Drei wichtige Theaterveranstalter der Region spannen erstmals zusammen, um der lokalen Szene neue Impulse zu geben.
Die Zeiten ändern sich – und die Theaterlandschaft mit ihnen. Noch haben wir die Klagen im Ohr, es gebe in Basel nicht genügend Auftrittsmöglichkeiten für die freie Szene; heute suchen die Veranstaltenden händeringend nach freien Gruppen, die in ihren Häusern auftreten könnten.
Die Szene habe sich in den letzten Jahren stark gewandelt, bestätigt Christoph Meury, Leiter des Theaters Roxy in Birsfelden: «Früher haben sich junge Theaterleute zu einer Gruppe zusammengeschlossen und alljährlich eine Aufführung erarbeitet. Dank der guten Ausbildungsmöglichkeiten gibt es heute viele junge Talente, die untereinander gut vernetzt sind, doch die Strukturen sind viel kurzlebiger. Die KünstlerInnen zirkulieren quasi im offenen Feld und brauchen einen äusseren Anlass, um sich für ein gemeinsames Projekt zu finden.» In Basel konstatiert Meury «einen eigentlichen Stillstand», trotz Gruppen wie Klara, Exex und wenigen kurzlebigen Ad-hoc-Ensembles.
Plattform für junge Theaterschaffende
Nun sieht er die VeranstalterInnen in der Pflicht. Roxy und Kaserne hätten sich – erklärt er selbstkritisch – bisher nur am Rand um die junge Szene gekümmert; zu mehr seien sie personell und finanziell allerdings auch nicht in der Lage gewesen. Und die Reihe ‹Anti-Schublade› im Raum 33, eine Theaterwerkstatt für AutorInnen, ist bekanntlich am starren Raster der Basler Kulturpolitik gescheitert. Daher hat er zusammen mit dem früheren Leiter der Kaserne, Eric Bart, sowie Monika Neun und Lukas Holliger vom Raum 33 das Fördermodell ‹TheaterTage Basel – Plattform für junge Theaterschaffende› entwickelt. Trotz den Turbulenzen in der Kaserne und dem Wechsel von Bart zu Urs Schaub kann das Projekt wie geplant als Joint Venture der drei Häuser stattfinden. Die Finanzierung der Ausgaben 2004 und 2005 mit je 180000 Franken ist vom Fachausschuss Theater und Tanz beider Basel bereits bewilligt.
Noch bis zum Januar haben interessierte KünstlerInnen aus der freien Szene Zeit, im Rahmen eines Wettbewerbs ihre Exposés einzureichen. Eine Programmgruppe, bestehend aus den erwähnten VertreterInnen der drei Theater, dem Raum 33-Schauspieler Sebastian Krähenbühl und Heidi Fischer als Mitglied des kantonalen Fachausschusses, wird daraus maximal sechs auswählen, im Idealfall zwei pro Spielstätte. Diese sollen im Laufe des Sommers erarbeitet und im Rahmen eines Festivals dem Publikum präsentiert werden. Dafür steht die Infrastruktur der drei Theater zur Verfügung, und die Profis aus den drei Häusern werden die Arbeiten betreuen. Die Produktionsleitung für alle Projekte liegt bei Fredy Heller, dem langjährigen Leiter des Theaters im Teufelhof.
Keime für die Zukunft
Rund 15 gute Entwürfe lägen bereits vor, erzählt Meury bei unserem Gespräch Anfang November. Nach welchen Kriterien werden nun die SiegerInnen ermittelt? «Wir denken vom Publikum aus», erklärt Meury, «es soll qualitativ überzeugende Aufführungen erleben.» Im Übrigen sei man für alles offen: AutorInnentheater, Ensemblearbeiten, Konzepte, Experimente, eventuell auch spannende Fragmente von Texten oder Projekten. Ein Bezug zur Region sei zwar erwünscht, doch nicht Bedingung. Die Aufführungen sollen aber spezifisch für den jeweiligen Spielort entstehen. Doch das Ziel der Plattform ist nicht nur, neue Produktionen zu ermöglichen: Längerfristig sollen die ‹TheaterTage› Impulse geben für eine neue lokale Szene, mit Gruppen, die ihre Arbeit kontinuierlich weiterentwickeln.
Interessant findet Meury die enge Zusammenarbeit mit der Kaserne und vor allem mit dem Raum 33, dessen junges Team mit ganz anderen Ansätzen und Vorstellungen Theater macht. Er sieht die Plattform auch als Auftakt zu einer stärkeren Zusammenarbeit, bei der die Partner ihr individuelles Profil allerdings nicht aufgeben, vielmehr schärfen sollen.
Wegen der Probleme bei der Kaserne können die ‹TheaterTage› nicht wie vorgesehen im Juni stattfinden, sondern erst Anfang September, zwischen dem Festival ‹Welt in Basel› und dem Saisonauftakt am Stadttheater. Meury sieht aber keine Konkurrenz zwischen den beiden Festivals, sondern eher eine Ergänzung. Das Theaterpublikum kann sich jedenfalls schon jetzt auf einen spannenden Herbst 2004 freuen. | Alfred Ziltener




