Geschichten vom Licht
db. Das Theaterstück ‹Molly Sweeney› von Brian Friel schildert eine blinde Frau, die ihr Leben souverän und zufrieden auch ohne Augenlicht meistert – bis nach der Operation, zu der sie sich überreden lässt. Und Jacques Lusseyran beschreibt in seiner Autobiografie ‹Das wiedergefundene Licht› die Erfahrung seines Blindseins so eindringlich, dass man fast neidisch wird auf die Intensität des Erlebten. Eine Vorstellung davon vermitteln auch die beiden Berner Filmemacher Dieter Fahrer und Bernhard Nick in ihrem preisgekrönten Filmessay ‹Jour de Nuit›. Er verbindet ganz unterschiedliche, stille, poetische, farbige Licht-Bilder (aus der Natur, der Grossstadt, dem Alltag, der Kunst) mit den Porträts von drei Menschen – einem sehenden Maler und zwei erblindeten SchauspielerInnen –, die durch ihr Schicksal zu einem bewussten, subtilen Umgang mit dem Sehen und Wahrnehmen und zu einem neuen Verständnis von Licht und Finsternis gefunden haben.
‹Jour de Nuit›: So 8.4., 15.30 sowie Sa 14., Mo 23. und Mo 30.4., jeweils 18.00, Stadtkino.
Filmkunst in Dornach
db. Nach 17 Jahren hat Dornach wieder ein (unabhängiges) Kino. Betrieben wird es vom Filmtechniker Simon Wyss, der 1992–1995 das Kino Sputnik in Liestal geleitet hat und heute ein Labor für Schwarzweissfilm in Basel besitzt, wo er auch Ausbildungskurse in Vorführtechniken anbietet. In Dornach ist Wyss Untermieter des Neuen Theaters am Bahnhof, welches das ehemalige Kinogebäude seit Februar mit eigenen Produktionen belebt. Hier wird er im April jeden Mittwochnachmittag einen Film für Kinder zeigen, als Sonntagsmatinee einen Dokumentarfilm und am Montag- und Mittwochabend Spielfilme. Simon Wyss fühlt sich der europäischen Filmkunst verpflichtet und möchte wertvolle, besondere, «menschlich erhebende» alte und neue Filme zeigen, die er, falls nötig, vorgängig restauriert. Vor der Hauptvorstellung werden Kurzfilme und Diawerbung, aber keine Werbefilme zu sehen sein. Wyss will das mit relativ einfacher Technik ausgestattete Kino auch als Übungsfeld für seine Vorführschule nutzen. Nach Erhalt der Betriebsbewilligung hofft der Cinéast jetzt nur noch auf Sponsorenhilfe, die das Projekt längerfristig sichert.
Landkino Dornach beim Bahnhof, T 702 00 83. Programm siehe Aprilheft Tagespresse.
Festival für neue Musik
db. Es ist bereits das achtzehnte seit 1984 und findet wiederum in Basel und Zürich statt: das dreitägige Taktlos-Festival für zeitgenössische Musik, die sich in Grenzbereichen bewegt: zwischen «fintenreicher Kammermusik» und «experimentellem Rock», wie die Veranstalter schreiben. Beteiligt sind diesmal über 30 MusikerInnen, die hauptsächlich aus Europa stammen und als Trios oder Quartette auftreten. Die meisten davon waren noch nie am Taktlos zu hören oder dann in anderen Formationen. Neben unbekannten sind auch klingende Namen vertreten: Joëlle Léandre, Sylvie Courvoisier, Marilyn Crispell, Urs Leimgruber, Fritz Hauser. Das Eröffnungskonzert bestreitet die siebenköpfige Schweizer Band ‹Die Regierung›, die gemäss Selbstdarstellung aus «fünf körperlich und geistig unterschiedlichst und zwei normal behinderten Männern» besteht.
Taktlos 2001: Do 5. bis Sa 7.4., Kaserne Basel (siehe Aprilheft S. 20).
Schäferstündchen mit Casanova
db. Passend zur Frühlingszeit bietet das Vorstadt-Theater eine höchst vergnügliche Theaterstunde über Mittag oder abends an. In seiner wieder aufgenommenen Produktion ‹Casanova al dente› (Regie Antonia Brix) zieht das hinreissend spielende Ensemble (Ruth Oswalt, Sibylle Burkart, Julius Griesenberg) sämtliche Register seiner Verführungskunst. Frei nach Casanovas Memoiren treten neben dem ebenso knackigen wie draufgängerischen Beau eine Auswahl seiner Gespielinnen auf: eine reife, liebeshungrige Okkultistin, eine bezaubernd androgyn wirkende Unschuld, ein raffiniertes Nönnchen. Unverblümt schildern und demonstrieren sie ihre Abenteuer im Reich der Sinne und geben schmachtend ihre Sehnsüchte preis. Währenddessen geniesst das Publikum ein köstliches Mittag- oder Abendessen– bei Bedarf gibts sogar ein Supplement! Wer diese liebevolle Hommage an das menschliche Triebleben verpasst, ist selber schuld!
‹Casanova al dente›: Mi 25.4. bis Sa 12.5., Vorstadt-Theater (siehe Aprilheft S. 19).
Mit Figuren unterwegs
db. Acht Puppentheater gibt es in der Region Basel, eines davon ist das Figurentheater von Margrit Gysin. Die in Liestal lebende Heilpädagogin und Schauspielerin feiert im April das (mindestens) 25-jährige Bestehen ihres Alleinunternehmens. Aus diesem Anlass präsentiert sie während einer Woche sieben von ihren etwa 30 Produktionen, darunter ihr Lieblingsstück ‹Die Wurzelkinder›, frei nach dem Bilderbuch von Sibylle von Olfers. Margrit Gysin spricht fünf Sprachen und ist viel unterwegs, oft auch in Krisengebieten der Welt. Sie zeigt ihre Kunst, für die sie letztes Jahr einen begehrten Preis erhielt, an Festivals, in Theatern und sozialen Einrichtungen, für Kinder und Erwachsene. Ihre Figuren fertigt sie selbst aus einfachen Stoffen und freut sich, wenn es ihr gelingt, «Menschen im Spiel zu berühren». Das Wissen darüber, wie man «Material lebendig macht», gibt sie in Seminaren und an diversen Hochschulen weiter.
Werkschau Margrit Gysin: So 8. bis Fr 13.4., Theater Palazzo, Liestal (ab 4 J.).
Videofilm über und Werkstattgespräch mit der Künstlerin: Di 10.4., 20.00, Palazzo.
Einführung in die Figuren- und Gestaltungsarbeit: Do 12.4., 20.00, Palazzo.
Theater im Gundeli
db. Gentechnologie und Ethik stehen im Mittelpunkt eines ‹schrägen Theaterspektakels›, das die freie Gruppe ExEx erarbeitet hat und auf dem Sulzer-Burckhardt-Areal zur Aufführung bringt. Die Rahmenhandlung greift auf Mary Shelleys Frankenstein-Roman zurück: Auf einem Rundgang durch sein Labor gewährt Doktor Frankenstein Einblicke in seine Arbeit und stellt sein neustes Produkt vor, einen Biochip, dessen TrägerInnen über ausserordentliche Fähigkeiten verfügen. Livemusik, Akrobatik, Tanz und Feuerwerk verdichten sich zu einem Stück gegen den Machbarkeitswahn. Vor den Vorstellungen kann man sich an der hauseigenen Bar stärken oder ein vergnügliches Videokurzprogramm konsumieren.
ExEx spielt ‹Manipulogen›: Fr 30.3., 20.00 (Premiere), So 1., Sa 7., So 8.4., jeweils 20.00, Gundeldinger Feld, Dornacherstr. 192. Reservation: T 079/226 53 53, Infos: www.exex.ch
Heilmittel von gestern bis heute
db. Wer wirksame und dennoch natürliche Abhilfe gegen die Frühjahrsmüdigkeit sucht, verbinde das mit einem Besuch im Pharmazie-Historischen Museum. Erstens liegt es unverhofft idyllisch inmitten der Altstadt, in einem Haus aus dem frühen 14. Jahrhundert, wo schon Froben, Erasmus von Rotterdam, Holbein, Paracelsus und andere Berühmtheiten gewohnt und gewirkt hatten; zweitens verfügt es seit kurzem über einen neu gestalteten Eingangsbereich, in dem sich als originelle Variante eines Museumsshops ein ‹Herbarium› (die ehemalige, restaurierte Barfüsserapotheke) befindet, wo man mit fachkundiger Beratung allerlei Kräuter, Teemischungen, klassische Kosmetika und Rohstoffe für deren Herstellung erwerben kann. Und drittens verlocken die ausgestellten Objekte zur Vertiefung in das Apothekenwesen. Neben kostbaren Keramikgefässen sind in zehn Räumen unter anderem alte Heilmittel mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, eine Bibliothek und ein Alchimistenlabor aus dem 16. Jahrhundert zu sehen – eine prächtige Sammlung kurioser Gegenstände zur Drogenfabrikation. Das seit 1924 bestehende, weltweit älteste und umfangreichste Museum seines Fachs gehört der Universität Basel und wird seit über zehn Jahren von Michael Kessler geleitet.
Pharmazie-Historisches Museum, Totengässlein 3, T 264 91 11. Neu Di bis Fr 10.00—18.00, Sa 10.00—17.00.
Schutz von Kulturgütern
db. ‹Man sollte nur soviel besitzen, wie man allein transportieren kann›. Unter diesem Motto ist in Aarau, kuratiert von Beat Gugger, eine Ausstellung zur Bedeutung von kulturellen Werten und ihrer gesellschaftlichen Stellung zu sehen. Während vor hundert Jahren die ästhetisch-geistige Erbauung im Zentrum der Beschäftigung mit Kunst stand, wird heute etwa darüber diskutiert, welche Kultur (Objekte) erhalten bleiben soll. Und wer darf das bestimmen? Daraus erschliessen sich weitere Themen, zum Beispiel zu den Bereichen Heimat und Identität – und letztlich ist damit auch die Gretchenfrage nach dem Stellenwert der Kultur im Lebensraum der Menschen gestellt. Im zweiten Teil des Projekts wird anhand konkreter Beispiele aufgezeigt, welche kulturellen Werte Aaraus im Krisenfall besonders geschützt wären.
‹Kulturgüter heute — für morgen›: Fr 6.4. bis So 10.6., Forum Schlossplatz, Laurenzenvorstadt 3, Aarau, T 062/822 65 11.
Literaturtage mit Hyperfiction
db. Die Solothurner Literaturtage werden dieses Jahr Ende Mai stattfinden. Für den ‹Offenen Block› können Prosatexte eingesandt werden, die erstmals auch im Internet präsentiert werden. Aus den Einsendungen (per E-Mail oder Diskette) ermittelt eine achtköpfige Fachjury eine Auswahl von vier bis sechs AutorInnen, die am letzten Tag Gelegenheit zu einer Lesung erhalten. Die Texte werden bis im Herbst auf dem Netz belassen. Prosatexte in deutscher, französischer oder italienischer Sprache können bis 30.4. elektronisch oder per Post übermittelt werden. Der Umfang darf maximal 7000 Zeichen (inklusive Leerzeichen) nicht überschreiten. Übrigens wird ‹Hyperfiction, Netzliteratur› einer der Programmpunkte des diesjährigen Treffens sein, auch ‹Poetry-Slam› und ein Podiumsgespräch über ‹Bildung› sind angesagt sowie eine Hommage an den Tessiner Schriftsteller Giorgio Orelli und eine Ausstellung über Bilderbuch-IllustratorInnen.
23. Solothurner Literaturtage: Fr 25. bis So 27.5., Infos: T 032/622 44 11, www.literatur.ch
Texte an Postfach 926, 4502 Solothurn, offenerblock@literatur.ch
Neue Medien im Stadtbuch
db. Pünktlich wie jedes Jahr erscheint das Basler Stadtbuch, das informativ und unterhaltsam, gelegentlich kritisch über die Stadt am Rheinknie berichtet und in seiner Chronik die mehr oder weniger wichtigen Ereignisse des letzten Jahres festhält. Es ist eine wunderbare zeitgeschichtliche Quelle, die seit kurzem auch übers Internet zugänglich ist. Schwerpunktthema der aktuellen 121. Ausgabe ist ‹Basel im Netz›, man erfährt Aufschlussreiches über den Umgang mit den neuen Medien in den Schulen, der Wirtschaft, dem Kulturbereich. Rund fünfzig AutorInnen haben zu einer lebendigen Geschichtsschreibung beigetragen, die von attraktivem Bildmaterial begleitet wird. Das Stadtbuch war übrigens der Anlass gewesen zur Gründung des Christoph Merian Verlags vor 25 Jahren, der heute jährlich gut ein Dutzend Bücher verlegt.
Basler Stadtbuch 2000, 335 S., CHF 49.
Infos: www.basler-stadtbuch.ch
Buchvernissage mit Theater: Mo 2.4., 18.30, UBS-Kundenhalle, Aeschenvorstadt 1.
Welttanztag
db. Auf Initiative der Unesco gilt der 29. April seit 1982 als ‹Welttanztag›. Damit soll die Universalität des Tanzes gefeiert werden, dessen Sprache alle politischen, kulturellen und ethnischen Grenzen zu überschreiten vermag und Menschen friedlich zusammenbringt. Jedes Jahr verfasst eine bedeutende Tanzpersönlichkeit eine Botschaft, die als Motto über den Veranstaltungen dieses Tages steht; diesmal stammt sie von William Forsythe (siehe Aprilheft Agenda). In der Schweiz wurde neu das Tanzbüro Basel mit der Koordination der Anlässe betraut, die an sechs Orten des Landes über die Bühnen gehen. In Basel sind diverse Aktivitäten geplant. Die IG Tanz etwa präsentiert ‹Einblicke XIII›, eine Schau aktueller Werke von rund 25 lokalen und überregionalen Tanzschaffenden. Sie will damit Impulse für die kontinuierliche Vernetzung der Szene setzen.
Aktionen zum Welttanztag: Sa 28./So 29.4. im Roxy, Kaserne, Scala, Kino Camera.
Ostern mit Tango
db. Zu einem ausgiebigen Tanz- und Hörvergnügen laden die Tangoschule Basel und der Verein Danzeria ein: Über die Ostertage veranstalten sie zum zweiten Mal ein internationales Tangofestival. Eröffnet wird es mit einer ‹Tango Mode-Collage›, welche die Geschichte des Tangos von 1900 bis in die Gegenwart erzählt. Am Karfreitag steht ein Konzert mit einem bekannten Tango-Orchester aus Buenos Aires auf dem Programm, ferner wird der Film ‹Tangolesson› gezeigt – im Beisein eines der Hauptdarsteller. Am Wochenende sind ein grosser Tangoball sowie eine Tangonacht mit Livemusik und Showeinlagen von argentinischen KünstlerInnen angesagt. Und am Ostermontag treffen sich nimmermüde Tanzhungrige zu einem Abschlussfest. Ausserdem werden während des Festivals Tangoworkshops für Fortgeschrittene und AnfängerInnen angeboten.
Tangofestival: Do 12. bis Mo 16.4., Volkshaus Basel, Kino Movie, Stadtcasino (siehe Aprilheft Agenda).
Reservationen: Musik Wyler, Musik Hug.
Weitere Infos: T 981 69 96 oder www.tangoschulebasel.ch




