Auf der Suche nach dem idealen Klang | Barockmusik vom Feinsten
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Das Ensemble Capriccio Basel bringt geistliche Musik des jungen Händel zu Gehör. Dirigent ist der Alte-Musik-Star Andrew Parrott.

Für das letzte Konzert seiner Saison kündigt das Barockorchester Capriccio Basel die ‹Karmeliter-Vesper› von Georg Friedrich Händel an. Händels ‹Karmeliter-Vesper›? Da müssen wohl auch bestandene BarockspezialistInnen passen. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn Händel hat nie ein solches Werk geschrieben. Der englische Dirigent Andrew Parrott, einer der wichtigsten Spezialisten für Alte Musik, hat es vor einigen Jahren zusammengestellt aus geistlichen Stücken, die der junge Händel in Italien komponiert hat. Allen liegen Texte aus der Vesper-Liturgie zu Grunde, und einige sind nachweisbar im Gottesdienst aufgeführt worden. Eine Fälschung also? Natürlich nicht: Parrott folgte mit seiner Bearbeitung nur einer Praxis, welche im Barock gang und gäbe war. Er hat die Vesper im Übrigen mit seinem ‹Taverner Consort› auch auf cd herausgebracht.

Es ist kein geringes Kompliment für das Basler Ensemble, dass Parrott sich bereit erklärt hat, das Werk mit ihm noch einmal einzustudieren. In der Tat hat sich das Orchester seit seinem ersten Basler Auftritt im Februar 2000 einen ausgezeichneten Ruf erworben und viel Lob von der Kritik erhalten. Das komme nicht von ungefähr, erklärt Dominik Kiefer, der Gründer und künstlerische Leiter, das Ensemble habe sich eben genügend Zeit gelassen, um zusammen zu einem gemeinsamen Stil zu finden, und habe zunächst in kleineren Orten gespielt, wo man von der Kritik nicht so intensiv beobachtet werde.



Breites Repertoire mit Überraschungen

Der 1965 in Sarnen geborene, in Luzern ausgebildete Geiger hat Capriccio 1997 zunächst als reines Streicherensemble gegründet. Das heutige Barockorchester verbindet eine regelmässige Kooperation mit dem Basler Bläseroktett Amphion. Neben der Arbeit an Artikulation und Phrasierung ist es vor allem ein gemeinsames Klangkonzept, das die MusikerInnen eint, das Ideal eines vollen, runden Barockklangs, mit einer reichen, differenziert eingesetzten Farbpalette. Für dieses Ziel, erklärt Kiefer, werde einmal pro Woche geprobt: «Bei der Aufführung soll jedeR Einzelne hinstehen, als ob er/sie es so erfunden hätte!»

Inzwischen hat das Orchester ein breites Repertoire, vom Barock bis zur frühen Romantik, von Monteverdi bis Mendelssohn, mit einem Schwerpunkt bei den grossen Chorwerken. In seinen Konzerten ist auch immer wieder wenig Bekanntes zu entdecken, etwa sinfonische Musik von Schweizer Komponisten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Häufig spielen die MusikerInnen – barockem Brauch entsprechend – ohne Dirigenten. Doch natürlich brauchen sie auch Impulse von aussen. So haben sie im Januar mit Gottfried von der Goltz, dem Konzertmeister des Freiburger Barockorchesters, ein Programm erarbeitet, und Werner Ehrhardt vom Concerto Köln hat Werke aus Klassik und Romantik mit ihnen einstudiert. Er wird auch das erste Konzert der nächsten Saison, unter anderem mit Mendelssohns ‹Italienischer Sinfonie›, leiten. Geplant ist ausserdem ein Abend mit dem Altisten Andreas Scholl.

Zu den regelmässigen Partnern des Orchesters gehört das Luzerner Vokalensemble Corund. Es wird auch bei der Aufführung der ‹Karmeliter-Vesper› mitwirken. Händels Musik wird ergänzt durch die gregorianische Vesper-Liturgie, interpretiert von der Schola Romana Lucernensis. | Alfred Ziltener



Konzert Capriccio: Sa 4.5., 20.00, Peterskirche. Vorverkauf: Ticket-Corner, T 0848 800 800