Zeit, musikalisch
uh. Über die Zeit zu philosophieren, ist nicht nur Profis vorbehalten. Auch Musikschaffenden bietet das Fach seit je einen beliebten Hintergrund für ihre Kompositionen. Dem Duo Fatale ist sie Anlass für eine ganze CD-Produktion. Weitgereist und vielbeschäftigt, sind die Akkordeonistin Ingeborg Poffet und der Saxofon- und Klarinettenbläser Jopo seit mittlerweile 16 Jahren und 13 veröffentlichten Tonträgern am musikalischen Erforschen der Grenzbereiche zwischen Volksmusik, zeitgenössischem Jazz und Improvisation. Sie waren am ‹Stimmen›-Festival zu hören und im Film ‹Alles auf Zucker› von Dani Levy (Deutscher Filmpreis u.a. für die beste Filmmusik). Auf ihrer neuesten CD verbinden sie ihr Instrumentalspiel mit behutsam eingesetzter Elektronik zu einer eigenwilligen, mal wilden, mal besinnlichen Interpretation über die Zeit.
Konzert und CD-Taufe mit Duo Fatale: Fr 2. bis So 4.12., jeweils 20.30, Unternehmen Mitte, Safe. CD: ‹Fiction — die Zeit›, Xopf-Records Nr. 039. Weitere Infos: www.duofatale.ch
Hommage à Honegger
az. Arthur Honeggers grosse Oratorien ‹Le Roi David› und ‹Jeanne au Bûcher› waren früher alle paar Jahre in Basel zu hören, nicht zuletzt dank dem Freund und Förderer Paul Sacher, der ‹Jeanne au Bûcher› 1938 hier uraufgeführt hat. Nun ist ‹Le Roi David› erneut zu erleben: Im Rahmen einer Tournee zu Honeggers 50. Todestag führt das seit drei Jahren bestehende Orchestre Symphonique du Jura zusammen mit dem in Brüssel domizilierten Choeur de l’Union Européenne das Werk auf. Die musikalisch vielseitige Partitur ist ursprünglich für die Bühne entstanden. 1921 wurde mit dem Stück das Théâtre du Jorat, ein stimmungsvoller Holzbau im Waadtländer Dorf Mézières, nach einem kriegsbedingten Unterbruch wieder geöffnet. Der Text, der auf dem Alten Testament basiert, stammt vom Gründer des Theaters, dem Waadtländer Dichter René Morax. (Das Théâtre du Jorat, ein Juwel der Schweizer Theatergeschichte, wurde übrigens in den Achtzigerjahren neu entdeckt, renoviert und wieder in Betrieb genommen.) Die Basler Aufführung leitet der Argentinier Facundo Agudin, der Chefdirigent des Orchesters.
Konzert ‹Le Roi David›: Do 1.12., 20.00, Martinskirche
Kraftlieder aus aller Welt
db. Singen macht froh, stärkt die Gemeinschaft, belebt Traditionen und verbindet uns mit andern Kulturen. Dies trifft auch auf die Doppel-CD zu, die Karin Jana Beck (Akkordeon) und Matthias Gerber (Geige) zusammen mit Ad-hoc-Chören aufgenommen haben. Sie versammelt 62 Kraftlieder und einfache Volkslieder aus aller Welt, die sich bestens zum Mitsingen eignen. Seit über zehn Jahren tritt das Winterthurer Paar mit Folk- und Tanzmusik bei verschiedenen Anlässen auf, veranstaltet Singabende und -seminare, begleitet Menschen auch therapeutisch und vermittelt ein reiches musikalisches Erbe möglichst ursprünglich oder mit eigenen Interpretationen. Die beiden CDs werden durch ein ebenso informatives wie sorgfältig und liebevoll gestaltetes Booklet ergänzt, das Hintergründe und Texte samt Übersetzung und Begleitakkorde zu allen Liedern liefert und zusätzliche Quellen nennt. Vom Verkauf des beeindruckend stimmigen CD-Sets geht ein Teilbetrag an ein Zigeunermusikprojekt in der Slowakei.
Doppel-CD-Set ‹SiyaBonga›, CHF 45, separate Übungs-CD CHF 15, www.tschatscho.ch
Monday, Monday
db. Seit Anfang November sind in der ‹nt/Lounge› jeden Montagabend Live-Konzerte von Bands aus der Region zu hören. Organisiert werden sie von Simone Meyer, die über vielfältige Erfahrungen im Planen und Durchführen von Veranstaltungen verfügt (u.a. im KiFF in Aarau, am Jazzfestival und Stadtfest in Olten). Die neue Konzertreihe läuft versuchsweise bis Ende Jahr in der ehemaligen Kantine der Deutschen Bahn, nutzt den Frei-Tag des Restaurants Erlkönig und belebt den kulturärmsten Tag der Woche.
‹NTlich Live›: jeweils Mo 21.00, mit Blush (5.12.), Sensibelle (12.12.) und Masternova (19.12.), nt/Lounge, Erlenstr. 21–23
Balkan-Party
db. Zu einer temperamentvollen Begegnung mit Musik aus Mittel-Ost-Europa kommt es, wenn DJ Shantel (Stefan Hantel) auf Einladung von ‹Heisenberg tanzt› erstmals in Basel einen ‹Bucovina Club›-Abend präsentiert. Die Grosseltern des Frankfurter Allround-Electronica-Musikers stammten aus Czernowitz im ehemaligen Herzogtum Bukowina zwischen Polen, Rumänien und der Ukraine. Früher lebte dort ein multikulturelles Völkergemisch, darunter viele Deutsche, Juden und Roma. Entsprechend feurig ist der Sound, den Shantel aus vorhandenem Material raffiniert zusammenmixt; seine Auftritte und CDs sind europaweit heiss begehrt.
Bucovina Club mit DJ Shantel: Fr 16.12., 22.00—2.00, Offene Kirche Elisabethen, www.heisenbergtanzt.ch
Orientalische Nacht
db. Vor gut fünf Jahren startete Barbara Hauser den Allegra Club im Hotel Hilton, der sich zum führenden Salsa-Lokal entwickelt hat. An vier Abenden pro Woche kann man in angenehmer Atmosphäre (und auch als Single) tanzen sowie Tanzkurse und Bar-Mix-Kurse besuchen. Neu wird zweimal monatlich eine orientalische Nacht mit ägyptischem DJ und Bauchtänzerin angeboten. Wer will, kann Wasserpfeife rauchen oder vorgängig einen Gratis-Crash-Kurs in Bauchtanz absolvieren.
‹1001 Nacht›: So 4. und 18.12., 21.00, Allegra Club, Hotel Hilton. www.allegra-club.ch
Innerschweizer Doku-Road-Musiker
uh. Thomas Hösli gehört zu der Sorte Mensch, die sich gerne verweigern. Er ist ein Widerborstiger, unbequem und schrill, ausgestattet mit einem Hang zum Pathetischen. Als Punk-Rocker mit seiner Band Steven’s Nude Club zeigte er der Welt den Stinkefinger. Heute pfeift das Luzerner Szene-Original immer noch auf Konventionen, allerdings etwas subtiler. Zusammen mit seinem musikalischen Partner, dem Jazzpianisten Ricardo Regidor, packt er Zwischenmenschliches und Gesellschaftskritik in virtuose Chansons. Jetzt erzählt der Film ‹Blau› von Stefan Kälin und Norbert Wiedmer vom heiter-ironischen Lebensentwurf der beiden und ihrem Anspruch, die Welt mittels Unterhaltung zu verändern.
‹Blau. Ein Musikfilm mit Hösli & Ricardo›: ab So 4.12., 13.30. Stadtkino Basel. Konzert Hösli & Ricardo: Sa 10.12., 20.00, Stadtkino
Trash in Hell-dunkel
uh. Der vorweihnachtlichen Besinnlichkeit überdrüssig, haben Trash-Fans seit nunmehr acht Jahren die Möglichkeit, ans Clair-obscur- Filmfestival zu flüchten. Auch heuer ist allerdings nicht ganz klar, ob die an drei Abenden gezeigten Animations-, Kurz- und Langspielfilme aus den qualitativen Untiefen der C-Movies ans Licht gezerrt und von den Organisatoren kurzerhand zum Kult erklärt wurden, oder ob die Programmierung in tieferer Absicht erfolgte. So oder so sind wieder sämtliche, im gängigen Kino sonst unsichtbaren Genres vom Billig-Gruselfilm über die absurde Zeitgeist-Satire bis hin zur Porno-Persiflage aus Europa und den USA vertreten. Wer Geschmacklosigkeiten liebt oder sich einen Rückfall in die Pubertät leisten will, lasse sich überraschen.
8. Clair-obscur-Filmfestival: Do 15. und Fr 16.12. ab 20.30, Sa 17.12. ab 19.00, Café Imprimerie, St. Johanns-Vorstadt 19. Zutritt ab 18 Jahren, Eintritt frei. www.clair-obscur.ch
Literarische Kinowerbung
db. Mit einer neuen feinen Werbung macht die Kultkino AG auf sich bzw. ihr Programm aufmerksam. Begeistert von seiner Kolumne ‹Gastro.sophie›, mit der Oliver Lüdi seit fünf Jahren die ProgrammZeitung bedient, heckte Kultkino-Leiterin Suzanne Schweizer mit dem Basler Autor eine ‹cineastisch-literarische Aktion› aus. Unbekümmert um die üblichen Standards von PR oder Kritik, bespricht er in der Regel einmal pro Monat einen aktuellen Film, z.B. ‹Va, vis et deviens› und ‹Broken Flowers›. Der Text wird auf einen schmalen Papierstreifen gedruckt und liegt wie eine kleine Filmspule gerollt an verschiedenen Orten auf. Man wünscht ihr eine breite Leserschaft und den Filmen viel Publikum.
Cabaretbuch
db. Sie können auf eine lange gemeinsame Bühnenlaufbahn zurückblicken: das Cabaretduo César Keiser und Margrit Läubli. Der Basler und die Zürcherin, die auch privat ein Paar sind, haben viele Nummern kreiert, die längst zu helvetischen ‹Klassikern› avancierten. Nun vermittelt ein üppiger Bild- und Textband einen beeindruckenden Einblick in ihr Schaffen. Er enthält 101 Texte aus 40 Jahren: Verse, Songs, Dialoge und Limericks, die Cés Keiser verfasst hat und die sich auch als vergnügliche, poetische, satirische und engagierte Kommentare zum Zeitgeschehen lesen lassen.
‹Das Grosse César Keiser Cabaret Buch›. Vorwort Franz Hohler, Verlag Huber Frauenfeld, 2005. 302 S. mit vielen Abb., gb., CHF 48.
Kabarettistische Lesungen mit Keiser und Läubli: Do 1. bis Sa 3.12., 20.00, Tabourettli
Adventspoesie
db. Dass der Advent ein abenteuerlicher Event ist, erfahren wir auf einem Tonträger, der 24 (vor-)weihnächtliche Geschichten und Melodien der etwas anderen Art enthält. Das Trio Pianottoni (Posaune, Trompete, Klavier) und zwei Sprechstimmen präsentieren bekannte Klänge in neuen Arrangements und Kurztexte von einem Dutzend Schweizer AutorInnen, darunter Gisela Widmer, Ulrich Knellwolf, Sibylle Berg, Erwin Koch, Milena Moser, Urs Widmer und Franz Hohler: freche, skurrile, anrührende Geschichten, die extra für das Hörbuch verfasst wurden.
CD ‹Artvent›, CHF 29, www.pianottoni.ch
Am vierten Tag Blumen
ol. Chrigel Fisch, u.a. Autor des Nebelspalters und der Kolumnensammlung ‹Gott spielen, während andere arbeiten müssen›, ist in Basel kein Unbekannter. Zumindest als langjähriger Teilhaber des Musikbüros Fischer & Fisch in der Kaserne Basel und Autor des Restaurantführers ‹aufgegabelt› hat er uns viel Freude bereitet. Dieser Tage erscheint nun seine neue Erzählung, die einen schönen Titel trägt und von einem erfolglosen Ex-Künstler handelt, der sich plötzlich in der Midlife-Crisis gefangen sieht. Der eine Postkarte aus Griechenland bekommt – zu seinem Glück oder Unglück – und vier Tage Zeit hat, sein Leben zu ordnen. Der Verlag spricht vom «herrlich hoffnungslosen Fall, der irgendwie doch noch die Kurve kriegt: subversiv, wütend, poetisch» – das klingt doch sehr verheissungsvoll.
Chrigel Fisch, ‹Donnerstag Freitag Samstag Sonnenblume›. Lagrev Verlag, 2006. 270 S., kt., CHF 19.80
Kalenderzeit
db. Aus dem Kalenderangebot sind mir zwei besondere Neuheiten ins Auge gestochen: Erstens der Adventskalender ‹Morgen, Liebste/r, wird’s was geben!›, ein Wandschmuck für erwachsene Paare, den eine entzückende Collage von Anna Sommer ziert. Abwechslungsweise dürfen Er (blaue Ziffern) und Sie (pink Ziffern) ein Türchen öffnen – mehr sei hier nicht verraten. Zweitens der Kalender ‹Kein Tag ohne ... Lesen, Lachen, Leidenschaft›, den zehn rührige Buchhandelsstifte aus Winterthur kreiert haben: mit ausgewählter Poesie und speziell erstellten Fotos, die zu den Texten sowie zum Thema Lesen passen. Das auch als Geburtstagskalender geeignete Produkt macht jedenfalls beste Werbung für die Welt der Bücher.
‹Morgen, Liebster, wird’s was geben!›, Verlag Die Provinz, Zürich. 33 x 49 cm, CHF 28.
‹Kein Tag ohne Lesen, Lachen, Leidenschaft›, Guillotine Verlag, Winterthur. 26x42cm, 14 S. mit Fotos von Christa Malär, CHF 28
Poesie-Wettkampf
db. Mit dem Ziel, junge Schreibtalente zu motivieren und zu fördern, veranstalten Studierende der Uni Basel seit 1996 alle zwei Jahre den Literaturwettbewerb ‹Einseitig›, der von namhaften Fachleuten bewertet wird. Ende Juli war Einsendeschluss, Anfang November wurden die elf besten Texte öffentlich vorgestellt und publiziert. Am Schlussabend werden die Jury-Mitglieder (Ruth Schweikert, Urs Allemann, Eva Horn, Hans-Dieter Jendreyko und Judith Gerstenberg) für ihren Lieblingstext plädieren, und das Publikum wählt daraus demokratisch seine Favoriten. Die ersten drei Plätze erhalten Geldpreise. Musik und ein Apéro krönen die Aktion.
‹Einseitig›-Schlussabend: Fr 2.12., 19.30, Engelhofkeller, Deutsches Seminar, Nadelberg 4
Literaturreisen und -stühle
db. Knapp 500 Texte aus ganz Europa hat das Literaturhaus Basel auf seinen mit dem Reisebüro Globetrotter organisierten Schreibwettbewerb ‹Reisereportage› zugeschickt bekommen. Die aus drei bekannten Redaktoren bestehende Jury stellt die von ihr favorisierten fünf Beiträge vor, und die Publizistin Klara Obermüller bestimmt daraus den Siegertext, der einen Preis erhält. Mit einer kulinarisch bestückten ‹Fernwehnacht› wird die Aktion gefeiert. Und wer dem Literaturhaus für sein neues Domizil ein Weihnachtsgeschenk machen möchte: Es werden 99 Stühle benötigt. Mit 500 Franken pro Stuhl ist man dabei, kann sich namentlich verewigen lassen und erhält einen Gutschein für ein Sponsorenessen.
Fernwehnacht mit Reisereportagen: Fr 9.12., 19.00, Kaserne Basel
Druckkunst
db. Mit aufwändig von Hand gestalteten Druck-Sachen pflegen Marcel Göhring und Florian Dammeyer in ihrer Werkstatt im Werkraum Warteck Gutenbergs Künste. Göhrings neuster Streich ist ein Memoryspiel mit 24 Motiven, die er aus altem Satzmaterial kreiert hat. Dabei profitierte er u.a. vom Fundus des Typographen und langjährigen Lehrers an der Schule für Gestaltung, Wolfgang Weingart, den er zu einem grossen Teil übernehmen konnte: Schriftzeichen, Linien, geometrische Formen, Ornamente aus Blei und Messing. Mit diesem ‹elementaren Schmuck› formte er die Bilder der Spielkarten – Clown, Familie, Rollschuhfahrerin, Insekt, Eisenbahn etc. – und druckte sie auf solide Maschinenholzpappe. Die neuen Werke und ihr übriges Sortiment an Bilderbüchern, Multiples und Grafikblättern zeigen die beiden Künstler an einem Apéro in ihrem Atelier.
Spielset ‹Gebaute Bilder›, Texte d/f/e, CHF 48. Vernissage: Fr 16.12., 17.00, Druckwerk, Burgweg 7, www.druckwerk.ch
Ausserdem: ‹Transkription›, Ein Tag der Typografie 2005: Sa 10.12., 10.00–16.00, Messe Basel. Infos: www.eintagdertypografie.org
Kunstmärkte
db. Nachdem sie jahrelang vergeblich versuchte, mit ihrem mobilen Buchantiquariat einen Stand am Basler Weihnachtsmarkt zu erhalten, beschloss Sylvie Wepf, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Zum zweiten Mal bietet sie mit einem Dutzend befreundeten Ausstellern einen Antiquitäten-Flohmarkt an, bei dem man Bilder, Bücher, Möbel, Nippes, Silberwaren, Schmuck, Uhren usw. erwerben und sich auch verköstigen kann. Ab Februar wird Sylvie Wepf dann ein eigenes Ladenlokal auf der Lyss beziehen.
LiebhaberInnen aktueller Kunst dürften zudem am 6. Kunst-Supermarkt in Solothurn fündig werden. 75 Kunstschaffende aus dem In- und Ausland zeigen dort rund 5000 Originalwerke zu moderaten Preisen.
Antiquitäten-Flohmarkt: Fr 16. und Sa 17.12., 11.00—19.00, So 18.12., 11.00—18.00, Zunftsaal, Schmiedenhof 10, Rümelinsplatz
6. Kunst-Supermarkt: bis Sa 7.1.06, Palais Besenval, Solothurn. Mo bis Fr 14.00—20.00, Sa/So 11.00—17.00 (25.12. und 1.1. geschlossen)
Kunst-Kiosk
db. Im Sommer gründeten die Designerin Franziska Bieli und die Innenarchitektin Irene Jundt einen mobilen Kiosk, mit dem sie für eigene und andere Produkte werben und eine Plattform für vielfältige Begegnungen zwischen Kunst und Design schaffen wollen. Jeden Monat gastieren sie an einem andern Ort jeweils drei Stunden pro Woche, bisher am Donnerstag, und bieten einerseits ihr Sortiment und Know-how – Kleider, Designberatungen, Flexodruck auf T-Shirts –, anderseits allerlei Kuriositäten an. Zudem laden die beiden ‹Kiosk-Frauen› immer wieder neue Gäste ein, deren Produkte und Ideen sie ebenfalls präsentieren. Für ihre Auftritte (mit Schoggikuchen!) wählen sie Geschäfte, die ihnen selber gefallen: Coiffuresalons, Boutiquen, Möbelläden etc. Auf diese Weise werden lustvoll Spartengrenzen gesprengt, Kunstschaffende vernetzt und neue KundInnen gewonnen.
‹Kiosk unterwegs›: Do 1., 8., 15. und 22.12., 18.30–21.00, Ramstein Optik, Sattelgasse 4, Gast: Fränzi Neuhaus. Infos: facile@gmx.ch
Ausserdem soeben erschienen: Dokumentation ‹Design Preis Schweiz 2005›, Hg. Design Center Langenthal, d/f/e, 136 S., farb. Abb., CHF 29, www.designpreis.ch
Kunst-Bar
db. Das Atelier der Künstlerinnen Ilse Ermen und Karin Leuenberger beim Gundeldinger Eingang zum Bahnhof SBB ist ein grosser, sympathischer Raum, im Winter aber schlecht beheizbar. Arbeiten mit klammen Fingern ist unangenehm, aber als Ausstellungsraum und Treffpunkt ist der Ort bestens geeignet. So steht er denn neu von Dezember bis März interessierten Kunstschaffenden für Interventionen aller Art während jeweils einer Woche zur Verfügung. Ein Werkstattgespräch eröffnet den Anlass, und an den ersten beiden Abenden gibts Barbetrieb. Den Anfang macht Alex Silber, es folgen u.a. Marcel Scheible, Andreas Frick, Corina Bezzola und Gert Handschin. Auch Ilse Ermens sprach- und bildkünstlerische Arbeit kann man dabei kennen lernen, etwa die Aktion mit monatlich wechselnden, entzückenden Fremdwörtern wie Marsupialia, Hyperkoristikon, Anaptyxe.
‹klima: eiskalt›: ab Do 8.12., 18.00 (Silber), Güterstr. 103, Hinterhof. Do/Fr ab 19.00 mit Bar, So bis Mi 17.00—21.00
Farbstoff & Tubensenf
db. Einblicke in die Basler Industriegeschichte und die Anfänge späterer Grossbetriebe und heutiger Weltkonzerne wie Novartis und Roche vermittelt die aktuelle Ausstellung im Museum Kleines Klingental. In Zusammenarbeit mit der Basler Plakatsammlung werden von der Kuratorin Maya Künzler in sieben Räumen Objekte aus der Zeit von 1900 bis 1940 gezeigt, die vom Aufbruch, Glanz und Elend von Farbstoff-, Seifen- und Blechwarenfabriken, von der Bierbrauerei, der Zichorienkaffee- und Tubensenfproduktion erzählen. Ein spezieller Akzent liegt dabei auf Markenartikeln und der damit verbundenen Werbung. Zu den knapp porträtierten Unternehmen, die alle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden und die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend beeinflusst haben, gäbe es freilich noch viel zu sagen; ein eigenständiges Industriemuseum wäre in Basel längst fällig!
Ausst. ‹Pioniergeist in Kleinbasel›: bis So 26.2., Museum Kleines Klingental, Unterer Rheinweg 26. Mi/Sa 14.00—17.00, So 10.00—17.00
Hautnah
db. Bis vor wenigen Jahren hat die Hanro AG in Liestal Unterwäsche produziert; nun wurde die riesige Fabrikhalle für ein temporäres Kunstprojekt wieder belebt: Ab Mitte Oktober nähten auf Anregung der Künstlerin Ursula Pfister mehr als 500 Frauen ein Unterhemd nach ihren Vorstellungen und als Bestandteil einer Installation. 20 kreisförmig angeordnete Tische mit neuen Nähmaschinen und ein grosser Zuschneidetisch im Zentrum standen den Näherinnen zur Verfügung, die ihr eigenes Material mitbrachten und daraus die fantasievollsten Gebilde kreierten. Das Projekt thematisiert nicht nur «das erste und das letzte Kleidungsstück im Leben eines Menschen», sondern auch ein von Frauen geprägtes Stück Industriegeschichte der Region. Die ‹Leibchen› samt Schnittmuster und Entwürfen können nun besichtigt werden.
Ausstellung ‹Hautnah›: bis So 8.1.06, Hanro AG, Benzburweg 18, Liestal. Mi und Do 14.00—17.00, Fr 14.00—18.30, Sa/So 12.00—17.00, (24./25./31.12./1.1. geschlossen), weitere Infos: www.kunstprojekt-hautnah.ch
Virtuelles Kunstmagazin
db. In der Schweiz gibt es viele Künstlerinnen und Designer, deren Arbeiten ein hohes Niveau haben, aber wenig bekannt sind. Dem möchte das ‹artstuebli›, ein neues PDF-Kunstmagazin, abhelfen. Es erscheint alle vier Monate und dient als Präsentations-, Info- und Diskussionsplattform für alle Kreativen des Landes. Die Idee dazu hatten einige Grafik-Fachleute, die sich für die Förderung und Verknüpfung des Schweizer Grafikschaffens einsetzen. Auf ihrer Website präsentieren sich die sechs Initianten stramm helvetisch – Chalet mit bluemete Trögli, Stabelle, Brett vor dem Kopf – nennen sich ‹Artgenossen› und suchen ‹Knechte›, die das Projekt (unentgeltlich) mittragen. Das Team arbeitet selbst ehrenamtlich, das Herunterladen des Magazins vom Netz ist kostenlos. Neben dem virtuellen wurde auch ein realer Auftritt lanciert, ein ‹Stammtisch› in einer Basler Bar, die zu einem fixen Treffpunkt von kreativen Köpfen werden soll.
Magazin: www.artstuebli.ch; Lounge: Nuovo Bar, Binningerstr. 15, Fr, 19.00—1.00 mit Drinks, Chillsound, Beamershow und Fachliteratur
Urbane Topografie
blw. Debatten über die Neugliederung der sich verstädternden Schweiz liegen im Trend, und zwar seit langem. Nur: Genauso hartnäckig, wie Stadtplaner und Wirtschaftsforscherinnen laufend neue Landkarten präsentieren, werden diese nach hitzigen Diskussionen innerhalb von Politik und Gesellschaft verworfen. Doch: Steter Tropfen höhlt den Stein, sagen sich wohl die forschenden Akteure und produzieren weiter neue Karten mit jeweils variierenden Zonenbegrenzungen und verfeinerter Wortwahl – in der Hoffnung, dass sich die helvetische Bevölkerung mit der Zeit an die längst bekannten Fakten gewöhnt. Diese sprachlich und visuell neu darlegen wollen die Autoren der aktuellen urbanistischen Untersuchungen mit ihrer soeben erschienenen Publikation ‹Die Schweiz – Ein städtebauliches Portrait›. Dahinter stehen keine Geringeren als die fünf namhaften Köpfe des ETH Studios Basel, die zusammen mit 141 Studierenden mehrere Jahre akribische Feldforschung betrieben haben. Vielleicht bringt gerade diese Mischung aus Prominenz und schweizerischem Fleiss die Steine nun ins Rollen?
Roger Diener, Jacques Herzog, Marcel Meili, Pierre de Meuron, Christian Schmid; ETH Studio Basel, Institut Stadt der Gegenwart: ‹Die Schweiz – Ein städtebauliches Portrait›, Birkhäuser Verlag, Basel, 2005. 1016 S. mit Abb., br., CHF 69.90
Wohn- und Kulturraum
db. Seit einem Jahr befindet sich das Projekt der Stiftung Habitat an der Elsässerstrasse und Fatiostrasse (ehemals ‹Elsie›) nun im Bau. Erstellt wird eine Siedlung mit 33 Wohnungen, Gewerbeflächen, grosszügigem Garten-Innenhof und Gemeinschaftsräumen – mit Jugendkeller, Werkstatt, Musikzimmer etc. Die Überbauung ist rollstuhlgängig und ökologisch nachhaltig konzipiert und soll mit der gemischten Nutzung zu einem lebenswerten Quartier beitragen. So werden etwa die Interkulturelle Bibliothek JuKiBu, die Stiftung Lotse (berufliche und persönliche Integration von fremdsprachigen Jugendlichen) sowie ein Kindergarten des Erziehungsdepartements Platz finden. Die Mietzinsen werden nach einem besonderen Modell individuell festgelegt und ein beträchtlicher Teil der künftigen MieterInnen entsprechend unterstützt. Die Wohnungen sind bereits zu zwei Dritteln an eine ausgewogene Mieterschaft vergeben, die im Herbst 2006 hier einziehen kann.
Weitere Infos: www.stiftung-habitat.ch




