Die Frauenfilmtage NouvElles werden zum veritablen Festival aufgewertet. Das reichhaltige Programm vespricht fünf Tage Filmvergnügen.
Die jeweils im März landesweit stattfindenden Frauenfilmtage gehen in die 13. Runde. Bisher war die Veranstaltung allerdings nur einem Insiderpublikum ein Begriff – letztes Jahr etwa wurden im Neuen Kino gerade mal fünf Filme von Frauen gezeigt, verteilt über einen ganzen Monat. Doch diesmal hat Geschäftsführerin Chantal Millès, zuständig für die Programmation und die gesamtschweizerische Koordination, für die Basler Ausgabe der NouvElles grosse Pläne. Die Filmtage sollen hier unter ihrer Leitung als eigentliches Festival etabliert werden: Der Anlass wurde auf fünf Tage verdichtet, das Programm auf über dreissig Filme ausgebaut, dazu kommen diverse Rahmenanlässe und nicht zuletzt ein neuer, attraktiver Veranstaltungsort.
Kämpferische Heldinnen
Die NouvElles präsentieren dieses Jahr Filme von Regisseurinnen unter dem Motto ‹Fighting Girls›. Mit der Wahl des Themas beweist Chantal Millès einen guten Riecher – gegenwärtig macht der Film ‹Girlfight› in den Kinos Furore. Die Idee hatte sie vor einem Jahr, als sie am Frauenfilmfestival in Créteil (Paris) ‹Shadowboxers› von Katya Bankowsky sah. Dieser Dokumentarfilm über Profiboxerinnen eröffnet denn auch das Basler Festival, und wenn alles klappt, gibt es anschliessend sogar einen professionellen Frauenboxkampf zu erleben.
Im Hauptprogramm werden während fünf Tagen rund zwanzig neue Filme gezeigt, die sonst kaum ins Kino kommen – weil die Verleihfirmen ihnen zu wenig kommerzielle Chancen attestieren. Dass sich die Branche glücklicherweise immer wieder mal täuscht, beweist gerade ‹Girlfight›: Obwohl seit längerem programmiert, ist es derzeit unsicher, ob der Film auch an den NouvElles zu sehen sein wird. Überrascht vom kommerziellen Erfolg, will sich der Verleiher nun eine Verlängerung der Kinospielzeit vorbehalten ...
Aber auch ohne diesen Film verspricht das Festival spannend zu werden. Dokumentar- und Spielfilme halten sich die Waage und beleuchten das Thema ‹Fighting Girls› von verschiedenen Seiten. Ob im wörtlichen oder im übertragenen Sinn, immer geht es um Frauen, die nicht bereit sind, ihre eigenen Vorstellungen vom Leben kampflos aufzugeben.
Neben dem Hauptprogramm gibt es zwei Spezialreihen: Die eine widmet sich den Frauenbildern im klassischen HollywoodKino und zeigt grosse Filme von Regisseuren wie Hitchcock, Howard Hawks oder Orson Welles. Womit auch deutlich wird, dass das Frauenfilmfestival ohne enge ideologische Scheuklappen auskommt und keine Berührungsängste vor dem ‹Männerkino› hat. Die zweite Sonderreihe ist der Schauspielerin Delphine Seyrig gewidmet. Einst gefeierte Diva, geriet Seyrig in Vergessenheit und wurde erst in den letzten Jahren von Filmemacherinnen wie etwa Ulrike Ottinger wiederentdeckt. Diese Reihe läuft im Stadtkino, dem einzigen ‹Nebenschauplatz› des Festivals.
Performances, Vorträge, Podiumsdiskussionen und ein Kinderprogramm ergänzen das Angebot. Das Warteck hat seine Festival-Eignung bereits verschiedentlich bewiesen: Mit mehreren bespielbaren Räumen und einem attraktiven Treffpunkt in der hauseigenen Beiz bietet es einen stimmungsvollen Rahmen. Wahrlich Frühling für Cinéphiles und Cinéfilles ...
| Sibylle Ryser
Filmfestival NouvElles zum Thema ‹Fighting Girls›: Mi 14. bis So 18.3., Werkraum Warteck und Stadtkino (siehe März-Heft S. 29). Die Programmbroschüre ist an den Festivalorten sowie in den Studiokinos, im Unternehmen Mitte und bei BaZ am Barfi (Vorverkauf) erhältlich.
Weitere Infos: T/F 383 89 82/83 oder www.nouvelles.ch




