An der 36. Art Basel wird im Rahmen von ‹Art Unlimited› erstmals eine Plattform für aktuelle Künstlerbücher präsentiert.
Eigentlich alles wie gehabt: Juni mit lauen Nächten, Wechsel von Frühlingsgefühlen zu Vorferienerwartung. Doch vorher gilt es für die Kunstszene, den Marathon der ‹Art› möglichst unbeschadet zu überstehen. Mitte Juni öffnet sie ihre Pforten, prall voll neuer oder auch schon vertrauter Kunst, Entdeckungen und sicheren Werten. Eine Innovation der letzten Jahre, die ‹Art Unlimited›, wurde zu einem regelrechten Zugpferd innerhalb der Messe. Bestückt mit hochkarätigen Namen und gemischt mit wenigen Newcomern, vermittelt dieser Bereich jedes Jahr wieder einen konzentrierten Überblick über das internationale Kunstschaffen. Hier ist genug Raum für Kunst, welche die traditionellen Grenzen der Messestände, aber auch der Galerien und vieler Museen in Grösse, technischem und finanziellem Aufwand sprengt.
Befreiung vom Schattendasein
Doch wer meint, innerhalb der inzwischen 36 Jahre währenden Geschichte der ‹Art› sei alles schon mal da gewesen, irrt. Immer noch gibt es Bereiche, die eher ein Schattendasein im Kunstzirkus fristen, und zwar, im Gegensatz zu den klassischen ‹Unlimited› Projekten, nicht aufgrund ihrer Grösse. Ganz im Gegenteil: Sie sind zu klein, zu schwer präsentierbar, teils auch zu billig und ‹rentieren› folglich wenig an einer Messe, wo jeder Quadratzentimeter Stand sich rechnen muss. Den ‹Artist Books› wird nun also innerhalb der ‹Art Unlimited›, die sich so auch als Schutzpatronin der ‹zu kleinen› Kunst erweist, eine spezielle Sektion eingerichtet. Hier können Interessierte sich aus den – vom Genfer Kurator und Verleger Lionel Bovier und dem Basler Galeristen und Buchhändler Diego Stampa – ausgewählten Büchern ein Exemplar zur individuellen Ansicht bringen lassen und in aller Ruhe in diesem speziellen Kosmos künstlerischer Produktion versinken.
Denn im Grunde blüht dieses Gewächs der Kunstlandschaft schon etliche Jahrzehnte im Halbverborgenen. Bereits in den Sechzigern experimentierten so unterschiedliche Künstler wie Dieter Roth oder Ed Ruscha mit dem altvertrauten Medium des Buches, der eine ausgehend von seinem grafischen Hintergrund, der andere mit den Mitteln der Fotografie. Diese dominiert auch die Künstlerbuchproduktion der letzten Jahre, auf die sich die Präsentation beschränkt. Gerade Kunstschaffende, die sich der neuen Medien bedienen, nutzen oft das Buch als weiteres Ausdrucksmittel. Doch um eine Verwechslung gleich auszuschliessen – ganz im Gegensatz zum Katalog berichten Künstlerbücher nicht über die Werke eines Künstlers oder einer Künstlerin. Sie sind selbst autonome Kunstwerke und wohl am ehesten verwandt mit dem Multiple. Auflagenzahlen, Druckqualitäten und Preise können dabei stark variieren, wie überhaupt die Vielfalt der künstlerischen Produktion in diesem von Verlagszwängen freien Bereich schier unendlich scheint. Die Kuratoren haben heuer sowohl Galerien der ‹Art›, wie auch einige spezialisierte Editionen zur Teilnahme eingeladen, wobei grosse Namen vorherrschen. Wenn dann die Neugier geweckt ist, lässt sich leicht nebenan zu den Büchern über die Kunst wechseln. | Kerstin Richter
Art 36 Basel: Mi 15. bis So 19.6., täglich 11.00—19.00, Mo 20.6., 11.00—17.00, Tageskarte CHF 30/18, Pass CHF 70. Art Unlimited: Halle 1, Messeplatz. Weitere Infos: www.ArtBasel.com
Art Party: Fr 17.6., Kaserne




