Geselligkeit
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Manch einer ist am liebsten allein, hängt seinen Gedanken nach, gibt sich Träumereien hin oder pflegt Zwiesprache – mit einem Buch. Eine andere fühlt sich zu zweit am wohlsten (da ist man weniger allein), in Rede und Gegenrede ganz auf ihr Gegenüber bezogen, ein Dritter würde da nur stören. Und wieder andere blühen erst in der Gruppe so richtig auf, je grösser, desto lieber. Letztere bezeichnet man als gesellig und ist sich gemeinhin einig, dass gesellig gut, ungesellig aber schlecht, das heisst, irgendwie verdächtig, wenn nicht gar miesepetrig, gallig, ja geradezu krank ist. Na ja, es kommt darauf an (was täten wir ohne so ein schönes, zur rechten Zeit vorgebrachtes, scheinbar Unumstössliches relativierendes und je nachdem im Anschluss differenzierendes «es kommt darauf an»!). Statt aber nun einige allzu gesellige, ohne den steten Kontakt zur Herde lebensunfähige, in Redeschwall und Lachsalve geübte, laute und womöglich auch etwas angesäuselte Mitmenschen zu geisseln (obwohl sie es verdient hätten) oder sich über Zweierkistenbewohner lustig zu machen, die sich morgens für alle hörbar ein «Auf Wiedersehn, Liebster», «Hab einen guten Tag, Liebste» durchs offene Fenster der Wohnsiedlung nachrufen, «Danke, du auch» … will ich einfach ein (Achtung, 70er Jahre!) Loblied auf alle Einzelgänger und Nonkonformisten singen, das heisst, singen lassen. |
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