Einiges in Bewegung | Pop- und Rockszene Basel
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Der Vorstoss, die Kaserne Basel in ein Zentrum für Populärmusik umzuwandeln, wurde zwar nicht umgesetzt, sorgte aber für hoffnungsvolle kulturpolitische Weichenstellungen.
7000 Besucherinnen und Besucher drängten sich am letzten März-Wochenende an der diesjährigen ‹BScene›, der Leistungsschau des regionalen Rock- und Popschaffens, in die neun beteiligten Clubs. In nicht weniger als 52 Konzerten konnte man sich von der Lebendigkeit und Innovationskraft der Szene überzeugen, die neben ihren klassischen Stärken im Hip-Hop auch auf dem Gebiet des Rock und Grunge sowie im Singer-/Songwriterbereich herausragende KünstlerInnen und Formationen vorzuweisen hat. Und dies, obschon die Auftrittsmöglichkeiten die Bedürfnisse von Szene und Publikum noch immer nicht zu befriedigen vermögen.
«Es ist aber einiges in Bewegung geraten», sagt Tobit Schäfer. Der SP-Grossrat und Co-Geschäftsführer des Rockfördervereins der Region Basel (RFV) hatte im Sommer 2006 für ziemlich viel Unruhe gesorgt, als er mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit trat, die Kaserne Basel vom Mehrspartenhaus in ein monokulturelles Zentrum für Rock- und Popmusik umzuwandeln. Die
Debatte, die daraus entstand, erwies sich aber als durchaus fruchtbar. Vertreterinnen der aufgeschreckten Tanz- und Theaterszene setzten sich mit den Poplobbyisten an einen Tisch, und im linksgrünen Bündnis im Grossen Rat regte sich kulturpoli-
tische Geschäftigkeit.

Struktureller Entscheid
Die Resultate stimmen hoffnungsvoll: Der runde Tisch über die inhaltliche und strukturelle Ausrichtung der Kaserne Basel führte zum Schluss, dass das Kulturzentrum im Kleinbasel die Sparten Theater/Tanz und Musik gleichberechtigt zu behandeln hat. «Diese Richtlinie ist integraler Bestandteil des Subventionsvertrags», sagt Michael Koechlin, Leiter des Ressorts Kultur Basel-Stadt. Dennoch hat die designierte Leiterin der Kaserne Basel, Carena Schlewitt, mit ihrem Entschluss, sich vom bisherigen Leitungsduo der Musiksparte zu trennen, erneut für Unruhe gesorgt.
Schlewitt betont vornehmlich strukturelle Gründe – sie möchte die Leitung der Musiksparte gleich wie bei den anderen Bereichen auf anderthalb Stellen beschränken: «Mein Entschluss ist also keineswegs ein Plädoyer gegen die inhaltliche Ausrichtung, die das Musikprogramm der Kaserne Basel heute prägt.» Die Suche nach einem neuen Leiter oder einer neuen Leiterin läuft im Moment auf Hochtouren. Schlewitt hofft, bis Ende April eine personelle Entscheidung treffen zu können. Und ab Herbst wird die neue Kasernenleiterin dann den Tatbeweis antreten müssen, dass ein strukturelles und zuweilen vielleicht gar inhaltlich nachvollziehbares Nebeneinander von Theater und Popmusik in den Räumlichkeiten der Kaserne Basel möglich ist. Immerhin kann sie mit der Gewissheit planen, dass die verbesserte Schallisolation der Reithalle mittlerweile hält, was einst versprochen wurde.

Deutlich mehr Geld
Tobit Schäfer sieht sich gegenwärtig in einer eher skeptisch zurückhaltenden Beobachterrolle, was die nähere musikalische Zukunft in der Kaserne Basel angeht. Für mehr und vor allem spontanere Freude sorgt indes die Tatsache, dass der RFV dank einem Budgetpostulat von SP-Grossrat Beat Jans vom Kanton Basel-Stadt mehr Geld erhält. Zu den bisherigen 220000 Franken an jährlichen Beiträgen aus der Kulturvertragspauschale kommen nun ab diesem Jahr neu 300000 Franken an Subventionen hinzu – ein Betrag, der in den nächsten drei Jahren jeweils um 30000 Franken angehoben wird.
In eine konkrete Phase tritt auch der Einbau von zehn Proberäumen für Rockbands im sogenannten Unterwerk Volta beim
Voltaplatz. Etwas Geduld benötigt indes der Wunsch nach neuen, zusätzlichen Auftritts- bzw. Konzerträumen für Musik- und Theater-/Tanzformationen. Die auf dem Kasernenareal tätigen kulturellen Institutionen haben ihre Bedürfnisse nach mehr Raum zwar bereits offiziell zu Papier gegeben, aber bis die zukünftige Gestaltung des Areals konkrete Formen annimmt, dürfte noch einiges Wasser den dahinter abgeschotteten Rhein hinunterfliessen. | Dominique Spirgi

Bye-Bye-Party der bisherigen Musikspartenleiter Nic Plésel und Heinz Darr: Sa 31.5., 21.00, Kaserne Basel

(Heft Mai 2008)