Notizen Juli | August 05
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Luftspektakel

db. Zwischen Tanz, Theater und Artistik bewegt sich die Berner Truppe ‹öff öff productions› von Heidi Aemisegger, die seit 1994 mehr als zehn Eigenproduktionen realisiert hat und gerne aussergewöhnliche Räume bespielt. Mit ihrer ‹Luftstation›, einem 17 Meter hohen Stahlgebilde, das wie ein riesiges Insekt aussieht, sind die BewegungskünstlerInnen bis Mitte September auf Schweizer Tournee. Inspiriert vom alten Menschheitstraum vom Fliegen, zeigen sie auch in Basel ein luftig-virtuoses Spektakel.

‹Luftstation›: Mi 10. bis Sa 13.8., 21.30, Kasernenareal, www.oeffoeff.ch




Zirkusfreuden

db. Jeden Sommer bezaubern junge ArtistInnen mit ihrem Können Gross und Klein. Der Jugend Circus Basilisk präsentiert mit rund 50 Kindern und Jugendlichen unter dem Motto ‹Quiz it!› eine ‹Rätselshow in der Manege›. Nach dem Basler Heimspiel ist er noch in Winterthur zu Gast. Der Quartier Circus Bruederholz startet im Stärnlizelt in seine 27. Saison und schildert unter dem Motto ‹Schabanaj› Episoden aus dem Leben eines Geschwisterpaars. Das von etwa 60 Kindern erarbeitete Programm wird von einer mitreissenden Band begleitet. Ein zirzensisches Highlight ist der aus Wohlen stammende Circus Monti der Familie Muntwiler, der heuer zum 21. Mal unterwegs ist. Unter der Regie des Clowns und Theatermannes Ueli Bichsel zeigen Profis allerlei poetische und atemberaubende Attraktionen, u.a. eine Nummer mit neun verschiedenen einheimischen Ziegen. Orchester, Licht und Kostüme sorgen für die ‹richtige› Zirkusatmosphäre. Schliesslich gastiert auch der Theaterzirkus Chnopf aus Zürich noch in der Regio, in dem ebenfalls Jugendliche mitwirken.

Jugend Circus Basilisk JSB: So 3. bis Mi 15.7., Rosentalanlage, www.circusbasilisk.ch

Quartier Circus Bruederholz QCB: Fr 5. bis Fr 12.8., beim Wasserturm, www.qcb.ch

Circus Monti: Fr 19. bis So 28.8., Rosentalanlage, www.circus-monti.ch

Theaterzirkus Chnopf: Fr 19. bis Mi 24.8., St. Johanns-Park und Fr 26. bis Di 30.8., Schulhaus Rotacker, Liestal, www.chnopf.ch



Italienische Bäder-Reise

sc. Das könnte vielleicht die erholsamste Italienreise werden, die wir je unternommen haben. Den uralten Bädern nach, in denen schon Lord Byron der schönen Gräfin Guiccioli nachstellte, Michel de Montaigne seine Nierensteine loswerden wollte und Heinrich Heine sich für seine literarischen Fehden fit machte. Sieben abwechslungsreiche Routen schlägt der Reiseführer zu den Thermalquellen Mittelitaliens vor und vergisst dabei nicht, uns auf unterhaltsame Weise sowohl kulturell wie kulinarisch auf dem Laufenden zu halten. Von der Emilia Romagna über die Toskana und Umbrien bis nach Rom und in die Abruzzen führt der Bäder-Giro, dessen Etappen man ganz nach eigenem Gusto zu Fuss, auf dem Fahrrad oder mit dem Auto absolvieren kann – aber nur beschränkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Am schönsten sind die dampfenden Wasser in freier Natur. Ihnen gilt das besondere Interesse dieses schön bebilderten Bandes.

Marcus X. Schmid, Margarete Berg: ‹Oliven, Wein und alte Bäder›. Reisen zu den Thermalquellen Mittelitaliens. Rotpunktverlag, Zürich, 2004. 265 S., kt., Abb., CHF 42




Mythen und Heldinnen

db. Die alte St. Margarethenkirche in Binningen dient diesen Sommer u.a. für eine Kunstausstellung, die ‹Geschichten von Heldinnen und Lebensstühlen› erzählt. Die Bildhauerin Christine Nicolay aus Trier zeigt vier unterschiedliche Stuhlskulpturen, die im Kreis gruppiert sind und je für einen Lebensabschnitt stehen. Die Stühle stammen aus Binninger Haushaltungen und laden zum Blick aufs eigene Leben ein. Die Sissacher Multimediakünstlerin Heinke Torpus stellt bearbeitete Fotoporträts von sieben Binningerinnen und ihren Wahl-Frauen aus der Bibel einander gegenüber. Die Pfarrerin Sabine Brändlin unterstützte die Recherchen und verfasste Texte zu den weiblichen Bibelfiguren. Über den mythischen Hintergrund der Margarethenkirche orientiert auch ein neuer Regio-Kulturführer, der vierzig Orte der Besinnung im Belchen-Dreieck kenntnisreich vorstellt.

Edith Schweizer-Völker/Martin Schulte-Kellinghaus, ‹Mythische Orte am Oberrhein›. 40 Ausflüge in die Dreiländerregion, Christoph Merian-Verlag, 2005. 235 S., kt., CHF 38

Kunst in der St. Margarethenkirche, Binningen: bis So 11.9., 12.00—17.00



Körner und Kultur

db. Rund ums Getreide dreht sich eine Ausstellung im Adelhauser Museum in Freiburg (D), die von den beiden Abteilungen Völkerkunde und Naturkunde gemeinsam konzipiert und mit Hilfe von Fachleuten aus der Landwirtschaft realisiert wurde. Sie vermittelt Einblicke in die botanischen Grundlagen der verschiedenen Getreidearten und zeigt, wie sich der Lebensraum durch die Kultivierung von Nutzpflanzen verändert. Dabei werden auch aktuelle Themen wie ökologischer Landbau oder die gentechnische Veränderung von Saatgut behandelt. Im Museumsinnenhof kann man die Welt der Körner in einem Schaugarten erleben. Aber auch Rituale und Kulte, die mit Getreidepflanzen zusammenhängen, werden beleuchtet. Und nicht zuletzt wird über die Verwendung von Körnern in den Küchen der Welt und in der Medizin informiert. Für Kinder und Jugendliche gibts Aktionen zu gesundem Essen und weitere Veranstaltungen. Ferner sind zwei Aktionstage zu indianischer und jungsteinzeitlicher Kultur angesagt.

‹Körner, Kult und Küche. Getreide in Natur und Kultur›: bis So 29.1.06, Adelhausermuseum, Gerberau 32, Freiburg (D). Aktionstage: So 10.7., 11.00—16.00 und So 14.8., 11.00—16.00




Maxi, Ciao und Co.

uh. Aus dem Stadtbild sind sie heute fast verschwunden, aber in unserer Erinnerung sind sie noch präsent. Sie bedeuteten ein Stück Freiheit: Töffli. Die Zwei-Takter waren Teil der Jugendkultur, manch ein Bergbauer bringt heute noch die Milch mit ihnen, der Pöstler die Post. Die Herausgeber dokumentieren in Bild und Ton die Spuren eines aussterbenden Lebensgefühls: Sie liessen sich Fotoalben zeigen, hörten Geschichten von Töfflireisen über den Gotthard, liessen sich die Technik eines Zwei-Takt-Motors erklären. Sie befragten einen Kantonspolizisten zu Kolbenfenster und Rennauspuff und besuchten die ‹Teffli-Rally› in Ennetmoos. Der liebevoll gestaltete Fotoband wird begleitet von einer Audio-CD, im Buch wird vor jedem Kapitel auf die entsprechenden Track-Nummern hingewiesen. Zu hören sind Interviews und Statements, Töfflimotoren und Musik von den Neutones, The Never Evers oder den Möped Lads.

‹2-Takt — Mofakult: Das Töfflibuch›. Hrsg. Nils Blättler, Filip Erzinger und Daniel Infanger. Christoph Merian Verlag, Basel 2005. 120 S., br., 200 Farbabbildungen, mit Audio-CD und Poster, CHF 49




Indisches Farbenfest

db. Seit Mitte Juni zeigt das Museum der Kulturen zwei Ausstellungen zu indischer Kultur. Einerseits sind Bronzeplastiken, Steinskulpturen und Holzschnitzereien indischer Gottheiten zu sehen, die der Sammler Jean Eggmann ab 1948 vorwiegend in Indien selbst erwarb und die nun im Besitz des Museums sind, anderseits Fotos von Boris Potschka über die Farbenvielfalt des indischen Subkontinents. Dessen berauschende Buntheit kann man auch am diesjährigen ‹Markt der Kulturen› erleben, einem dreitägigen Museumsfest mit klassischer indischer Musik und Khattak-Tänzen, zeitgenössischer Literatur und Filmvorführungen, Workshops für Kinder und Erwachsene, Modeschau, Bollywood-Party und ayurvedischen Massagen sowie einer Fülle von Kunsthandwerk und Kulinarischem.

Markt der Kulturen: Fr 19.8., 17.00—24.00, Sa 20.8., 10.00—3.00 und So 21.8., 10.00—20.00, Museum der Kulturen.

Ausstellungen ‹Indische Gottheiten› und ‹Indien. Fest der Farben›: bis So 25.9., Di bis So 10.00—17.00 (1.8. geschlossen), www.mkb.ch




Fremdes zum Eigenen machen

sc. Was ist ein Fremder? Ist Fremdheit naturgegeben oder gemacht? Was sind Xenophobie und Exotismus? Was Heimat? Solchen Fragen geht Martin R. Dean, der Basler Lehrer und Schriftsteller mit multikulturellen Wurzeln, in einer kommentierten Textsammlung nach, die er für den interkulturellen Deutschunterricht an Mittelschulen zusammengestellt hat. Zwei Dinge vor allem zeichnen sie aus: Man kann, muss aber nicht Lehrerin oder Schüler sein, um von dieser Anthologie vielfältig angeregt zu werden; und die Texte selber machen einen überraschend breiten Fächer auf von deutschsprachiger Literatur aus mehreren Jahrhunderten, die zur Erfahrung und Reflexion von Fremdheit beiträgt. Nietzsches Anleitung zum Liebenlernen des Fremden fehlt so wenig wie Paul Nizons Ankunft im Dschungel oder Annemarie Schwarzenbachs Reiseerlebnisse in Afghanistan. Mit Yoko Tawada durchqueren wir den Gotthardtunnel, reflektieren mit Kleist über die allmähliche Entstehung der Hautfarben und erleben den lebenslänglichen Spagat der ‹global kids› in der Schweiz.

Martin R. Dean: ‹Zwischen Fichtenbaum und Palme›. hep-verlag, Bern 2005. 135 S., kartoniert, CHF 29




Bunte Götter

db. Antike Skulpturen sind weiss, könnte man meinen. Doch in der Tat waren die Tempel, Götterstatuen, Grabdenkmäler und Herrscherporträts der Griechen und Römer ursprünglich mit bunten Motiven verziert und von eindrücklicher Farbigkeit. Obwohl dies seit über 200 Jahren bekannt ist, blieben Forschungen dazu weit gehend ein Tabu. Nun ist in der neu eingerichteten Skulpturhalle eine Sonderausstellung zur antiken Polychromie zu sehen, die auf langjährigen Recherchen von deutschen ArchäologInnen basiert und die bunte antike Kunst mit Rekonstruktionen, Abgüssen, Faksimiles und an Originalen demonstriert.


‹Bunte Götter›: Do 11.8. bis So 20.11., Skulpturhalle Basel