Nach langer Vorbereitungszeit kann in Liestal das erweiterte Dichter- und Stadtmuseum am neuen Domizil eröffnet werden.
Ein fantastisches Gefühl sei es, das neue Dichter- und Stadtmuseum bezugsbereit zu sehen. Museumsleiter Hans Rudolf Schneider hätte einiges über die Hürden zu berichten, die es im finanziell gebeutelten Liestal zu überwinden galt. Doch jetzt ist es so weit: Mit einem ‹Museumsfest im Poetennest› wird das Haus der Öffentlichkeit übergeben. Die Festivitäten beginnen am Vormittag mit einem offiziellen Akt und werden zwischen Festzelt und Museum mit Musik, Lesungen, Kinderangeboten und szenischen Einlagen bis in die Nacht hinein dauern. Das Programm macht deutlich, dass Kultur im ‹Poetennest› Liestal ein Stück zugänglicher geworden ist.
Künftig wird die Eingangstür der historischen Liegenschaft im Stadtkern ausser am Montag täglich offen stehen, denn zu ebener Erde ziehen der Museumsladen und das Buchantiquariat Poete-Näscht samt Café-Ecke ein. Eine glückliche Fügung für beide Betriebe: Antiquar Peter Graf betreut Museumseintritt und -laden, dafür verweilt, wer das Museum besucht, auch in seinem Sortiment mit Schwerpunkten Literatur, Baselland und Psychoanalyse; das Spektrum reicht vom preiswerten Taschenbuch bis zum Sammlerobjekt. In einem Scriptorium kann man die Arbeit der Kalligrafin Annikki Rigendinger verfolgen oder eine Auswahl ihres experimentellen Schaffens in der angegliederten Galerie betrachten.
Vereinsfahnen und Poesie
Im ersten Stock sind Bilder zur Entwicklung der Stadt Liestal vom 16. Jahrhundert bis ins Satellitenzeitalter zu sehen. Eine erste Wechselausstellung zeigt Werke des Liestaler Fotografen Hans Leu.
Die Ehre, erste ‹Gastautorin› des ‹Literaturstocks› zu sein, fällt auf die Dichterin Verena Rentsch (1913–87). Neben reich bestückten Vitrinen, einer Leseecke und Hörstationen finden sich in der zweiten Etage die nachgebauten Arbeitsplätze der mit Liestal verbundenen Literaten Carl Spitteler und Josef Victor Widmann. Prominent vertreten sind zudem Emma und Georg Herwegh, der in den 1840-er Jahren im liberalen Kanton Baselland Asyl vor politischer Verfolgung fand, sowie Baselbieter Mundart-Literatur und Werke Hugo Martis.
Das dritte Geschoss präsentiert Lokales: Vielfältiges aus der neu ins Museum gekommenen Stiftung des Malers Otto Plattner, Kostbarkeiten aus Munzach, Liestal als Kantonshauptstadt, Gegenstände aus Alltag und Brauchtum der Region. Spätestens hier oben zeigt sich eindrücklich, welch weiter Bogen sich von der Vereinsfahne bis zur zeitgenössischen Literatur spannt.
Interesse an Austausch
Ein halbes Jahrhundert weilte das Museum im Obergeschoss des Rathauses auf knappstem Raum. Deshalb beschlossen Liestals politische Behörden 1992, das Projekt eines erweiterten Museums und die inzwischen gegründete private Stiftung zu unterstützen. Als treibende Kraft hinter der Neukonzeption aber steht vor allem der Museumsleiter Hans Rudolf Schneider. Der Historiker und Gymnasiallehrer wirkte ab 1985 ehrenamtlich als Präsident der Museumskommission, bis er vor neun Jahren die Leitung übernahm.
«Endlich verfügen wir im eigenen Haus über geeignete Räumlichkeiten für Veranstaltungen, können Wechselausstellungen gestalten, zu Konzerten und Lesungen einladen», freut sich Schneider, verschweigt aber auch nicht, dass auf längere Sicht Finanz- und Personalfragen zu lösen sind. Als Ergänzung, betont er, nicht als Konkurrenz zu anderen kulturellen Einrichtungen im Kanton verstehe sich das neue Museum; man sei interessiert an Zusammenarbeit und Austausch.
Aufgeschlossene Museumsleute, eine breite Palette im Angebot: Die Chancen für einen anregenden Begegnungsort stehen gut. | Carlotta Caviola
Eröffnung: Sa 9.6., 11.00, Dichter- und Stadtmuseum Liestal, Rathausstrasse 30, T 927 52 99, dimus_liestal@bluewin.ch. (Fotomontage: Stauffenegger/Stutz)
Das Museum ist rollstuhlgängig. Di bis Fr 14.00—17.00, Sa/So 10.00—16.00.
Saisonprogramm und Broschüre sind in Vorbereitung.
Antiquariat Poete-Näscht, T 921 01 25. Di bis Fr 13.30—18 30, Sa/So 10.00—16.00.
Programm in Vorbereitung.




