‹Impex› war in den Siebzigerjahren das etwas despektierliche Kürzel für die Import/Export-Branche, die damals wild ins Kraut schoss. Und Impex-Typen waren für uns Schmarotzer, die im Zwischenhandel ohne eigene Leistung abzockten und die Werktätigen damit um einen Teil ihres Verdienstes brachten. Impex-Typen trugen meist karierte Jacketts und knallige Krawatten, und ihr Credo lautete: «Die Welt braucht Austausch und der braucht Vermittler!»
Mit dem Wort Austausch wiesen sie allerdings auf etwas hin, das über die blosse Ein- und Ausfuhr von Waren hinausging. Heute frage ich mich als Künstlerin, wie dieser Austausch in Kunst und Kultur funktioniert. Zum Beispiel im internationalen Kunsthandel, wo Galeristen als Zwischenhändler auftreten und dabei satte Gewinne einstreichen können. Oder in Ausstellungen, wo engagierte Kuratorinnen und Galeristinnen nach Mitteln und Wegen suchen, ihrem Publikum oder ihrer Kundschaft über die Grenzen ihres Kulturverständnisses hinaus Kunst näher zu bringen. Oder ich denke an Austauschateliers und -projekte, wo es darum geht, Fremdes kennen zu lernen, Begegnungen zu ermöglichen und eine gemeinsame Sprache zu (er)finden.
Eine Kunstform jedoch vermittelt sich selbst ganz direkt: Die Performancekunst. Sie ist eine Grenzenüberschreiterin und ermöglicht es dem Publikum, den Akt des Kunstproduzierens direkt mitzuerleben und nachzuvollziehen. Da sich die Performancekunst von ihrem Wesen her jedoch der herkömmlichen Vermarktung entzieht, benötigt sie vor allem eigene Plattformen. Eine solche Plattform gibt es in Basel seit sieben Jahren im Kaskadenkondensator. Dort kuratiert das Performanceteam in dieser Saison unter dem Motto ‹Impex› eine Veranstaltungsreihe und ein zweitägiges Treffen von britischen und einheimischen VertreterInnen der Gattung. ‹Impex› will mit Live-Acts und einem Roundtable in Zusammenarbeit mit dem British Council in- und ausländische Performance-KünstlerInnen miteinander in direkten Kontakt bringen.
Warum aber Grossbritannien als Impex-Partner? Die Insel verfügt heute über eine sehr lebendige Performance-Szene, in der so genannte ‹Agencies for the Performing Arts› als Multiplikatoren funktionieren. Der Frage, inwieweit wir in der Schweiz von den Erfahrungen solcher Agenturen profitieren können, widmet sich ein weiteres Projekt des Kaskadenkondensators im Rahmen der ‹Liste 05›.
| Pascale Grau, Performancekünstlerin
Kuratierendes Vorstandsmitglied des Kaskadenkondensators Basel
Agentur für Performancekunst an der ‹Liste 05›. Projekt von Timothy Grundy, Barbara Neidhart, Isabel Rohner: Mo 13. bis So 19.6.
‹Impex›-Performance-Meeting, kuratiert von Judith Huber und Pascale Grau: Do 23. bis Sa 25.6., Werkraum Warteck
Infos: www.pascalegrau.ch, www.kasko.ch




