Ergänzungen von Weltklasse | 10. Ausgabe ‹basel tanzt›
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Unter der Leitung von Richard Wherlock ist auf verschiedenen Bühnen vielfältiges zeitgenössisches Tanzschaffen zu erleben.

‹Basel tanzt anders›, so hiess es letztes Jahr in der hiesigen freien Tanzszene. Damit zitierte man das unvermeidliche ‹Basel tickt anders› und distanzierte sich gleichzeitig vom zweijährlich stattfindenden Grossanlass ‹basel tanzt›. Dieses bald 20-jährige Festival überlebte nicht zuletzt deshalb, weil es immer wieder seine Ausrichtung verändert hat. Die letzte Ausgabe 2003 definierte der künstlerische Leiter Heinz Spoerli schlicht als ‹Weltklasse›.

Spoerli gründete das Festival 1987 mit Unterstützung des Basler Tabakkollegiums, damals aber noch nicht als internationalen Leuchtturm für die Stadt, sondern als vielfältige Ergänzung zu seinem eigenen Programm mit dem Basler Ballett. Nach dem Ende des Balletts 1996 konzentrierte sich das Festival auf Klassisches: Während Joachim Schlömer im Stadttheater karges bis experimentelles Tanztheater zeigte, bot ‹basel tanzt› den Ballettfans ein Kontrastprogramm. 1999 zeigte der damalige Festivalleiter Peter Marschel konsequenterweise ausschliesslich klassisches und neu interpretiertes Handlungsballett.

Mit Richard Wherlocks Ruf ans Theater Basel 2001 veränderte sich die Situation wieder. Klassisches wird seither das ganze Jahr über geboten. Die Ballettfans danken es mit grossem Zuspruch, die ergänzende Absicht von ‹basel tanzt› aber wurde obsolet. So übernahm Spoerli 2003 wieder selbst das Ruder und kehrte zurück zu seiner Ausgangsidee, neben (seinen) klassischen Arbeiten den Tanz in grosser stilistischer Vielfalt zu zeigen. Damit wollte er ein breites Publikum ansprechen – und diesem Tanz von Weltklasse präsentieren.



Weniger exklusiv

Spoerli hielt, was er versprach: Verschiedene Stilrichtungen wurden von ihren bedeutendsten VertreterInnen gezeigt, allen voran Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal, das seit 20 Jahren erstmals wieder in der Schweiz zu sehen war. Aber auch Anna Teresa de Keersmaeker oder Josef Nadj gaben sich in Basel die Ehre. Dies verschlang ein enormes Budget von drei Millionen Franken, brachte viel Publikum – aber nicht mehr ganz so viel wie früher. Mag sein, dass nicht alle willens oder in der Lage sind, die teils happigen Eintrittspreise zu zahlen.

Dieses Jahr muss mit ‹nur› noch rund zwei Millionen gewirtschaftet werden. Spoerli trat zurück. Richard Wherlock, der kurzfristig ernannte neue Leiter, führt das Festival entsprechend bescheidener weiter. Nicht mehr Weltklasse versprach er an der Pressekonferenz, sondern ‹Something for everybody›. Die Ausrichtung bleibt breit, die Exklusivitäten aber, die man ausserhalb eines Festivals hierzulande kaum zu sehen bekommt, sind rarer geworden. Zu nennen wären etwa die Startänzerin Sylvie Guillem oder das taiwanesische Cloud Gate Dance Theatre. Choreografien von Nacho Duato, Carolyn Carlson, Philippe Saire und nicht zuletzt Wherlock selbst werden in Basel oder anderen Schweizer Städten dagegen immer mal wieder gezeigt. So wirkt das Programm heuer etwas provisorisch. Man darf gespannt sein, welche neue Nische Wherlock für das Festival finden wird. | Felizitas Ammann



Festival ‹basel tanzt›: Do 15. bis Do 29.9., diverse Orte