arthur Lourié-Festival
db. In einem Konzert von Gidon Kremer hörte der Basler Geiger Stefan Hulliger erstmals die Musik von Arthur Lourié und fing sofort Feuer. Seither engagiert er sich leidenschaftlich dafür, die Kompositionen dieses fast vergessenen russischen Pianisten aufzuführen und damit bekannter zu machen. 2004 veranstaltete er ein erstes kleines Festival, im Jahr darauf gründete er die Arthur Lourié Gesellschaft. Lourié (1892–1966) wurde in St. Petersburg geboren und war u.a. mit den Dichtern Alexander Blok und Ossip Mandelstam befreundet; die grosse Lyrikerin Anna Achmatowa war seine Geliebte und lebenslange Muse. Trotz frühen Ruhms geriet Lourié wegen der politischen Verhältnisse in Vergessenheit. Er schuf rund 120 Werke aller Gattungen, ein Teil des Nachlasses liegt in Basel. Seine eigenständige Musiksprache verbindet Tradition mit Moderne und ist im besten Sinne zeitlos. Am Festival wird sie mit Gedichten von Achmatowa zu hören sein.
3. Arthur Lourié-Festival: Fr 10. bis So 12.11., Maison 44, Steinenring 44, www.maison44.ch, Infos: T 061 692 25 76 (Hulliger)
Martinu-Festival
az. Ein ganz besonderes Opernkonzert mit dem Sinfonieorchester Basel (SOB) unter der Leitung des grossen russischen Dirigenten Gennady Rozhdestvensky dürfte zum Höhepunkt der diesjährigen ‹Musikfesttage B. Martinu› werden. Auf dem Programm stehen Martinus Einakter ‹Die Heirat› nach der Komödie von Nikolai Gogol und Modest Mussorgskys Fragment gebliebene Vertonung des gleichen Stoffs in des Dirigenten eigener Instrumentierung. Die Konfrontation der beiden grundverschiedenen Kompositionen dürfte spannend werden. Auch sonst gibt es wie jedes Jahr an den fünf Festival-Abenden einiges zu entdecken. Das Eröffnungskonzert bringt Kammermusik des 1959 in Liestal verstorbenen Tschechen, ergänzt mit Werken von Honegger, Strawinsky, Hindemith. Im Kinderkonzert im Tinguely-Museum mit Kurt Aeschbacher als Erzähler spielt das SOB Martinus Ballettmusik ‹Der Aufruhr›. Am selben Ort präsentiert das Adrian Mears Octet ‹Jazz Impressions of Bohuslav Martinu›. Und beim traditionellen Abend im Stadtkino ist der im Jahr 2000 gedrehte tschechische Spielfilm ‹Opfer und Mörder› mit Musik Martinus zu sehen.
Internationale Musikfesttage Bohuslav Martinu: Mi 1. bis Mi 15.11., www.martinu.ch
Poetische Klangtage
db. Ein attraktives, alle Sinne ansprechendes Programm hat Claude Haltmeyer für die ‹Klangtage im Walzwerk› zusammengestellt. Die Halle und das Treppenhaus des ‹Kulturpunkts› werden vielfältig bespielt: mit einer Ausstellung, Konzerten und einem Workshop. Es sind einerseits eindrückliche, grossformatige ‹Wasser-Klang-Bilder› (Chladnische Klangfiguren) von Alexander Lauterwasser zu sehen, anderseits Klang-, Bild- und Wortinstallationen des Basler Musikers und Künstlers Lukas Rohner. Letzterer präsentiert zusammen mit Thomas Weiss auch sein multimediales Bühnenstück ‹Klang das Wort›, eine höchst poetische und vergnügliche Performance mit selbstgebauten Instrumenten. Es folgt eine ‹Elektronische Klangnacht› von vier DJs, und am Tag darauf erteilt Rohner einen Klang-Workshop für Kinder und Erwachsene. Zum Schluss tritt der international bekannte Geigenvirtuose Paul Giger mit einem Solokonzert auf. Der Gang nach Münchenstein lohnt sich!
‹Klangtage›: Sa 25./So 26.11., Kulturpunkt im Walzwerk, Tramstr. 66, Münchenstein (Tram Nr. 10 bis Brown Boveri ), www.kulturpunkt.ch; Ausstellung: Mo 20.11. bis So 3.12., Kulturpunkt, täglich 13.00—17.30
Indische Musik
db. Das jährliche Seminar des Ali Akbar College of Music bringt auch heuer musikalisch virtuose Gäste aus Indien nach Basel, so etwa den bekannten Tabla-Spieler Pandit Swapan Chaudhuri und die führende Vokalistin Lakshmi Shankar, die den indischen Gesang im Westen populär gemacht hat. Zusammen mit dem Initianten des College, Ken Zuckerman, und zwei weiteren Lehrkräften werden sie neben verschiedenen Kursen auch ein öffentliches Konzert anbieten.
Ali Akbar College of Music, Birmannsgasse 42.
Seminar: Sa 11. bis So 19.11.; Konzert: So 19.11., 11.00, Musik-Akademie Basel
25 Jahre Musikwerkstatt Basel
db. Unterricht ohne stilistische Grenzen war und ist das Ziel der 1981 gegründeten Musikwerkstatt Basel. Seit 1986 als Genossenschaft zur Förderung der improvisierten Musik in Selbstverwaltung funktionierend, beschäftigt die Schule heute ca. 20 Personen in Teilzeit, ungefähr die Hälfte als externe Lehrkräfte. Sie wird von beiden Basler Kantonen subventioniert, mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet sie selbst. Angeboten werden alle erdenklichen Stile und Instrumente, Gruppen- und Einzelkurse, Musik-Lager für Kinder und Jugendliche, ein Kinder-Band-Projekt und das Jugendprojekt ‹House Orchestra›. Die Nachfrage ist gross, die Kurse sind sehr gut ausgelastet. Einen Einblick in den Betrieb vermitteln die Jubiläumsaktivitäten mit Workshops, Konzerten und einem bunten Fest.
Musikwerkstatt Basel, Theodorskirchplatz 7, www.musikwerkstatt.ch
Jubiläumskonzerte: Di 14. bis Do 16.11., Waisenhausareal; Fest: Sa 18.11., ab 14.00, Union
Exzentrische Geschwister
db. Sie waren reich, schön und begabt, mit besten Aussichten auf ein vielversprechendes, sorgloses Leben: Eleonora und Francesco von Mendelssohn, geboren 1900 und 1901, direkte Nachfahren des grossen jüdischen Aufklärers Moses Mendelssohn. Beide machten zunächst glanzvolle Karrieren, sie als Schauspielerin, er als Cellist. Sie hatten berühmte Freunde und Liebhaber (Vladimir Horowitz, Gründgens, Toscanini, Max Reinhardt und die Basler Edwin Fischer und Christoph Bernoulli), verfielen aber immer mehr dem Alkohol, den Drogen und seelischen Nöten; heute ist das glamouröse Berliner Geschwisterpaar nahezu vergessen. Wer sich für ihre Biografien interessiert (die an jene der Geschwister Mann erinnern) hat nun Gelegenheit dazu.
‹Gibt es etwas Schöneres als Sehnsucht?›: Mi 15.11., 20.00, Allgemeine Lesegesellschaft, Münsterplatz 8. Mit Desirée Meiser, Patrick Elias (Lesung), Lea Hosch (Cello) und Thomas Blubacher (Vortrag)
Theaterpädagogik
db Vor gut einem Jahr wurde der Fachverband Theaterpädagogik (TPS) gegründet, der die theaterpädagogische Arbeit als kulturelle Vermittlungs- Bildungs- und Fördertätigkeit schützen und stärken will und sich für die Etablierung und Anerkennung des entsprechenden Berufsbildes einsetzt. Nun wird in Basel die erste Fachtagung des Verbandes unter dem Titel ‹Zu Fuss zum Mond› durchgeführt – eine fiktive Wanderung mit Theorie und Praxis zur Theaterarbeit im Spannungsfeld von Gesellschaft, Pädagogik und Ästhetik.
Tagung Theaterpädagogik: Sa 4.11., 9.00 20.00, Theater Basel, www.theaterpaedagogik.ch/tps
Schicksal und Zufall
db. Die neue Eigenproduktion des Vorstadt-Theaters ist dem Schicksal, dem Zufall und anderen Himmelsmächten gewidmet. Bestimmen wir unser Leben selbst oder spielen noch andere Kräfte mit? Jeder Mensch hat eigene Bewältigungsstrategien für das Unerklärliche. Statt Antworten zu geben, werden Geschichten erzählt von Glück und Unglück, die nicht vorhersehbar sind und davon, wie ‹zufällig› manchmal alles ganz anders kommt. Ergänzend werden ein theatralischer Stadtrundgang und ein Café Philo für Kinder angeboten.
‹Um Himmels Willen›: ab Sa 28.10., 19.00 (Premiere), Vorstadt-Theater Basel
Romandebüt aus Basel
db. Sie ist im Basler Kulturleben keine Unbekannte: Sandra Hughes, die quirlige Kunstwissenschaftlerin, die seit 1998 bei den
Museumsdiensten für Bildung und Vermittlung tätig ist. Schreiben war schon immer ihre Leidenschaft, die sie trotz anspruchsvollem Job und Familie kontinuierlich gepflegt hat. Mit Erfolg, gleich ihr erster Roman wird
demnächst beim renommierten Limmat Verlag erscheinen. Er hat angelsächsisches Flair und erzählt spritzig und unsentimental von den Leiden und Freuden der Hauptfigur Lee Gustavo, die im Spital über ihr Leben zwischen allen Stühlen sinniert. Bei der Buchvernissage ist mehr zu erfahren.
Sandra Hughes, ‹Lee Gustavo›, Limmat Verlag, Zürich 2006. 317 S., gb., CHF 36
Lesung/ Buchvernissage: Do 9.11., 20.00, Vorstadt-Theater
Interkulturelles Theater
db. Das Interkulturelle Foyer Bildung und Beruf (IFFB) ist Bestandteil des Vereins Foyers Basel. Es bietet Migrantinnen und Schweizerinnen zwischen 16 und 25 Jahren eine Tagesstruktur und unterstützt sie bei der Berufsfindung und selbständigen Lebensführung. Beim Aufbau von Selbstvertrauen spielt die Theaterpädagogik neben Fächern wie Deutsch, Mathematik, Informatik und Bewerbungstraining eine wichtige Rolle. Jedes Jahr wird ein Stück erarbeitet, das dann am ‹Tag der offenen Tür› des Foyers aufgeführt wird. Eine gute Gelegenheit, um die Einrichtung kennenzulernen.
Interkulturelles Foyer Bildung und Beruf, Birmannsgasse 8, www.foyerbasel.ch
Tag der offenen Tür: Di 7.11., 11.00—19.00. Theater ‹Spieglein, Spieglein›: 12.30, 16.00, 17.30
Lyrik à discretion
db. Die winterliche Lyrikreihe im Od-theater, die von G. Antonia Jendreyko und H.-Dieter Jendreyko organisiert und gesprochen wird, steht im Zeichen der Liebe. Berührende, verstörende, anregende Texte von Else Lasker-Schüler, Nizami, Goethe und Luisa Famos sind zu hören, wie immer mit Ausführungen zu Leben und Werk. Zusätzlich ist ein Abend der kürzlich verstorbenen Lyrikerin Hilde Domin gewidmet.
Lyrik im Od-theater: ab So 19.11. bis So 29.4.07, Allgemeine Lesegesellschaft, Münsterplatz 8.
Hilde Domin: So 10.12., 16.30, Kantonsbibliothek BL, Liestal, www.od-theater.ch
Religions-Meeting
db. Seit vielen Jahren lädt das Katharina-Werk Basel, eine ökumenische Gemeinschaft mit interreligiöser Ausrichtung, mit Veranstaltungen und Projekten zum Dialog der Religionen ein. Demnächst findet eine Ausstellungs- und Begegnungswoche mit dem Titel ‹6 Religionen unter einem Dach› statt. Dabei kann man auf einem Rundgang in die Spiritualität von Aleviten, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Bahá’i, Judentum und Christentum eintauchen; jede Religion richtet ihren eigenen Raum mit Ritualgegenständen, Bildern und Info-Wänden ein. Ferner wird über die unterschiedlichen Esskulturen sowie andere interreligiöse Initiativen (z.B. das Haus der Religionen und Kulturen Bern) informiert. Das Abendprogramm bietet u.a. Einblicke in Kultur und Musik der Religionen, ein interreligiöses Frauengespräch und Foren für Kontemplationsübungen. An der Vernissage gibt es Kurzreferate zu den Religionen und an der Finissage Gebete in den Religionsräumen.
‹6 Religionen unter einem Dach›: So 12.11., 15.30 (Vernissage) bis So 19.11., 15.30 (Finissage), Katharina-Werk Basel, Holeestr. 123, www.katharina-werk.org. Ausstellung jeweils 15.00—20.00, Eintritt frei
Unorthodoxe Botschaften
db. Predigen ist nicht jedermanns Sache, und Predigten sind es auch nicht. Allerdings gibt es Ausnahmen, etwa wenn die Pfarrerin oder der Theologe Erzähltalente sind, die das vermeintlich Bekannte neu, lebendig, zeitgemäss schildern und damit zum Weiterdenken anregen können. So einer ist Martin Dürr, Pfarrer der St. Johannes-Gemeinde und u.a. FCB-Fan. Sein eigenes Unbehagen gegenüber Gelehrsamkeit, Rezepten und schnellen Antworten und bestimmt auch die seelsorgerische Arbeit mit Behinderten, Gefangenen, Jugendlichen etc. bewirken, dass er seine Botschaften wohltuend behutsam äussert. Eine Auswahl seiner Predigten von 1998 bis 2004 liegt nun publiziert vor. Es sind 18 Meditationen über das ‹Unser Vater› sowie über ‹einige andere wesentliche Dinge›, frech-fröhliche, berührende Miniaturen mit Beispielen und Bildern aus dem vollen, widersprüchlichen Leben, dem heutigen Basler Alltag. Ernst und witzig, sensibel und persönlich sind diese unorthodoxen Texte, die auch Kirchenmuffel anzusprechen vermögen.
Lesung, Gespräch, Apéro mit Martin Dürr: Fr 17.11., 19.00, Karikatur- und Cartoonmuseum. Buch: ‹Über das neue Stadion, das Unser Vater und einige andere wesentliche Dinge›, ISBN 3-8334-3423-6, 115 S., kt., CHF 19
Interreligiöser Dialog
db. Religion ist in einer multikulturellen Gesellschaft ein latentes und brisantes Thema. Wie aber können wir trotz sozialer und kultureller Differenzen, trotz unterschiedlicher spiritueller Bedürfnisse und Praxis respektvoll und produktiv zusammenleben? Was bedeutet die religiöse Vielfalt für die eigene Identität? Wie können Vorurteile ab- und Vertrauen aufgebaut werden, was können wir zur Verständigung beitragen? Solchen Fragen ist ein Buch gewidmet, das Frauen verschiedenen Glaubens und aus diversen Fachgebieten verfasst haben. Christlich, jüdisch und islamisch geprägte Haltungen stehen dabei im Zentrum, es geht um Selbst- und Fremdbilder, um Theorie und Praxis, um Emanzipation und Tradition, um Politik und Privates. Die Erfahrungen und die Optik von Frauen im interreligiösen Dialog fanden bisher wenig Beachtung, obwohl viele nachhaltige Projekte von Frauen initiiert wurden. Die engagierten Beiträge laden zum Überdenken eigener Muster und zur Horizonterweiterung ein.
Doris Strahm, Manuela Kalsky (Hg.), ‹Damit es anders wird zwischen uns›. Interreligiöser Dialog aus der Sicht von Frauen. Matthias-Grünewald-Verlag, 2006. 159 S., kt., CHF 29.90
Migration im Bild
db. Noch immer ist der Begriff Migration hierzulande eher negativ besetzt. Das möchte u.a. der Verein Migrationsmuseum ändern, der im vergangenen Sommer die Ausstellung ‹Baustelle Schweiz› auch in Basel gezeigt hat (s. ProgrammZeitung 6/06). Wer sie nicht gesehen hat, kann jetzt die Dokumentation dazu erstehen, ein schön gestaltetes Buch mit Bildbeiträgen von zwölf FotografInnen und einigen journalistischen und wissenschaftlichen Texten. Die künstlerisch-fotografischen Impressionen beleuchten Alltag und Umfeld von mehr oder weniger integrierten AusländerInnen, die Texte thematisieren u.a. die helvetische Migrationspolitik (Philipp Sarasin) und die Sprache von jugendlichen MaulheldInnen (Michèle Roten). Der Band sellt ohne Sensationen und Kitsch unsere Gegenwart dar und zeigt, dass das Fremde schon immer dazu gehört hat.
‹Migration im Bild›, ein Inventar. Hrsg. Tiberio Cardu. Verlag Hier & Jetzt, Baden, 2006. 192 S., 96 Abb., kt., CHF 39.80
Vom In- und Ausland
db. Wo liegt Heimat? Eine Frage, die selbst für Menschen gleichen Schlages ganz Unterschiedliches bedeutet. Dies bestätigen z.B. die Fotoarbeiten von Ursula Sprecher und Julian Salinas zum Thema ‹Heimatland›. Quer durch die Schweiz, von West nach Ost, von Nord nach Süd, reisten sie und sammelten – in der Art amerikanischer ‹Urban Landscape-Fotografie› – Bilder, welche die Weite und Vielfalt des Landes zeigen und die mit Heimat assoziiert werden.
Das In- bzw. ‹Das Ausland› ist auch Gegenstand eines Büchleins von Jürg Schubiger, mit pfiffigen Illustrationen von Albertine. Sein Protagonist ist unterwegs zum Paradies, das im Ausland liegen soll. Dort erfährt er freilich, dass just seine Heimat das Ausland sei. Eine hübsche, subtile Anregung für Jung und Alt in klaren Worten und Strichen.
‹Heimatland›, Fotografien von Ursula Sprecher und Julian Salinas: bis Fr 15.12., Galerie Monika Wertheimer, Hohestr. 134, Oberwil, www.galeriewertheimer.ch
Jürg Schubiger, ‹Das Ausland›, Peter Hammer Verlag. Mit s/w. Ill. von Albertine, gb., CHF 16
Kolumbien-Kulturwoche
db. Die erste Präsentation kolumbianischen Kulturschaffens war 2003 in Basel ein schöner Erfolg. Nun laden verschiedene Gruppierungen zur 2. Kolumbien-Kulturwoche ein, die dem Schwerpunktthema ‹Kolumbien in der Schweiz› gewidmet ist. Dass das lateinamerikanische Land mehr zu bieten hat als Armut, Gewalt und Bürgerkrieg, ist bei uns wenig bekannt. Sein grosser kultureller Reichtum, seine komplexe politische Realität und seine Präsenz hierzulande werden mit einer Ausstellung, einem Filmzyklus, einer Podiumsdiskussion, Referaten und künstlerischen Darbietungen veranschaulicht. Dabei kommen auch das Bild Kolumbiens in den Schweizer Medien und die Schweizer Friedensarbeit in Kolumbien zur Sprache. Ein Fest mit Musik, Tanz und Essen beschliesst den Anlass.
2. Kolumbien-Kulturwoche: Do 16. bis Sa 25.11., Union u.w., www.kolumbien-aktuell.ch
Ausstellung bis Sa 16.12., Galerie Zangbieri, Unterer Rheinweg 22
Sinnvolle Quartierentwicklung
db. Seit über zehn Jahren wächst in Freiburg i.Br. ein neuer attraktiver Stadtteil, das Rieselfeld, heran; aus Sicht von Fachleuten mit beispielhafter stadtplanerischer Konzeption. Diese und andere Erfahrungen wollen auch jene Gruppierungen nutzen, die sich für eine sozial sinnvolle Entwicklung des Erlenmatt-Areals auf dem ehemaligen DB-Güterbahnhof engagieren. Auf dem Gebiet sollen bis ca. 2020 um einen grossen Park bis zu 800 Wohnungen, 2000 Arbeitsplätze und zahlreiche Einkaufs- und Freizeitangebote entstehen. In einem Gebäude, das für eine fünfjährige Zwischennutzung gemietet werden konnte, wird vom Verein ViP nun auch ein Quartiertreffpunkt getestet, welcher der anwohnenden Bevölkerung als Anlaufstelle, Kurslokal, Partyraum oder Veranstaltungsort dienen soll. Die ‹Startupwoche Quartierlabor Erlenmatt› bietet mit Referaten, Unterhaltung und Kulinarischem allen Interessierten Gelegenheit zu vielfältigen Begegnungen und regem Austausch über ihre Bedürfnisse und die Zukunft des Quartiers. – Neu besetzt wird ab 2007 auch die Wagenmeisterei auf dem ‹nt/Areal›, die seit 2000 in regelmässigem Turnus für künstlerische Zwischennutzungen vermietet wird. Wer dort temporär ein interessantes Projekt realisieren will, kann sich bewerben. Bis Ende Jahr verantwortet Ibrahim Ismail dort noch Livekonzerte und Gastronomie.
Startupwoche Quartierlabor Erlenmatt: Mo 6. bis So 12.11., Riehenring 190. Mo bis Fr 11.00—20.00. Open Space: Sa 11.11., 10.00—16.00, Infos: www.areal.org, www.plattform-gsr.ch
Bewerbungen Wagenmeisterei: bis So 19.11., www.areal.org, www.wagenmeister.ch
Kulturpreis Basel-Stadt
db. Wenn gegen Jahresende jeweils die kantonalen Kulturpreise verliehen werden, wundert man sich manchmal, dass die PreisträgerInnen nicht schon längst ausgezeichnet wurden. Etwa im Falle des Galeristenpaars Gilli und Diego Stampa. Seit 1969 betreiben sie am Spalenberg ihren Kunstraum, der von Anfang an breit und offen konzipiert war, als Begegnungs-, Aktions- und Ausstellungsort für Menschen, Kunst und Bücher. Mehr als 300 Ausstellungen haben sie, oft in enger Zusammenarbeit mit den Kunstschaffenden, realisiert, vielen von ihnen sind sie freundschaftlich verbunden und haben sie kontinuierlich gefördert. Umgekehrt sind ihnen etliche heute grosse Namen treu geblieben, etwa die derzeit bei ihnen ausstellende Basler Künstlerin Miriam Cahn. Sowohl lokal als auch international bestens vernetzt, haben Stampas viel zur Vermittlung zeitgenössischer Kunst beigetragen, und ihre Galerie ist zum unverzichtbaren Treffpunkt von Kunstinteressierten geworden. Der 34. Kulturpreis Basel-Stadt ist mit 20 000 Franken dotiert.
Kulturpreisverleihung Basel-Stadt: Di 7.11., 18.15, Rathaus Basel
Miriam Cahn: bis Sa 25.11., Galerie Stampa
Regionale Kunstschau
db. Alle zwei Jahre laden verschiedene Kunsträume der trinationalen Region zu Ausstellungen des hiesigen Kunstschaffens ein. An der
7. ‹Regionale› beteiligen sich elf Institutionen mit Werken von insgesamt 182 KünstlerInnen (diesmal mehrheitlich Frauen), die aus über 580 eingereichten Dossiers ausgewählt wurden. Neu dabei sind das Kunsthaus L6 in Freiburg und die Kunsthalle Palazzo in Liestal, während der Ausstellungsraum Klingental vorübergehend pausiert. Die Präsentation vermittelt vielfältige Einblicke in die zeitgenössische Kunst, fördert die grenzüberschreitenden Kontakte der Häuser und stärkt die Vernetzung der Kunstschaffenden. Drei geführte Bustouren bringen das interessierte Publikum von Ort zu Ort, und es gibt diverse Begleitveranstaltungen. Die Kunsthalle Basel bietet erstmals spezielle Führungen von Kindern für Kinder an, die in Kooperation mit dem Mädchenrat Basel entwickelt wurden; motivierte Mädchen zwischen 10 und 12 Jahren können sich melden.
‹Regionale 7›: Sa 25.11., ab 11.00 (Vernissagen) bis So 31.12., Programm: www.regionale7.net
Karikaturen & mehr
db. Sie haben viele Gemeinsamkeiten und sind doch ganz verschieden: Tomi Ungerer und Mario Grasso: Sie feiern heuer ‹runde› Geburtstage, sind zweisprachig aufgewachsen und waren beide stets vielseitig als Werbegrafiker, Cartoonisten, Illustratoren und Kinderbuchautoren tätig. Ihr Witz und Charme spricht Jung und Alt an, und sie haben das traditionelle Kinderbuch revolutioniert. Dem Elsässer Ungerer (75) widmet das Karikatur & Cartoon Museum derzeit eine Ausstellung, die mit drei Schwerpunkten Einblicke in sein Werk vermittelt; von bissigen Skizzen zu Gesellschaft und Politik über Kinderbuchzeichnungen bis zu Bildern erotischer Fantasien. – Den in Basel lebenden, aus Italien stammenden Mario Grasso (65) ehrt das Museum der Kulturen mit einer Retrospektive. Der Sprachakrobat und magische Bildschöpfer ist vor allem LiebhaberInnen von Katzen, Venedig und orientalischen Märchen ein Begriff. Die Ausstellung zeigt u.a. Kinderbücher, Dreh- und Knickbilder, Sprachspiele und Objekte.
‹75 Jahre enfant terrible — Tomi Ungerer›: bis So 25.2., Karikatur & Cartoon Museum Basel.
‹König, Katz & Bär. Die spielerische Welt des Mario Grasso›: Fr 10.11. bis So 25.3.07, Museum der Kulturen
Kunst-Supermarkt
db. Zeitgenössische Originalkunst preisgünstig anzubieten, ist das Ziel des Schweizer Kunst-Supermarkts, der zum 7. Mal und nun wieder mitten in der Altstadt von Solothurn stattfindet. 75 KünstlerInnen aus 14 Nationen zeigen während sieben Wochen ihre Werke, die in vier Preiskategorien von 99 bis 599 Franken erhältlich sind. In ungezwungener Atmosphäre lassen sich Unikate aller Techniken und Stilrichtungen entdecken. Das unkonventionelle Kunstvermittlungskonzept kommt bei einem breiten Publikum sehr gut an und gibt den KünstlerInnen eine grosse Öffentlichkeit. Rund 35000 Interessierte strömten im Vorjahr zu der Veranstaltung, und etwa 3000 Werke wurden verkauft.
7. Kunst-Supermarkt: Fr 17.11. bis Sa 6.1.07, Hauptgasse 67 am Kronenplatz, Solothurn, www.kunstsupermarkt.ch
Edles Kunsthandwerk
db. Eine kleine Gruppe von KunsthandwerkerInnen aus der Region, die bereits vor einem Jahr erfolgreich zusammen ausstellte, präsentiert sich heuer unter dem Namen ‹Werkstatt 7› mit neuen Arbeiten, die von Geschick und Fantasie zeugen. Stahlmöbel, Papierarbeiten, Schmuck, Textilien und allerlei Krimskrams zur Verschönerung des Alltags können bestaunt und erworben werden.
Attraktive Plattformen für Kunsthandwerk sind rar. Die Goldschmiedin Anna Schmid stellt in ihrem neuen Atelierladen im Turnus von 6 bis 8 Wochen jeweils einen Gast aus dem Bereich der angewandten Kunst vor. Und im Kleinbasel bietet ‹Riviera, Basel am Rhein› seit Mitte September ein Forum für junges Design und Kunsthandwerk aus der Schweiz und Deutschland an.
‹Werkstatt 7›:Sa 18.11., 11.00—19.00/So 19.11., 11.00—17.00, Lohnhof 9, www.werkstatt7.ch
Goldschmiede Anna Schmid, Schneidergasse 14: Filzkunst Marlise Steiger (bis Sa 2.12.), Hüte Ruth Hausammann (Di 5.12. bis Sa 20.1.)
‹Riviera, Basel am Rhein›, Feldbergstr. 43, www.baslerriviera.ch
Ausserdem: 15. Weiler Kunsthandwerksmarkt: Sa 11./So 12.11., 11.00—18.00, Kesselhaus-Areal.
Designmesse ‹Blickfang›: Fr 24. und Sa 25.11., 11.00—22.00, So 26.11., 10.00—19.00, Kongresshaus Zürich




