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Muße

Vor vielen tausend Jahren, in einem dazumal goldenen Zeitalter, als in Arkadien schweigsame Hirten mit ihren Schafen und Ziegen über die Hügel streiften – da gab es sie noch, die Muße, und sie wurde hochgeschätzt. Als Zustand der Pflichtvergessenheit, in welchem man sich dem Nichtstun hingab (und es damit – anders als wir Heutigen – recht weit brachte), sich zur Abwechslung von einer Muse küssen liess und dann ein paar Dichterworte sprach, auf der Flöte spielte oder im arkadischen Hirtenchor mitmischte.


Später, bedeutend später, wurde zwar nicht primär die Muße, aber doch der Müßiggang verteufelt; die Arbeit hingegen, die tägliche Plackerei, das Schaffen und Raffen zum Normal- und Idealzustand erhoben, der allenfalls am Sonntag einen Unterbruch erfuhr (nicht aber die Pflicht, die an diesem Tag bekanntlich darin bestand, das Haus Gottes aufzusuchen und sich der eigenen Sündhaftigkeit innezuwerden).


Heutzutage hätte man eigentlich wieder mehr Muße. Wenn einen bloss die Arbeit nicht so beschäftigte, auch über die Arbeitszeit hinaus! Wenn man nur nicht dauernd auf sein Handy Acht geben, seine Surfroutinen absolvieren und E-Mails beantworten müsste! Wenn man uns doch nur mal für zehn Minuten in Ruhe liesse!
Wie gut, dass es noch Ferien gibt. Da wird man dann endlich nichts tun, wird höchstens in aller Ruhe darüber nachdenken, wie sich kleine Mußeinseln im Alltagsozean verankern lassen, später dann, nach der Heimkehr aus Arkadien.


PS ‹Müßiggang ist aller Laster Ende.›


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