Selbst wer weder zu Krimis noch zur Theologie neigt, wird sich an den Bestseller ‹Der Name der Rose› erinnern, mit dem Umberto Eco 1980 schlagartig berühmt wurde. Der historische Kriminalroman, der u.a. mit Sean Connery auch verfilmt wurde, spielt in einer italienischen Benediktinerabtei – und Mord und Moral wechseln sich lustvoll ab. Mittelalterromane, Kirchenthriller, Kriminalistik und Mystik boomen seither – man denke nur etwa an Dan Browns Millionenauflagen.
Dass Krimi und Kirche geradezu innig verbunden sind, bestätigt auch Petros Markaris: «Die Religion ist ein Kriminalroman, an dessen Anfang ein Mord steht.» Unter diesem Titel wird der griechische Autor und Übersetzer einen Vortrag halten innerhalb einer Tagung, die dem Thema ‹Religion und zeitgenössische Kriminalliteratur› gewidmet ist. Das Forum für Zeitfragen, das 2007 bereits ‹Religion und Gegenwartsliteratur› beleuchtet hatte, organisiert den Anlass in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung beider Basel, der Theologischen Fakultät der Uni Basel und dem Literaturhaus Basel. An zwei Tagen wird ein dichtes Programm mit Vorträgen, Lesungen und Workshops angeboten, das sich sowohl an Fachleute aus Wissenschaft, Kirchen und Schulen, wie an ein literarisch und theologisch interessiertes Publikum richtet.
Die Referate werden allesamt von versierten Fachpersonen aus Theologie und anderen Disziplinen gehalten, so etwa von Jochen Vogt, einem Pionier der literaturwissenschaft-lichen Krimi-Forschung, Thomas Wörtche, der sich seit Jahrzehnten z.B. in Zeitungs-beiträgen mit dem Genre auseinandersetzt, oder Christine Stark, die u.a. an der feminis-tisch-theologische Zeitschrift Fama und bei der TV-‹Sternstunde Religion› mitwirkt. Zur Sprache kommen etwa die Entwicklungsgeschichte der Kriminalliteratur, Religion im Kriminalfilm und in Krimis von Frauen, Sakralthriller und interkulturelle Krimi-Konstellationen. Und natürlich wird dabei auch vom Bösen und der Wahrheit, von Schuld, Strafe und Vergebung, von Fanatismus und Chaos die Rede sein – alles, was uns nicht zuletzt fasziniert und Nahrung über den Tag hinaus liefert. Die Abendauftritte der Gastautoren Urs Schaub, Friedrich Ani und Petros Markaris, die u.a. höchst erfolgreich Krimis mit religiösen Bezügen verfasst haben, können auch unabhängig von der Tagung und ohne Anmeldung besucht werden.
Abgesehen von diesem Anlass gestaltet das Forum für Zeitfragen in dieser Saison einen zehnteiligen Schwerpunkt zum Thema ‹Geheimnis›, der mit einer ‹Nacht der Geheimnisse› abgerundet wird. Zudem vermittelt u.a. ein Kurs Einblicke ins Schweizer Asylwesen, eine Veranstaltung diskutiert die Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise in der Region Basel, und mehrere Abende stellen beeindruckende Frauen vor, u.a. die französische Philosophin Simone Weil, die heuer hundertjährig würde. | Dagmar Brunner
‹Unerlöste Fälle. Religion und zeitgenössische Kriminalliteratur›: Fr 30.10., 15.00—ca. 22.00, Sa 31.10., 9.00—ca. 21.00, Literaturhaus Basel. Anmeldung erforderlich: T 061 261 29 50, www.literaturhaus-basel.ch. Programm Forum für Zeitfragen → S. 26
Ausserdem: ‹Crime Time› mit Schweizer AutorInnen: Do 29.10., 19.30, Kantonsbibl., Liestal → S. 40
(Heft Oktober 2009, S. 12 )




