Kunst auf Reisen | Projekt ‹OneNightStand›
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In einem Kleinbasler Hotel startet eine Reihe von Kunstevents, in der junge Schweizer Kunst präsentiert wird.

Die Eingangshalle des Hotels Krafft strahlt eine steife Würde aus, ein roter Perserläufer führt in Windungen hinauf bis in die fünfte Etage. Hier sollen zwei Hotelzimmer für ein paar Stunden zu Kunsträumen werden.

Ausstellungen in Räumen, die nicht a priori mit Kunst assoziiert werden, gehören inzwischen zum geläufigen Repertoire der Vermittlung. Hinter solchen Initiativen stehen oft Kunstschaffende, so auch bei OneNightStand©, einem Projekt der beiden Künstlerinnen Gertrud Genhart (BS) und Marianne Rinderknecht (SG), das in Hotels stattfindet. Jeweils vier KünstlerInnen bespielen für einen Abend zwei Hotelzimmer. Am Vortag reisen sie mit Ideen und Material an und haben danach 24 Stunden Zeit, gemeinsam die Intervention zu realisieren. Insgesamt sollen in den kommenden zwei Jahren 18 solche Events an verschiedenen Orten in der Schweiz stattfinden. Die ersten drei Termine stehen fest, der weitere Verlauf entsteht in rollender Planung – den Initiantinnen ist es wichtig, dass das Projekt sich laufend entwickeln kann.

Für die Wahl der Teilnehmenden nutzen die Organisatorinnen eigene Beziehungen vor Ort, darüber hinaus suchen sie nach Gewährsleuten aus der nationalen Kunstszene, die ihnen Kontakte zur deren Region ermöglichen. Für die Südostschweiz etwa ist dies Luciano Fasciati, der in seiner Churer Galerie seit Jahren auf aktuelle Schweizer Kunst setzt. Der dritte OneNightStand wird im Hotel Marsöl stattfinden, dem eigenwilligen Kulturhotel in unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner Galerie.

Die Zusammenstellung der Gruppen vereint Positionen, von denen sich die Kuratorinnen eine fruchtbare Begegnung versprechen. Dabei wird auch darauf geachtet, dass verschiedene Medien zum Zug kommen. Die Beteiligten sind sich höchstens zufällig bekannt, werden sich aber in der Auseinandersetzung um die Gestaltung des OneNightStands zweifellos kennen lernen. Genhart und Rinderknecht wollen dabei nur eine «beratende Funktion» übernehmen. Das Projekt startet mit einem Beitrag aus dem Kunstkredit Basel-Stadt, die einzelnen Events müssen aber laufend zusätzlich finanziert werden. Die Organisatorinnen zählen dabei vor allem auf die Unterstützung der jeweils bespielten Städte.


Erweiterung des regionalen Kunsthorizontes

Hauptziel des Projekts ist der überregionale Austausch zwischen Kunstinteressierten. Die Kunstszenen der Schweiz sind stark regional verhaftet, was es gerade für junge Kunstschaffende oft schwierig macht, darüber hinaus wahrgenommen zu werden, aber auch selbst andere Positionen kennen zu lernen. Dem wollen die beiden Künstlerinnen nun etwas entgegen setzen: «Wir müssen mit unserer Kunst auf Reisen gehen», sagt Gertrud Genhart. Und auf Reisen steigt man eben in Hotels ab. Hotelzimmer haben den eklatanten Vorteil, dass sie in fast jedem Ort zur Verfügung stehen, darüber hinaus sind sie aber auch assoziationsreiche Orte. Das Hotelzimmer gewährt dem Gast zwar vorübergehend Privatsphäre, ist aber letztlich ein weder privater noch öffentlicher Raum. Irgendwo dazwischen wird es zur Bühne für temporäre Situationen.

In den OneNightStands wird dieser undefinierte Raum für kurze Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Vernissage ist zugleich die Finissage, die Ausstellung wird zum Ereignis verdichtet. Grosser Wert wird auf Austausch gelegt, nicht zuletzt mit dem Publikum, dem man den roten Teppich ausrollt– im wunderschönen Hotel Krafft ist das durchaus wörtlich zu nehmen. | Sibylle Ryser


‹OneNightStand›: Fr 2.2., 18.00—22.00, Hotel Krafft, Zimmer 49 und 53, Rheingasse 12. Mit Martin Hauser (BS), Gabriele Rérat (ZH), Diana Dodson (BE) und François Kohler (VD). Nächster Termin: Sa 17.3., Lausanne (Hotel noch nicht bestimmt). Mit Tilo Steireif (VD), Edit Oderbolz (BS), Reto Leibundgut (BE) und Vreni Spieser (ZH). Dritter Termin: Fr 4.5., Hotel Marsöl, Chur (TeilnehmerInnen noch nicht bestimmt).