Frauen-Sprachnetz | Editorial
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Der Frühling gehört den Frauen und der Literatur: Am 8. März ist Internationaler Frauentag, und am 21. März jährt sich der Welttag der Poesie. Da passt es, eine Organisation vorzustellen, die beides zusammenbringt und soeben 15 Jahre alt geworden ist: Femscript, früher Netzwerk schreibender Frauen. Ins Leben gerufen haben es vier Deutschschweizer Autorinnen, die etwas zur Verbesserung der Situation und des Ansehens schreibender Frauen unternehmen wollten. Im Februar 1990 gründeten sie in Nidau bei Biel einen Verein, der seit 2003 den Namen Femscript trägt. Ihm gehören heute knapp 300 Frauen aus allen möglichen Bereichen an, die mit Text und Sprache zu tun haben: Literatinnen, Wissenschaftlerinnen, Medienleute, Film- und Theaterschaffende, Verlagsfrauen und Buchhändlerinnen.

Ziel ist, die beruflichen Kontakte zwischen Schriftstellerinnen und Frauen aus angrenzenden Berufen zu fördern und ihre Interessen nach aussen zu vertreten. Dazu tragen verschiedene Arbeitsgruppen, Veranstaltungen, Publikationen und der Austausch mit ähnlichen Gruppen im In- und Ausland bei. Zudem erscheint viermal im Jahr das ‹bulletin› , das auf acht Seiten (davon eine französisch) über Lesungen, Vorträge und Treffen der Mitglieder orientiert, neue Köpfe und Bücher vorstellt, über Schreibwettbewerbe, -preise und -orte informiert, kulturpolitisch relevante Entscheide kommentiert und nicht zuletzt auch sprachkünstlerische Beiträge abdruckt. Femscript ist mit Infomaterial, Büchern und Autorinnen an den Schweizer Literaturfestivals und Buchmessen präsent, mischt sich in aktuelle Diskussionen wie z.B. die Kulturbudgetkürzungen des Bundes ein (Vereinspräsidentin ist Nationalrätin Doris Stump) und organisiert jährlich einen Lesemarathon, bei dem Mitglieder ihre Neuerscheinungen präsentieren können. Ausserdem bieten diverse Textwerkstätten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an.

So haben sich etwa in Bern und Zürich schon seit Jahren so genannte ‹Schreibtische› erfolgreich etabliert. In Basel wurde Anfang Februar ebenfalls einer gegründet, er wird ungefähr zweimonatlich stattfinden. Dort können Autorinnen einander kennen lernen, zuhören, ihre Texte besprechen, sich der Kritik stellen, Erfahrungen weitergeben und ihr ‹Öffentlich-werden› üben. Dabei werden sie auch von prominenten Kolleginnen unterstützt. Ferner gibt es seit sieben Jahren in Zusammenarbeit mit ‹Frauen im Theater› (FIT) das ‹DamenDramenLabor›, wo Stücke auf ihre Bühnentauglichkeit getestet werden: Fünf bis sechs Mal jährlich wird ein Text von Theaterleuten szenisch gelesen und anschliessend mit Publikum und Autorin diskutiert.

1995 vom Bundesamt für Kultur als frauenfördernde, national ausgerichtete Bildungseinrichtung anerkannt, erhält Femscript 2005 nochmals 20000 Franken Unterstützung, ab 2006 wird dann in zwei Schritten um 45 Prozent (!) gekürzt. Neben den Mitgliederbeiträgen sind also zusätzliche Mittel zu beschaffen, um den Betrieb und die Projekte finanzieren zu können. Neue Interessierte sind auch deshalb willkommen.

Natürlich ist Femscript auch dieses Jahr am internationalen Frauentag präsent. In Kooperation mit dem Deutschschweizer Pen Zentrum kommt es in Zürich zu einer Lesung plus Gespräch mit der Autorin Nicole Müller und der in Basel lebenden Historikerin Sibylle Brändli Blumenbach. Das Thema ‹Warenannahmen› fokussiert den Supermarkt, die Selbstbedienung und die Ware Frau. | Dagmar Brunner



Femscript, Route du Soleil 17, 1752 Villars-sur-Glâne, www.femscript.ch

Mitgliederversammlung: Sa 5.3., 15.00—18.00, Bahnhofbuffet, Olten

Lesung am Int. Frauentag: Di 8.3., 20.00, Sphères ‹buch bühne bar›, Hardturmstr. 66, Zürich

Schreibtisch Basel: Di 5.4., 7.6., 6.9. und 1.11., 19.00—21.00. Infos: T 061 751 46 74, J. Gerber