Der bekannte 53-jährige Basler Schlagzeuger zieht allein, mit Freunden und Schülern eine mehrwöchige künstlerische Zwischenbilanz.
Es gibt viele Möglichkeiten, Fritz Hausers Werk zu begegnen. Zum Beispiel in Peter Zumthors Therme in Vals. ‹Wanderungen› heisst die permanente Klanginstallation in einem der hohlen Steinkuben im alpinen Dampfbad. Man liegt in der Dunkelheit, spitzt die Ohren, und die ganze Konzentration gilt Fritz Hausers Klopfen, Schlagen und Bearbeiten von Klangsteinen, die Augen schliessen sich, die Ohren öffnen sich, der Geist wandert.
Hinter den Tönen von Vals steckt unablässiges Experimentieren mit den Möglichkeiten unterschiedlicher Schlaginstrumente und Resonanzkörper. «Vor mehr als 40 Jahren begann ich, mich mit Schlagzeug zu beschäftigen. Damals habe ich nicht im Traum daran gedacht, dass sich das so lange halten könnte», sagt Fritz Hauser, der sein Handwerk an der Jazzschule und am Basler Konservatorium gelernt hat, zu seiner bevorstehenden vierwöchigen «künstlerischen Zwischenbilanz». Um seine Erfahrungen aus Jahrzehnten rhythmischer Subtilität und Entdeckerfreude, aus Millionen von Trommel- und Beckenschlägen in Worte zu fassen, bräuchte es natürlich einen grösseren Rahmen als einen Zeitschriftenartikel, meint er. «Als Schlagzeuger kann ich versuchen, all meine Eindrücke in den nächsten Trommelschlag einzubringen, die gebündelte Energie zum Klingen zu bringen. Bei ‹different beat› bietet sich da vom total reduzierten Solo bis zum Grossprojekt mit 25 Musizierenden viel Gelegenheit».
Neugier und Präzision
‹Solo› und ‹Grossprojekt› sind zwei Schlüsselwörter in Fritz Hausers Werk: Sie weisen auf seine ungeheure Vielseitigkeit hin, die bisher auf mehr als 40 Tonträgern dokumentiert ist. Die Soloarbeit ist für ihn erst die Grundlage, um überhaupt Grossprojekte machen zu können. «Ohne den Rückzug in meine solistische Klangwelt hätte ich kaum die Energie, mich so weit öffnen zu können, um mich mit 30 bis 40 KollegInnen auszutauschen und über vier Wochen nach allen Richtungen zu kommunizieren». Grossprojekte seien für ihn «Wegmarken, Vertiefungsmomente und gleichzeitig Sprungbretter ins Unbekannte. Es sind aber vor allem auch willkommene Begegnungen mit Kunstschaffenden, die auf eine gemeinsame Herausforderung fokussiert sind».
Ein weiteres, sich ergänzendes Begriffspaar in Hausers Arbeit sind Improvisation und Komposition: «Das Schlagzeug ist ein Instrumentarium mit tausend Klangfarben und unendlichen dynamischen Möglichkeiten. Improvisation scheint da die ideale Musizierform zu sein. Andererseits ist das Formen eines präzisen Vorgangs innerhalb dieses unbeschränkten Klang- und Geräuschkosmos eine extrem spannende Aufgabe. Ich möchte weder auf die eine noch die andere Annäherung verzichten wollen.»
Auffällig ist auch Fritz Hausers Offenheit für andere Kunstsparten. Er arbeitet beispielsweise mit der Tänzerin und Choreografin Anna Huber und dem Architekten Boa Baumann zusammen. Er interessiert sich für bildende Kunst und schafft Musik für Hörspiele. Stephan Heilmann, Hörspielredaktor bei Schweizer Radio DRS2, der mit Hauser in den letzten 20 Jahren etliche Hörspiele produziert hat, sagt, «die Zusammenarbeit mit Fritz Hauser ist ausgesprochen toll», denn «er zieht nicht immer wieder das gleiche Ding ab. Er weiss, was er will. Er hat Konzepte und Ideen und einen breiten Horizont, musikalisch und darüber hinaus». Auch deshalb erstaunt es nicht, dass der Journalist und Jazzkenner Patrik Landolt in einem Aufsatz in der Kulturzeitschrift ‹Du› (Januar 1997) Hauser in einem Zug mit Charly Antolini, Pierre Favre, Fredy Studer, Daniel Humair und Lucas Niggli nennt. Landolt vergleicht Hausers Art, die Klänge und Rhythmen zusammenzumontieren, mit der Uhrmacherkunst: präzise, raffiniert und niemals nur laut.| Raphael Zehnder
‹Different beat — 4 Wochen Schlag und Zeug›: So 31.12.06 bis So 28.1.07. 40 Veranstaltungen an verschiedenen Orten in Basel. Weitere Infos: www.fritzhauser.ch
(Heft Dezember 2006)




