Film über Borges
db. Um literarische Obsessionen dreht sich der Filmessay "Borges - Los Libros y la noche" von Tristán Bauer. Der argentinische Regisseur hat ihn aus Anlass des 100. Geburtstages seines Landsmannes Jorge Luis Borges (1900- 86) geschaffen. Respektvoll und poetisch, in einer Mischung aus Dokumentarischem und Inszeniertem, nähert sich Bauer dem Leben und Werk dieses grossen Schriftstellers und Lesesüchtigen. Die Kamera folgt den biografischen Stationen des langsam Erblindenden, der von einem blinden Schauspieler verkörpert wird, und vermittelt auch Einblicke in die innere Welt des Autors. Das trigon-film-Magazin Nr. 10 ist u.a. diesem Film gewidmet.
"Borges": Sa 2. bis Mo 4.12., Stadtkino (siehe Dezemberheft Seite 26).
Literatur des Nordens
db. Ende Oktober ist das "Nordlicht" aufgegangen, die einzige Schweizer Buchhandlung, die ausschliesslich Bücher aus Europas Norden anbietet. Die rund 800 Titel sind übersichtlich nach Ländern geordnet: von Dänemark bis Island, inklusive Schottland und Irland, aber ohne Grossbritannien. Es ist hauptsächlich klassische und zeitgenössische Belletristik in Deutsch, dazu einige Sprachlehrbücher und Reiseführer. Betrieben wird das sympathische Lädchen zu je 50 Prozent von dem Lehrer Christian Klemm und dem Journalisten Franz Osswald. Verdient wird freilich auswärts, doch versuchen sie, wenigstens kostendeckend zu arbeiten. Die beiden Liebhaber nordischer Kultur möchten mit ihrem Unternehmen mehr vermitteln als Literatur. So werden sie etwa am Lucia-Tag (Mi 13.12., nachmittags) bei Kerzenlicht Glühwein, Pfefferkuchen und Safrangebäck offerieren.
Nordlicht, Petersgasse 52, T/F 263 81 11. Di bis Fr 9.00-12.00, 13.30-18.30, Sa 10.00-16.00.
Basler Kulturpreis
db. Der mit 10000 Franken dotierte diesjährige Kulturpreis der Stadt Basel geht an zwei leidenschaftliche SammlerInnen historischer Fotos: Peter und Ruth Herzog. In 25 Jahren haben sie ohne fremde Hilfe eine der weltweit bedeutendsten privaten Fotografie-Sammlungen aufgebaut. Sie umfasst rund 300000 Aufnahmen aus der Anfangszeit der Fotografie im 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg. Teile dieser grossartigen Dokumentation sind schon in thematischen Ausstellungen und Publikationen gezeigt worden, etwa im Kunst Raum Riehen oder der Zeitschrift Du. Im Moment wird abgeklärt, ob die Sammlung im Sulzer-Burckhardt-Areal (siehe Dezemberheft Seite 14) aufbewahrt und dereinst sogar öffentlich zugänglich gemacht werden könnte. Der Basler Kulturpreis wird zum 28. Mal verliehen und würdigt künstlerisch wie kunstvermittelnd aktive Persönlichkeiten.
Preisverleihung: Di 5.12., 19.30, Restaurant Erlkönig (für geladene Gäste).
Russische Lyrik
db. Im Winter sind wir besonders empfänglich für Poesie. Da kommen verschiedene Angebote gerade recht. Zum Beispiel die Lesungen von Gertrud Antonia und Hans-Dieter Jendreyko (in dessen Od-Theater derzeit übrigens eine berauschende Version von "Romeo und Julia" zu sehen ist). Im Mittelpunkt ihrer Lyrikreihe stehen dieses Jahr Elegien von Rilke, die sie gemeinsam vortragen, gefolgt von Einzellesungen aus den Werken der russischen DichterInnen Marina Zwetajewa und Ossip Mandelstam. - Zwetajewa und ihrem Landsmann Andrej Belyj ist auch eine szenische Lesung von Graziella Rossi und Helmut Vogel gewidmet, die bereits mehrmals mit grossem Erfolg in Zürich aufgeführt wurde und nun erstmals in Basel zu Gast ist. Dem Bühnentext liegen die Erinnerungen von Zwetajewa an Belyj zu Grunde, die von Taja Gut unter dem Titel "Ein gefangener Geist" soeben neu herausgegeben wurden; er hat auch das Konzept zur Lesung erarbeitet und ist Verfasser einer grossen Monografie über Andrej Belyj. Dieser rastlos Suchende und bedeutende Dichter des russischen Symbolismus hat 1914-16 in Dornach gelebt und mit kritischem Sinn u.a. am ersten Goetheanum-Bau mitgearbeitet.
Lyrik im Od-Theater. Rilke, Erste Duineser Elegie: So 3.12., 17.00 (siehe Dezemberheft Seite 18).
Lesung Zwetajewa/Belyj: So 10.12., 17.00 im Scala Basel.
Gegenwartslyrik
Um zeitgenössische Poesie geht es in der Anthologie "Warenmuster, blühend", die kürzlich erschienen ist. Entwickelt hat sie sich aus der Kolumne "Wochengedicht" der WoZ, für die Alexandra Stäheli Herzog als damalige Literaturredaktorin verantwortlich zeichnete. In Zusammenarbeit mit Florian Vetsch hat sie AutorInnen im In- und Ausland um unveröffentlichte Texte gebeten. Tausende von Gedichten sind so zusammengekommen, für die Anthologie wurden 143 ausgewählt, die primär aus den Neunzigerjahren und sowohl von berühmten wie wenig bekannten VerfasserInnen stammen. Auch Schreibende aus Basel sind vertreten, etwa Martina Hügli und Werner Lutz (von denen weitere neue Bücher vorliegen) sowie Anne Blonstein, Ingeborg Kaiser, Kathy Zarnegin. Ein wundersamer Reigen aktueller internationaler Lyrik, mit Lust am Text und Mut zur Lücke gemacht und ausserdem so hübsch, dass man den Band auch gerne verschenkt!
Anthologie "Warenmuster, blühend", Verlag Im Waldgut, Frauenfeld 2000. 271 S., br., CHF 38.
Offene Ateliers
db. Einblicke in das aktuelle Kunstgeschehen der Region verschaffen nicht nur die Jahresausstellungen (s. oben), sondern auch und etwas intimer, die "Portes Ouvertes". Bereits zum vierten Mal laden, organisiert von Katharina Kerpan und Barbara Kunz, über 120 Kunstschaffende aus Basel und Umgebung zum Besuch ihrer Ateliers ein. Mit Hilfe eines Orientierungsplans können sich Interessierte ihren persönlichen Rundgang zusammenstellen. An acht Orten (je vier in Klein- und Grossbasel) werden Ateliergespräche zwischen KünstlerInnen, Fach- und Medienleuten sowie Führungen durch Ateliergemeinschaften angeboten. Als Rahmenprogramm sind auf dem Nt-Areal verschiedene Aktionen angesagt: von Tanztheater über Klangimprovisation und diverse Installationen bis zu Live-Porträt-Karikaturen und einem Komik-Kiosk.
Portes Ouvertes: Sa 9./So 10.12., 12.00-19.00. Infos: T 683 87 47. Der Orientierungsplan ist an allen Kunstorten erhältlich.
Kunst-Austausch
db. Vor fünf Jahren gründete Martin Kolbe die Freie Kunstakademie Basel, eine private Kunstschule, an der man unabhängig von Alter und Vorbildung eine dreijährige gestalterische Ausbildung absolvieren kann. Statt fixen Unterricht bieten sechs Dozierende Blockseminare zu verschiedenen künstlerischen Bereichen, Referate in Kunstgeschichte und Philosophie sowie Beratungsstunden an. Wer selbständig und selbstkritisch arbeiten will, ist hier willkommen und kriegt einen eigenen Atelierplatz. Nun trifft sich die Kunstakademie zu einem Austausch mit Studierenden der staatlichen Kunsthochschule Le Quai, Mulhouse; beide Schulen stellen am jeweils andern Ort ihre Werke und Arbeitsweisen vor.
Freie Kunstakademie Basel, Leimgrubenweg 9, T/F 332 00 68. Ausstellung (F): Fr 8.12., 19.00 (Vernissage) bis Do 14.12.
Le Quai, école de supérieure d'art, 3, quai des Pêcheurs, Mulhouse. Ausstellung (CH): Do 7.12., 18.00 (Vernissage) bis Do 21.12.
Architektur in und um Basel
db. Kein Zweifel: In der Region Basel wird die Baukunst gross geschrieben. Bedeutende Architekturbüros sind hier international tätig und hinterlassen unübersehbar ihre Spuren. Neben Schulhäusern, Läden, Büro- und Industriegebäuden, Altersheimen, Sportanlagen und Wohnsiedlungen sind allein in den letzten zwanzig Jahren auch zahlreiche Kulturräume entstanden, etwa das Museum für Gegenwartskunst, das Tinguely-Museum, die Fondation Beyeler, der Burghof und das Vitra Design Museum. Ein soeben erschienener, handlicher Führer (den es in drei Sprachen gibt) stellt hundert Bauten dieser Epoche auf je einer Doppelseite mit kurzem Text, Fotos, Plänen und Angaben zur Ausführung vor. In seinem kürzlich gegründeten eigenen Verlag hat der Autor zudem eine 18-teilige s/w-Postkartenserie mit Architektursujets herausgegeben.
Lutz Windhöfel: "Architekturführer Basel 1980-2000". Birkhäuser Verlag, 2000. 256 S. mit Abb., Ln., CHF 28
Postkartenserie, Haus-Verlag, T 274 12 33




