Wer früher ins Museum ging, tat das meist sonntags und demgemäss ‹anständig› gekleidet. Motorisch und akustisch still vertiefte man sich in die ausgestellten Werke und unterbrach diese Ruhe höchstens, um gemessen von einem Werk zum nächsten zu schreiten. Doch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts war dieser Museumsbesuch manchen Kunstschaffenden zu temperiert und distanziert. Sie suchten Abhilfe in neuen Formen der Präsentation ihrer Werke; erst recht in den Sechzigerjahren genügten ihnen die herkömmlichen nicht mehr.
An diese Vorarbeit kann der Basler Künstler Christoph Büchel anknüpfen, wenn er seine räume greifenden Installationen errichtet. Wer allerdings die bis Januar 2006 verlängerte Ausstellung ‹Hole› in der Kunsthalle besichtigen will, tut dies besser nicht in den Lieblingsklamotten. Denn schon am Eingang wird vor Schäden an der Kleidung gewarnt.
Auf krummen Pfaden und durch Löcher in Wand und Böden gelangt man in wenig anheimelnde Örtlichkeiten: ein Vorzimmer mit Überwachungsschirm, eine Werkhalle mit ausgebranntem und ausgeweidetem Bus, ein biederes Wohnzimmer. Das angehäufte Material lädt geradezu zur Spurensuche ein. Jeder Gegenstand wird zum Indiz für die Rekonstruktion des Geschehens, das sich hier ereignet hat. Der Eindruck von vergangener oder noch aktueller Bedrohung macht den Parcours nicht eben angenehm.
Und schon sind wir Büchel ‹auf den Leim› gegangen. Denn eigentlich sind die Dinge ja stumm. Doch die objets trouvés gewinnen in der Installation eine ganz eigene Authentizität. So sind in Büchels Installationen die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität nicht mehr auszumachen; sie sind einer Zeit gemäss, in der den Besuchsmassen eine Kopie der Höhle von Lascaux vorgesetzt oder in Reality-Shows ‹wahres› Leben gespielt wird.
Auch daher sind Büchels Arbeiten so suggestiv. Mit dem ausgebrannten Bus oder dem Überwachungsschirm schliesst der Künstler die Räume, die wir betreten, mit den psychischen Räumen kurz, in denen wir unsere Ängste eingesperrt halten. Die Trennung zwischen Werk und Rezeption, die schon die Moderne abschaffen wollte, ist hier nicht allein dadurch aufgehoben, dass die Betrachtenden ins Werk integriert werden; vielmehr sind realer, inszenierter und psychischer Raum nicht mehr zu unterscheiden. – Einzig das Loch in meiner Lieblingshose ist echt! | Heinz Stahlhut
Ausstellung ‹Hole› von Christoph Büchel: verlängert bis So 1.1.06, Kunsthalle Basel (24., 25. und 31.12. geschlossen, 26.12. und 1.1., 11.00—17.00)




