INGO STARZ
Ein Festival weitet den Horizont.
Auch in seiner fünften Ausgabe präsentiert das Festival ‹Trans(e)› in Mulhouse künstlerische Beiträge aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Vielfältig werden Positionen zeitgenössischer Ästhetik zur Diskussion gestellt, die nach Gesellschaft, Identität oder auch Nation fragen. Gespräche mit Kunstschaffenden, Schulvorführungen und eine deutschsprachige Theaterproduktion beweisen das Interesse an grenzüberschreitender Publikumsnähe.
Zum Auftakt wird die Fotoausstellung ‹Obsessions› eröffnet und mit ‹Les rois du suspense› von Grand Magasin ein Stück absurden Theaters gezeigt. In der Choreografie ‹Sideways Rain› des in der Schweiz tätigen Guilhaume Botelho wird der Bühnenraum zur Flutwelle, die den Menschen fortreisst, während die Gruppe Dérézo mit ihrer Uraufführung ‹Le défilé des Habitats› das Publikum in die Strassen von Mulhouse entführt. ‹Matin brun› von Christophe Greilsammer setzt sich mit der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Alltagsgeschehen auseinander. Die Choreografin Stephanie Thiersch macht in ‹As if (we would be)› die (allseits bekannte) Warteschlange zum Thema einer tänzerischen Recherche. Das deutsche Theater Helios schliesslich widmet sich mit ‹H2O› kindgerecht dem flüssigen Element. Ein dichtes Programm, eine Woche lang: mehrsprachig und vielseitig überschreitet das Festival Grenzen.
Mit dem Berliner Ballhaus Naunynstrasse gastiert eine der angesagtesten deutschen Bühnen in der Filature. Unter der Leitung von Shermin Langhoff, die 2014 zu den Wiener Festwochen wechselt, etablierte sich in den letzten Jahren höchst erfolgreich postmigrantisches Theater in der deutschen Hauptstadt. ‹Lö Bal Almanya›, ein musikalisches Schauspiel von Nurkan Erpulat und Tunçay Kulaoglu lässt fünf Jahrzehnte Gastarbeiterdasein in Deutschland Revue passieren: Eine Produktion, die auf der Basis gründlicher Recherchen den Betroffenen Stimmen verleiht. Die Darstellenden mit Migrationshintergrund wissen, wovon sie reden: Die Kinder der ImmigrantInnen sind in der deutschen Kultur angekommen. ‹Trans(e)› verweist auf die grundsätzliche Multikulturalität von Kultur. Und demonstriert beispielhaft, wie kultureller Austausch über die Grenzen hinweg funktionieren kann.
Festival Trans(e): Fr 16. bis Sa 24.3., La Filature, Mulhouse und Aussenspielorte, www.lafilature.org
(Heft März 2012, S. 21)




