Die neunte Ausgabe des regionalen Rockfestivals vermittelt Einblicke in Trends und Präferenzen hiesiger Bands.
Musikinteressierten Teenagern der Achtzigerjahre blieb eines nicht erspart: An die Jeansjacke gehörten runde Ansteckknöpfe der Lieblingsbands. Die Bayerische Spider Murphy Gang etwa klemmte hemmungslos neben der roten Zunge der Rolling Stones. Nun werden wir wieder daran erinnert. Die Werbemittel der diesjährigen Ausgabe des Basler Clubfestivals ‹BScene› zeigen eine Frau in Lederjacke, mit einer Button-Sammlung, die vor zwanzig Jahren zu Ruhm und Ehre auf dem Pausenplatz gereicht hätte. Zurück in die Achtziger also? Mitnichten. Vielmehr unterstreichen die Veranstaltenden, worum es beim Festival wirklich geht: um die Musik, die Bands und die Fans.
Über 50 verschiedene Formationen spielen an zwei Abenden in mittlerweile neun verschiedenen Musikclubs je eine Stunde lang, dazwischen bleibt dem Publikum Zeit, das Lokal zu wechseln. So kann sich jeder Musikfan sein eigenes ‹BScene› zusammenstellen. Abgesehen vom international ausgerichteten, aber kleineren Festival ‹Metropop› in Lausanne, ist dieses Konzept einzigartig in der Schweiz.
Sanfte Öffnung
Dennoch hat sich der für das Programm verantwortliche Chrigel Fisch für eine sanfte Öffnung entschieden. Erstmals werden mit Tele und Kissogram aus Berlin, Magicrays aus Lausanne und den Zürchern Gabardine Gäste eingeladen. Laut Fisch profitiert davon sowohl die hiesige Szene wie das Publikum. Den bekannten und zugkräftigen Basler Bands – Whysome, Kalles Kaviar, Speck oder Undergod – und der drohenden Gewohnheit werden frische Sounds entgegengesetzt. Die jungen regionalen Bands erhalten die Gelegenheit, über den Jura hinauszublicken und von den Erfahrungen anderer zu profitieren.
Einerseits widerspiegelt das Programm die Trends in der regionalen Musikszene – ein Anspruch des Organisationsteams –, anderseits zeigt es Präferenzen. Britpop, indie- und metal-lastige Sounds sind gegenüber elektronischen Klängen deutlich in der Mehrheit. Die Basler Szene ist nicht die experimentierfreudigste, gehört aber auf ihrem Gebiet zu den national erfolgreichsten. Auffallend zahlreich drängen junge, talentierte Gitarrenbands aus dem Laufental nach Basel, wie zum Beispiel Mondieu!, die Gewinner des letztjährigen Nachwuchswettbewerbs ‹Strampolin›. Rockmusik scheint dort zum Lebensgefühl zu gehören.
Bleibt zu fragen, warum die von der Werbewirtschaft preisgekrönte und von Schweizer Grossfirmen gesponserte, programmatisch hingegen fragwürdige ‹AVO-Session› vom Lotteriefonds Basel-Stadt hunderttausend Franken erhält, das mehrheitlich in Fronarbeit organisierte, zu den Eckpfeilern des regionalen Kulturschaffens gehörende Clubfestival ‹BScene› hingegen um einen Zehntel dieses Betrages bangen muss.
| Urs Hofmann
‹BScene 05›, Opening Night: Do 10.3., 20.00, Volkshaus, u.a. mit Lovebugs
Festival: Fr 11./Sa 12.3., Kaserne, Parterre, Hirscheneck, Sudhaus Warteck pp, Kuppel, Sommercasino, Wagenmeister/Nt-Areal, Bird’s Eye. Programm: www.bscene.ch. Eintritt ab CHF 16.
VV: Roxy Records, MMM Claramarkt, Mparc Dreispitz, Decade Liestal, Musik Renz Laufen




