Ein neues Basler Forum für elektronische Musik lädt zu Austausch und Reflexion über neue Entwicklungen ein.
Im Januar des letzten Jahres gegründet, konnte sich der Verein Sinus an der diesjährigen Museumsnacht («Soundscapes. Live Electronics, Visuals and Sounds») ein erstes Mal als Kulturorganisator präsentieren. Mitte August folgt nun ‹sinus-series 05›, eine Veranstaltung, die künftig regelmässig durchgeführt werden soll. Naturgemäss unterscheidet sie sich in ihrem ersten Jahr noch von der Vision eines mehrtägigen Festivals digitaler und elektronischer Musik und Kunst, das Bühnenperformance und medientheoretische Reflexion derselben einmal verbinden möchte. Während einer Nacht werden internationale und lokale Live-Acts im und vor dem Theater Basel zu hören sein (James Taylor, DJ Spooky, Mouse on Mars neben Schweizer Labels wie Micromusic oder Interdisco). «Damit haben wir einen geeigneten Ort, um auch experimentellen Konzepten Raum zu geben, unabhängig etwa von der Einbindung in ein Club-Programm», sagt Sinus-Leiterin Katrin Steffen. Neben der bestehenden Zusammenarbeit mit dem Theater Basel und Radio X als Medienpartner ist die Synergienutzung mit weiteren Institutionen denkbar, etwa dem aktiven Elektronischen Studio der Musik-Akademie oder dem Gare du Nord.
Nebenflüsse freilegen
Ein Impuls, wie Sinus ihn geben will, ist in einer an Medien- und Digitalkunst (noch) nicht verarmten Stadt wie Basel keineswegs redundant. Er ist im Gegenteil höchst begrüssenswert. Gerade für den Schwerpunkt der elektronischen Musik stehen Spiel- und Ideenräume offen, die zu besetzen sind, getragen von einem unvoreingenommenen Publikum, das die verkrampften Abgrenzungen von U- und E-Musik längst kaum mehr noch zur Kenntnis nimmt.
Als zweites Anliegen kommt der Wunsch nach einem Diskussionsforum zwischen VertreterInnen von Kunst, Technik und Wissenschaft hinzu, dessen Form (Internet, Vorträge) allerdings noch zu erarbeiten ist. Die Live-Intervention, die Musik immer darstellt, auch reflektierend zu begleiten, unterliegt selbst einer künstlerischen Notwendigkeit. Auch hier möchte Sinus «einen Beitrag zur Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen Sound, Theater, bildender Kunst, Film, Raum und Gesellschaft leisten». Damit sind Ansprüche formuliert, deren Umsetzung sich ohne langfristige Arbeit (und entsprechende finanzielle Unterstützung) undenkbar zeigen. Sie setzen voraus, dass Sinus nicht nur als Träger musikalischer Aktivitäten verantwortlich zeichnet, sondern diese für das eigene Festival auch nach festgelegten, wenn auch sicher flexiblen Konzepten filtert. Das impliziert nicht zuletzt allenfalls Kurskorrekturen, sollten sich inhaltliche Querstände zwischen Ansprüchen und Umsetzung ergeben, Widersprüche, von denen das Lineup der ersten ‹sinus-series› noch keineswegs frei ist. Dass elektronische oder digitale Musik per se experimentell-avantgardistisch war, ist Jahre her. Im Mainstream, den sie heute darstellt, die interessanten Nebenflüsse, die Schnittstellen zu anderen Kunstformen, die Orte, wo Neues brodelt, auszumachen, erfordert nur beständig mehr gerade Austauschkanäle und organisatorische Gefässe, wie sie Sinus aufzubauen sucht. | André Fatton
Sinus-Series: Fr 12.8., 18.00—03.00, Theater Basel, www.sinus-series.com




