Der Flyer zur Veranstaltung ist gewissermassen eine Verballhornung des legendären Erkennungslogos des amerikanischen Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer. Aber anstelle des wohlbekannten Löwenmanns faucht hier eine gemeine (Schweizer) Hauskatze. Das ist eine sehr hübsche Idee, die Grundlegendes anmahnt: Auch der Kurzfilm einheimischer Provenienz muss nicht auf Teufel komm raus mit dem Hollywood-Gigantismus konkurrieren. Er sollte sich viel mehr auf eigene Tugenden besinnen und diese adäquat pflegen. Ideen gibt es zwischen dem Boden- und dem Genfersee genug, wie nationale und internationale Erfolge des Schweizer Kurzfilmschaffens beweisen. Zwischen Anfang April und Ende Mai kann man sich auch davon überzeugen. Die ‹Kurzfilmnacht›-Tour bedient neun Orte und macht auch in Basel Halt.
Es gab Zeiten, wo der kurze Film eher als Lückenfüller oder typischer Ausdruck des Amateurschaffens wahrgenommen wurde. Obwohl er an Filmschulen natürlich zum Kerngeschäft gehört. Schliesslich geht es darum, mit wenig Geld in kurzer Zeit eine Story auf eine Pointe hin auszurichten. Das ist – nicht nur im Filmischen – ein schwieriges Unterfangen und eine gute Schule für höhere Aufgaben. Mag sein, dass die Aufwertung des Kurzfilms mit der gerne als trivial gescholtenen Videoclip-Kultur der MTV-Musikszene zu tun hat. Allerdings wird dort meist Seichtklangliches dank visueller Aufpeppung verkauft, während der ernsthafte Kurzfilm andere Ziele anpeilt. Er will als formal und stilistisch eigenständig wahrgenommen sein.
Von lokal bis international
Dass man dies auch über die Hörsäle hinaus wahrnimmt, verdanken Cinéphile hierzulande nicht unwesentlich den OrganisatorInnen der Winterthurer Kurzfilmtage, die seit acht Jahren mit einem gewitzten Programm immer mehr Publikum anziehen. Und viel Goodwill für kurze Filmformen an sich geschaffen haben. Die ‹Kurzfilmnacht› weitet den Radius nun aus. Zu sehen sind die für den Schweizer Filmpreis 2005 nominierten und preisgekrönten Beiträge, Spielfilme ebenso wie Trickfilme. Und: Unter dem viel versprechenden Titel ‹Geburtstage und andere Katastrophen› feiert das rührige Animations-Filmfestival Fantoche sein zehnjähriges Bestehen, indem es acht Filme präsentiert.
Die ‹Kurzfilmnacht› gibt sich aber, zum Glück, auch international. In der Sektion Carosello sind Italo-Werbespots aus den Sechziger- und Siebzigerjahren zu sehen. Daran waren Regisseure wie die Gebrüder Taviani oder der Filmkomponist Ennio Morricone ebenso beteiligt, wie Brigitte Bardot oder Adriano Celentano als zugkräftige Stars. Ausklingen sollen die Events – im wahrsten Sinne des Wortes – mit ‹Beats’n’Bars & Air Guitars›, wo Filmchen und Clips zur innovativen britischen Musikszene Akzente setzen.
Natürlich wird auch regionalen und lokalen Gegebenheiten Rechnung getragen: An jeder Spielstätte soll es zu Premieren und Begegnungen mit FilmemacherInnen kommen. Das garantiert den Heimspiel-Charakter und gibt gute Laune. In der Kürze liegt die Würze, sagt ein Sprichwort. Anlässlich der Kurzfilmnächte 2005 wird es garantiert ins Recht gesetzt. | Michael Lang
Kurzfilmnacht-Tour ab Fr 1.4. bis Fr 27.5., in Basel: Fr 8.4., ab 20.30, Kultkino Camera




