Es kommt vor, dass ich griesgrämig bin und schlecht gelaunt. Nicht häufig zwar, aber eben doch gelegentlich. Zum Glück gibt es dann verschiedene Mittel, mit denen sich die trübseligen Gedanken und die bösen Geister wieder vertreiben lassen. Herzerwärmende Musik zum Beispiel wirkt bei mir recht zuverlässig, und die Aussicht auf einen Apéro auf der sonnigen Dachterrasse ebenfalls.
Mit Vertreibungen aller Art sind wir häufiger beschäftigt, als wir auf den ersten Blick glauben. Und der Methoden gibt es viele: Mücken vertreibt man mit Antibrumm. Vögel mit Vogelscheuchen. Und das Wild mit lauten Wandergruppen. Späte Gäste vertreibt man, indem man die Stühle schon mal auf die Tische stellt. Die Zeit mit einem Zeitvertreib. Steuerzahlerinnen – nun: mit Steuern eben. Und den Winter mit der Fasnacht. Die FasnächtlerInnen hingegen lassen sich gar nicht vertreiben, die bleiben das ganze Jahr. Weiter: Unliebsame Kollegen vertreibt man mit Mobbing. Adam und Eva mit einem flammenden Schwert. Und Raucherinnen mit neuen Gesetzen. Vampire vertreibt man bevorzugt mit Knoblauch. Und Angreifer, indem man die Zähne zeigt. Wie Computerzubehör, Sonnenblumenkerne und Modeartikel vertrieben werden, das wissen Marketing-Expertinnen und Verkaufsberater. Ich stelle mir vor, wie sie in ihren Magazinen stehen, vor ihren vollen Regalen, wie sie ‹Haut ab!› rufen und ‹Alles muss weg!› und wie sie dabei mit allerlei Wundermittelchen, mit Drohen und Schmeicheln ihre Waren zu vertreiben suchen. Ob das nützt?
Eigentlich wollte ich bloss ein leichtes Textlein über einigermassen nebensächliche Dinge schreiben. Aber beim Stichwort ‹vertreiben› geht das nicht, da kommt der Punkt, wo der Spass aufhört. Denn da geht es nicht nur um Marder auf dem Estrich oder Langeweile, da geht es um Menschen, um Familien, um Völker. Um Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben wurden, aus ihren Dörfern, aus ihrer Heimat. Aus dem Paradies wurden sie vertrieben (aus der Ferne jedenfalls erscheint es wie ein Paradies) – und sind doch häufig einer Hölle entronnen. ‹Die Vertreibung aus der Hölle› heisst entsprechend der eindrückliche Roman von Robert Menasse, in dem er u.a. die Vertreibung der Juden aus dem Portugal des 17. Jahrhunderts schildert. Eine Buchempfehlung also zum Schluss, auf dass der Buchhandel seine Bücher erfolgreich vertreibe: ‹Alles muss weg!› | Adrian Portmann
(Heft Mai 2007)




