Gitarren unter Strom
uh. Eine Gitarre unter Strom ist viel mehr als laute Musik. Stromgitarrenmusik war Opposition, Rebellion und Katalysator eines neuen Lebensgefühls. Als der in die USA emigrierte Basler Adolph Rickenbacher 1934 die erste seriell hergestellte elektrische Gitarre der Welt vorstellte, wurde sie noch spöttisch als ‹Frying Pan› (Bratpfanne) bezeichnet. Das Museum für Kommunikation in Bern fängt in seiner aktuellen Ausstellung die Faszination ein, die von diesem Instrument und seiner Geschichte ausgeht. Das Publikum geht durch den Backstagebereich in Richtung Bühne. Unterwegs werden mit Text, Bild, Ton und Film musikalische und gesellschaftliche Auswirkungen der Stromgitarre erforscht, Bezüge und Zusammenhänge sichtbar gemacht. Dem persönlichen Gitarren-Gott kann man zuschauen –beim Spielen und finalen Zerstören seines Instruments. Der mitgelieferte Kopfhörer liefert die Rückkopplungen dazu.
‹Stromgitarren: Legenden. Lärm. Leidenschaft›: bis So 30.4.06, Museum für Kommunikation, Helvetiastr. 16, Bern, www.mfk.ch
Sammelsurium
tg. Die 7. CD in der Reihe ‹Live at The Bird‘s Eye› versammelt unter dem witzigen Titel ‹Call It Wachawanna› (mit diesem Ausspruch pflegte der Saxofonist Johnny Griffin auf
die Frage, welche Musik er denn spiele, zu antworten) Aufnahmen mit sieben Formationen, die teils nur in der Instrumentierung, aber auch in der Stilistik vom courant normal des Jazz abweichen. So ist zum Beispiel das New Trio, zu dem der Flötist Günter Wehinger, der Cellist Daniel Pezzotti und der Pianist Chris Wiesendanger gehören, mit der Bearbeitung eines melancholischen Sonatensatzes des Komponisten Bohuslav Martinù zu hören. Die beschwingtesten Momente verdankt die CD dem Mundharmonika-Virtuosen Olivier Ker Ourio und dem Geiger Rudi Berger. Eine Entdeckung ist das Ensemble Afines des leidenschaftlichen argentinischen Pianisten Emilio Solla, dem mit seiner ‹Suite Piazzollana› ein packender Brückenschlag zwischen Tango und Modern Jazz geglückt ist. Insgesamt wirkt das Album allerdings eher beliebig.
Literarische Preziosen
db. Der Mensch zwischen Gut und Böse steht im Zentrum des diesjährigen literarischen Zyklus ‹Wintergäste›, den die Baselbieter Kulturabteilung seit vielen Jahren erfolgreich organisiert. Mit der Frage, was einen guten Menschen ausmacht, haben sich viele Dichter herumgeschlagen, und daraus sind etliche unsterbliche Geschichten entstanden. Eine Handvoll schöner Beispiele ist, gelesen von bekannten Profis, an fünf Sonntagen zu hören, und zwar immer als Matinée im Burghof in Lörrach und am späteren Nachmittag im Kloster Schoenthal in Langenbruck oder in der Kantonsbibliothek in Liestal. Im Stedtli ist zur Zeit auch eine Ausstellung zur ‹Ergolzreihe› zu sehen. Die zehn schmucken Bändchen mit Lyrik und Holzschnitten von lokalen KünstlerInnen erschienen von 1964–1996 in einer Liestaler Druckerei. Drei Veranstaltungen ergänzen die Schau.
Zyklus ‹Wintergäste›: So 15. bis 19.2. Ausstellung ‹Ergolzreihe›: bis So 12.2., Dichter- und Stadtmuseum, Liestal. Mit Lesung (15.1., 11.00), Referat (25.1., 19.15) und Demonstration (26.1., 19.30, Druckerei Heinzelmann & Kunz)
Antiquariatsmarkt
db. Der elfte Antiquariatsmarkt vereinigt rund ein Dutzend HändlerInnen der Region und lädt mit einer Fülle von Angeboten zum Stöbern und zur Schnäppchenjagd ein. Natürlich sind vor allem Bücher zu haben, darunter Erstausgaben, illustrierte, rare, kostbare Werke diverser Fachgebiete sowie Autografen, Kunstdrucke und Stiche aus vier Jahrhunderten. Zudem wird wieder ein Kuriositätentisch eingerichtet. Jeder Stand hat im Übrigen seine Besonderheiten, die von den Fachleuten auch gerne präsentiert werden. Die Beratung ist kostenlos, und es gibt für jedes Portemonnaie etwas. Kulinarische Häppchen sorgen dafür, dass nicht nur der Geist genährt wird.
11. Basler Büchermarkt der Antiquare: Fr 27.1., 17.00—20.00, Sa 28.1., 11.00—19.00, So 29.1., 11.00—18.00, Zunftsaal des Schmiedenhofs, Rümelinsplatz
Vorschau: 12. Antiquariats-Messe: Fr 3. bis So 5.3., Kunsthaus Zürich, grosser Vortragssaal (37 Antiquariate aus dem In- und Ausland), www.bookfair.ch
Buchkunst
db. Bibliophil veranlagte Naturen können sich derzeit in einer Ausstellung der Universitätsbibliothek delektieren. Julia Vermes zeigt dort eine prächtige Auswahl ihrer Sammlung an Künstlerbüchern, Buchobjekten und Alphabetbüchern. Die gebürtige Ungarin und Kunstfreundin, die sich selbst eine «gewisse Lesefaulheit» attestiert, begann vor rund 15 Jahren zu sammeln und erwarb auf Messen, Flohmärkten, Ausstellungen und im Austausch mit KünstlerInnen eine Fülle von Schätzen der Typo-, Druck- und Buchbinderkunst. Da gibt es Werke mit Texten und Grafiken von z.T. berühmten Namen oder Bücher in ungewohnter Form und Materialität, etwa eine Bücher-Pistole und ein Büchlein aus Kaffeefiltern etc. Es gibt literarische Postkarten, Unikate, Multiples, Kalligrafien, Musterbücher sowie Kinderbücher aller Art. Das meiste ist Handwerk vom Feinsten. Die beeindruckende Vielfalt erfordert etwas Geduld und verführt zu neuen Sichtweisen und Lesarten.
‹Alphabet, Buchobjekt & Co.›: bis Sa 11.2., Unibibliothek. Mo bis Fr 8.30–19.30, Sa 8.30–16.30. Führungen mit Julia Vermes: Mi 11.1., 15.00, Mi 18.1., 17.30 und Do 26.1., 17.30
Urban Islam
db. Der Islam ist hier und heute auch unter Gebildeten eher ein Reizwort als Gegenstand vertiefter Auseinandersetzung. Aufklärung und Vermittlung sind gefragt, und zwar je früher desto besser. Das Basler Museum der Kulturen kommt dem Bedarf mit einer grossen, multimedialen Ausstellung zum Thema ‹Urban Islam› entgegen. Dabei kann man erfahren, wie der Islam heute von jungen Erwachsenen auf verschiedenen Kontinenten praktiziert wird. Mit Videos, Collagen, Musik und Objekten wird der muslimische Alltag im städtischen Umfeld Marokkos, Senegals, Surinams, der Türkei und auch der Schweiz dokumentiert, Letzteres mit einem Kurzfilm von Alain Godet, der sechs Jugendliche unterschiedlicher Nationalität aus Basel, Genf und Zürich porträtiert hat. Die Ausstellung fokussiert nicht den Fundamentalismus, sondern die beeindruckende Vielfalt muslimischer Lebensentwürfe, und das Publikum ist eingeladen, sich aktiv mit den Inhalten auseinander zu setzen. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Workshops für Schulklassen ergänzt die Schau.
‹Urban Islam. Zwischen Handy und Koran›: Di 24.1., 17.00 (Vernissage) bis 2.7.06, Museum der Kulturen, www.urbanislam.ch, www.mkb.ch
Kunst von Solchen und Anderen
db. 1982 wurde zur nachhaltigen Unterstützung von psychisch beeinträchtigten Menschen die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft PSAG als Verein gegründet. Heute stehen fünf Angebote zur Verfügung, die von rund 600 KlientInnen jährlich genutzt und von 50 Fachleuten betreut werden: Beratungsstelle, Besuchsdienst, Tageszentrum, Wohnbegleitung und das Arbeitsprojekt Transform. Die Beratungsstelle feiert 2006 ihr 20-jähriges Bestehen und zeigt zum Jubiläum Resultate von künstlerischen Prozessen. Die Zeichnungen und Gemälde wurden von den ‹Fehlerpflegern› und Kunstschaffenden Simone Kurz und Markus Häberlin ausgewählt, welche die sehr unterschiedlichen Werke von 14 KünstlerInnen nun unter dem Titel ‹mittendrin› präsentieren. Eine Diskussion mit einer der Ausstellenden und ein Abend mit Musik und einer Lesung begleiten die Schau. –
Mit zahlreichen Produktionen im Bereich Theater, Film, Musik und Tanz ist der Verein Die Anderen bekannt geworden, dem Kunstbegabte und -interessierte mit und ohne Behinderung angehören. U.a. hat er 2004 das Wildwuchs-Festival organisiert und plant für Juni 2007 eine weitere Ausgabe. Und er wird 2006 auch die Veranstaltungsreihe der ‹Anderen im Ausgang› fortsetzen und ausbauen. Diese ermöglicht nun monatlich regelmässig an verschiedenen Orten der Stadt und Umgebung Begegnungen mit ‹anderen› Kunstideen und Menschen. Willkommen sind alle, die lebendige, bunte und schräge Kultur mögen, nicht zuletzt GönnerInnen.
Ausstellung ‹mittendrin›: Do 12.1., 18.30 (Vernissage) bis Do 26.1. Weitere Infos: www.fehlerpfleger.ch
Verein Die Anderen, www.dieanderen.ch
Museumsnacht
db. Über 20000 Menschen sind jeweils an der Museumsnacht unterwegs und bescheren den traditionellen Häusern ungewohnte Aufmerksamkeit. Die geben sich allerdings auch redlich Mühe, ihre Angebote attraktiv zu präsentieren oder mit besonderen Programmen, Stars und Highlights auf sich aufmerksam zu machen; heuer sind sie besonders vielfältig. Neben den 30 beteiligten Museen laden elf Gastinstitutionen ebenfalls zu einer breiten Palette von Veranstaltungen ein. Zu erleben sind etwa Filme, Workshops, Konzerte, Perfomances, Lesungen, Kurzführungen und -referate sowie spezielle Events für Kinder und Familien; Zudem gibt es allerorten auch Kulinarisches aus den Küchen der Welt.
6. Museumsnacht: Fr 27.1., 18.00—2.00, Ticket CHF 20, mit dem Oberrheinischen Museumspass CHF 10, für junge Leute bis 25 gratis. Programm, www.museenbasel.ch
Farbenspiele
db. Seit 1967 unterrichtet der Basler Grafiker Moritz Zwimpfer an der Schule für Gestaltung Basel Farbe und Grafik-Design. Und er hat schon etliche Publikationen zur visuellen Wahrnehmung und Kommunikation veröffentlicht. Vor kurzem etwa das Farbenspiel ‹Colorondo›, bei dem 80 kleine quadratische Farbtafeln mit herausnehmbaren runden Farbkreisen eine Fülle von Variationen erlauben. Durch das Unterscheiden, Ordnen und Kombinieren von Farben und das Beschreiben ihrer Wirkung kann man die eigene Wahrnehmung schulen und schärfen – eine ebenso lustvolle wie lehrreiche Beschäftigung.
Moritz Zwimpfer, ‹Colorondo›. Set mit 5 Farbtafeln à 16 Farben, mit Anleitung und Schuber, 16,5x16,5cm, CHF 38. Verlag Niggli AG, Sulgen, www.niggli.ch
Steindruck & Co.
db. Mit einer Ausstellung gibt Kurt Meier, der langjährige Fachlehrer für Lithografie und Steindruck an der Basler Schule für Gestaltung, seinen Abschied. Freilich nicht ganz ohne Bitterkeit darüber, dass das Handwerk im digitalen Zeitalter keine Priorität mehr hat in der Ausbildung von GestalterInnen. Der Handlithograf, der 20 Jahre lang eine eigene Steindruckerei betrieb, dabei namhafte KünstlerInnen kennen lernte und selber künstlerisch tätig ist, zeigt ausgewählte Arbeiten von 17 Teilnehmenden aus seinen und Florian Dammeyers Lithokursen. Darunter Werke von Christina Jermann, über die er ein einfühlsames Filmporträt gedreht hat, das ebenfalls zu sehen sein wird.
Ausstellung Lithografie und Steindruck: Do 26.1., 17.00 (Vernissage) bis So 5.2., 17.00 (Finissage mit Filmvorführung), Plattform M54, Mörsbergerstr. 54. Täglich 17.00—20.00
Lieblingsplakate
db. Die Schule für Gestaltung Basel archiviert in ihrer Plakatsammlung etwa 60000 Plakate, viele davon aus der grossen Zeit der Basler Plakatgrafik. Diese Bestände sollen wieder häufiger gezeigt und für Lehrzwecke genutzt werden. Den Anfang macht eine Ausstellung, die drei Klassen der Schule zusammen mit Verantwortlichen der Plakatsammlung realisiert haben. Über 60 Basler Prominente aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Sport wurden nach ihrem Lieblingsplakat befragt. Ihre Aussagen und ihr Porträt sind mit dem Plakatfavoriten ausgestellt. Neben Präferenzen erfährt man unterschiedliche Lesarten von Werbung.
‹Mein Lieblingsplakat›: bis So 29.1.06, Schule für Gestaltung, Spalenvorstadt 2. Di bis Fr 12.00—19.00, Sa/So 12.00—17.00 (31.12. und 1./2.1. geschlossen).




