Welt ohne Wunder | Spielfilm ‹Lilja 4-ever›
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Nach zwei heiteren Filmen erzählt Lukas Moodysson in seinem jüngsten Werk von einer jungen Frau in der ehemaligen Sowjetunion, die wenig zu lachen hat.

Die Umgebung ist furchtbar trist, die Zukunftsaussichten sind trüb. Familie und Freundschaften bedeuten nichts. Prostitution ist so verbreitet wie Gewalt. Das Schnüffeln von Klebstoffdämpfen, das die Welt vorübergehend ein wenig lustiger macht, ist an der Tagesordnung. Wer hier lebt, will nur eines: weg.

Eine fürwahr düstere Szenerie. Auf die Leinwand bringt sie ein Regisseur, der bislang– bei allen ernsten Zwischentönen – mit Heiterem begeisterte: der 1969 geborene Schwede Lukas Moodysson. Sein erster Spielfilm, ‹Fucking Amal› (1998), war eine Coming-of-Age-Komödie. Sein zweiter, ‹Together› (2000), eine erfrischende Satire. Im Mittelpunkt von ‹Lilja 4-ever›, Moodyssons neuem Werk, steht die 16-jährige Lilja. Sie lebt irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion. Es sieht so aus, als stehe ihre Abreise in die USA kurz bevor. Doch dann verkündet ihre Mutter, sie und ihr neuer Freund würden zunächst allein weggehen.

Damit nimmt das Unglück der fortan auf sich selbst gestellten Lilja seinen unerbittlichen Lauf. Ihr bleibt nur die Freundschaft zum von seiner Familie verstossenen Volodya. Die Tante, die sich um Lilja kümmern sollte, nimmt die Aufgabe alles andere als ernst. So wird die Lage der rebellischen jungen Frau zunehmend prekärer, auch finanziell. Was liegt da näher, als sich für Geld auf Männer einzulassen? Dann aber taucht der nette Andrei auf und verspricht Lilja eine tolle Zukunft in Schweden. Sie sieht eine Chance, endlich wegzukommen. Dass das alles nicht gut enden kann, weiss man als KinozuschauerIn schon längst. In dieser Welt gibt es keine Wunder.



Politisches Statement

Die Regie fokussiert in erster Linie auf Lilja. Die soziale Situation ihrer Umgebung, etwa der desolate Arbeitsmarkt, wird – zumindest verbal – kaum abgehandelt. Das bringt mit sich, dass die Eltern-Generation absolut herzlos erscheint, deren eigenes Elend zunächst wenig nachvollziehbar ist. Dass sich dieser Eindruck erst mit der Zeit und nur partiell auflöst, ist sicher eine kleine Schwäche dieses ansonsten gelungenen Films, den Moodysson auch als politisches Statement versteht.

Das chancenlose Leben in der ehemaligen Sowjetunion, die Geschichte einer empfindsamen jungen Frau, die durch Armut in die Prostitution getrieben wird – irgendwie scheint man das alles zu kennen. Doch Moodysson schafft es, ungewohnte Eindrücke auf die Leinwand zu bringen, seine Geschichte in eindringliche Bilder zu kleiden und jede Betroffenheits-Gefühlsduselei zu vermeiden. Der sensibel beobachtende Film nimmt sich Zeit, Liljas innere Welt zu schildern. Und er lässt der jungen Frau, nicht zuletzt mittels einer gewissen Distanz, ihre Würde. Das ist eine der Stärken dieses Werks, das sich unter anderem dadurch explizit von voyeuristischen TV-Reportagen zu ähnlichen Themen abhebt.

| Judith Waldner



Der Film läuft ab Ende Februar im Kult.kino Camera