Lumpen, Lettern, Mühlenklappern | 25 Jahre Basler Papiermühle
> zurück

Das ‹Schweizerische Museum für Papier, Schrift und Druck› feiert sein Jubiläum mit offenen Türen und einem Handwerkermarkt.

Was hat Charles Baudelaires Lumpensammler mit Papier zu tun?

‹Oft kommt bei der Laterne rotem Schimmern, / das jeder Windstoss zucken macht und flimmern, / im Labyrinth der Vorstadt dumpf und feucht, / darin die Menschheit wie in Gärung keucht, // ein Mann daher, der taumelnd Lumpen sammelt, / an Mauern rennt und wie ein Dichter stammelt, / den Kopf im Nacken, trotz der Späher Schar / macht er der Welt erhabne Pläne klar.› (Aus ‹Der Wein der Lumpensammler› in ‹Les Fleurs du mal›)

Viel also, sehr viel sogar! Die Zusammenhänge zu erklären, ist schwer bzw. kann langweilig sein. Sie zu erleben, ist dagegen toll. Und in der Basler Papiermühle kann man das fast jederzeit. Dieses ‹Schweizerische Museum für Papier, Schrift und Druck› klingt zwar ziemlich trocken, ist es aber ganz und gar nicht. Denn die Papiermühle ist ein Ausnahmemuseum. Weil dort Papier nicht nur aus-, sondern auch hergestellt wird, Papier – echtes Lumpenpapier! – von hoher Qualität. In der spätmittelalterlichen Galizianmühle im St. Alban-Tal werden die Verarbeitungsschritte vom Lumpenmahlen übers Papiermachen (bei Bedarf mit Wasserzeichen), Typengiessen, Setzen, Drucken bis zum Binden in Wort und Tat erklärt, und alles kann vom Publikum auch selber gemacht werden. Ein Museum ohne viel Schnickschnack; Basics only – aber hallo, die haben es in sich!



Medienkompetenz erlangen

Getragen wird die Institution nicht staatlicherseits, sondern von der Stiftung Basler Papiermühle. 1955 wurde das Papiermuseum im Rollerhof als Anhängsel des Völkerkundemuseums (heute: Museum der Kulturen) eröffnet. Und aus Anlass des Jubiläums der Schriftgiesserei Haas entstand vor 45 Jahren die Idee eines Druckmuseums. (Die Haas’sche Schriftgiesserei war übrigens das Haus, für das Max Miedinger als Schriftenzeichner arbeitete. Seine Schrift, die er 1957 entwarf, wurde ein Welterfolg. Jedoch nicht als ‹Haas-Grotesk›, der Name war nicht sexy genug, sondern als ‹Helvetica›.) Aus diesen beiden Einrichtungen – Papier- und Druckmuseum – entstand das ‹Schweizerische Museum für Papier, Schrift und Druck›. 1980 öffnete es in der frisch renovierten Papiermühle seine Türen.

Seit 25 Jahren klappert die Mühle jetzt also schon im Museumsdienst am rauschenden Bach. Und das will gefeiert werden. Zum einen mit der Sonderausstellung ‹Paper Art›, zum andern mit zwei Tagen der offenen Tür samt Handwerkermarkt vor der Kulisse der alten Stadtmauer.

Medienkompetenz ist heute en vogue. Papier ist zwar ein altes Medium, doch Gedrucktes ist nach wie vor aktuell. Die Basler Papiermühle ist der Ort, an dem Medienkompetenz erlangt werden kann – von Gästen jeden Alters. Und der Lumpensammler feiert übrigens heute im Internet seine Renaissance: als digitale Sammelstelle für Halbwissen (www.obacht.blogspot.com). | Matthias Buschle



Sonderausstellung ‹Paper Art›: bis 31.12., Papiermühle, St. Alban-Tal 37. Tage der offenen Tür mit Handwerkermarkt: Sa 3.9., 10.00—22.00 und So 4.9., 10.00—18.00, Letziplatz, St. Alban-Tal