Achterbahn mit Shakespeare | Goetheanum-Bühne
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Die neue Schauspielleitung am Goetheanum präsentiert ihre erste Regiearbeit und weitere Pläne.

Vor einem guten Jahr kam es am Goetheanum zu heftigen Erschütterungen, als kurz nach Beendigung der grossen Faust-Festspiele dem gesamten Schauspiel-Ensemble aus Spargründen gekündigt wurde. Um 800000 Franken, so war zu lesen, müsse der Bühnenbetrieb 2005 ‹zurückgefahren› werden. Für dessen Mitglieder war es der zweite herbe Schlag nach der Kündigung des Eurythmie-Ensembles zwei Jahre zuvor. Doch die Massnahmen, die sich seit längerem abgezeichnet hatten, weil auch die anthroposophische Bewegung die allgemein angespannte Wirtschaftslage spürt, führten zu einer Neuorientierung und Neubesetzung der Stellen.

Seit Anfang Jahr leiten nun die aus London stammende Sarah Kane und der Deutsche Torsten Blanke das Schauspiel am Goetheanum und bilden zusammen mit der Eurythmie-Verantwortlichen Carina Schmid und dem Geschäftsführer Thomas Didden die Bühnenleitung. Insgesamt rund 50 fest angestellte Mitglieder hat die Bühne heute, wobei projektbezogen mit freien Theaterleuten aus aller Welt (meist mit anthroposophischem Hintergrund) zusammengearbeitet wird.



Mehr Öffentlichkeit

Wichtig ist dem neuen Leitungsteam eine intensive Arbeit an der künstlerischen Qualität. Es gelte, die Substanz, das besondere Vermögen und Profil der Bühne zu pflegen, weiterzuentwickeln und gleichzeitig offensiv und angemessen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Das heisst, die von Rudolf Steiner und seiner Gattin Marie Steiner-von Sievers initiierte Sprachgestaltung und Eurythmie, die spezifisch aus der Anthroposophie entwickelten Stoffe, zu denen auch Steiners ‹Mysteriendramen› gehören, und Stücke aus der Theatertradition – etwa zur griechischen Mythologie, von Shakespeare oder den deutschen Klassikern – werden weiterhin einen Schwerpunkt der Bühnenarbeit am Goetheanum bilden. Daneben ist eine Studiobühne für kleinere Inszenierungen und Experimente im Aufbau. Und natürlich haben auch Märchen und Puppenspiel, Rezitation und Sprechchor sowie Musik verschiedener Stile seit jeher einen festen Platz an diesem Haus. Ausgewählte Produktionen gehen zudem auf Tournee. Diese vielfältigen Angebote sollen in Zukunft stärker aufs Publikum ausgerichtet und öffentlich sichtbar werden: mit mehr und breit gestreuter Werbung, die klar und lesefreundlich daherkommt.

Nach dem ausgiebig, u.a. mit drei grossen Produktionen zelebrierten Schiller-Jahr – es kamen ‹Die Braut von Messina›, der ‹Tell› als Freilicht-Laienvolksspiel und ‹Maria Stuart› zur Aufführung – steht nun die erste Premiere der neuen Schauspielleitung auf dem Programm: ‹König Cymbelin›, ein selten gespieltes, eher unbekanntes Stück aus Shakespeares Spätwerk. Die Handlung spielt zur Zeit Christi in Britannien und hat, wie immer bei Shakespeare, allen etwas zu bieten, da sie so präzis wie humorvoll die Achterbahnfahrt durchs Leben schildert. Dass die Goetheanum-Bühne im Programmheft auch spirituelle Hintergründe aufzeigt, kann eine Anregung zu weiterführender Lektüre, etwa über griechische Mysterien, sein. | Dagmar Brunner



‹König Cymbelin›: bis Anfang Mai 2006, Goetheanum, Dornach

Weitere Infos: www.goetheanum-buehne.ch. Foto: Charlotte Fischer




Ausserdem: Kurs ‹Mysterienkult im antiken Griechenland›: ab Do 17.11., Volkshochschule beider Basel S.48