Während einer achtmonatigen Asienreise vor 25 Jahren machte ich eine wichtige Erfahrung: Fast überall interessierten sich die ‹Fremden› mehr für meine Herkunft als für meine Person. Ich wurde nicht als Individuum wahrgenommen, sondern als Vertreterin der westlichen Welt, des Reichtums, der Bildung, all dessen, was ihnen erstrebenswert und mir entbehrlich und belastend schien.
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Festivals für Vokalkunst ist der Musik der Türkei gewidmet.
Dass elektronische Musik weder unterkühlt noch mechanisch ist, beweist Kold alias Tomek Kolczynski auf drei neuen fantastischen Einspielungen.
Ganz zufällig habe sie die ehemalige Klosterkirche im aargauischen Olsberg für sich entdeckt, erzählt die junge Cellistin Sol Gabetta, und sofort gewusst: «Das ist es!»
Robert Wilson ist Ehrengast bei der Schweizer Premiere einer filmischen Hommage an sein Leben und Werk.
‹Volver› ist ein gewitzt inszeniertes, famos gespieltes und extrem weibliches Beziehungspuzzle aus Spanien.
Verschiedene Kulturanlässe fördern den grenzüberschreitenden Austausch von Jugendlichen.
Rund 3000 Mädchen von 11 bis 20 Jahren werden sich über Pfingsten im Dreiländereck zur siebten Auflage der ‹Mädiale› treffen.
Suchende, Reisende, Glücksritter: Monika Neuns aktuelle Theaterproduktion erzählt ‹Vom Vergnügen am Verschwinden›.
Am 9. Juni beginnt die Fussballweltmeisterschaft in Deutschland. Da wollen wir natürlich nicht abseits stehen...
Team der Dichter
Als Trainer der Poeten
Werd ich dies Team vertreten
Viererkette: Goethe, Gleim
Aussen schliesslich Arp und Heym
Alors, im Tor der Eine
Natürlich Heinrich Heine
Links dann Hölderlin und Brecht
Eichendorff und Benn spieln rechts
Hermetisch zu die Räume
So wie die Dichterträume
Gross und einsam stürmt allein
Unser Albert Ehrenstein
Direkt aus grosser Förne
Da schiesst der Ludwig Börne
Auf der Bank Celan und Eich
Schiller auch, die sind zu weich!
| Wolfgang Bortlik
(Heft Juni 2006)
Ehrlich, ich kann es nimmer hören, sehen, schmecken, dieses Gesülze über Fussball überall! Gibt es eigentlich noch irgendwo ein Kulturwürstchen, das noch nicht seinen Senf zu der Sache abgegeben hat?
Ehrfurcht, Feierlichkeit, ja, geradezu sakrale Gefühlslagen gehören eher selten zu Restaurantbesuchen.
Mit Anna Schmid und Francesca Ferguson übernehmen neue Köpfe die Leitung zweier Basler Museen, die zuvor bereits erfolgreich von Frauen geführt wurden.
Bevor die Stadt in Urlaub fährt, wird sie flächendeckend mit internationaler Kunst bestückt.
«Ein Bild sollte immer ein Rätsel in sich tragen», hat er einmal in einem Interview gesagt.
Die Christoph Merian Stiftung lanciert einen Ideenwettbewerb zur Aufwertung des St. Johann-Quartiers.
Das Thema ist brandaktuell und uralt zugleich: die angebliche Unvereinbarkeit der islamischen Religion und ihrer gelebten Kultur mit dem säkularen europäischen Selbstverständnis, welches Staat und Religion trennt.
Was haben Kulturschaffen und Migration gemeinsam? Mehr als man gemeinhin denkt. Gedanken über ‹fremdelnde› KünstlerInnen und den Drang, Grenzen zu überschreiten.
Ein Schriftsteller mit griechischen und eine Fotografin mit süditalienischen Wurzeln besuchen kulturschaffende Migrantinnen und Migranten. Samir, Tatana, Franco Supino, Marco Cantalupo, Laetitia Ramos und Cristina Castrillo erzählen von ihren Erfahrungen und zeigen ihre Bilder der Schweiz.
Die Globalisierung betrifft alle Lebensbereiche, auch die Kultur. Ist es berechtigt oder gefährlich, von ‹Weltkunst› zu sprechen? Überlegungen aus ethnologischer Perspektive.
Das Basler Theater Niemandsland spielt ein Migrationsdrama von Bestsellerautor Henning Mankell.
Der Ort ist keine Augenweide, und die Schau darin entspricht haargenau ihrem Titel: Sie ist eine Baustelle, mutet unfertig, etwas verwahrlost an.
Lob des Singens
db. Zwei engagierte Frauenchöre kommen mit einem gemeinsamen Programm auch nach Basel: Die ‹Singfrauen Winterthur› unter der Leitung von Franziska Welti und ‹die vogelfreien› unter Magda Vogels Leitung, die zusammen fast hundert Mitwirkende haben. Unter dem Label ‹vogelfreiesingfrauen› unternehmen sie eine ‹Tour du Monde›, d.h. sie bringen Lieder aus verschiedenen Epochen, Kulturen und musikalischen Sparten zu Gehör. Beide Chöre verfügen über ein vielfältiges Repertoire, interpretieren Bekanntes neu und setzen sich speziell für Kompositionen von Frauen ein. Ebenfalls dem Gesang verpflichtet sind die SängerInnen des Internationalen Opernstudios Zürich. In Begleitung der ‹basel sinfonietta› präsentieren junge StudienabgängerInnen aus 14 Nationen in Basel ihr reichhaltiges Schlusskonzert.
Konzert ‹vogelfreiesingfrauen›: Sa 17.6., 20.00, Offene Kirche Elisabethen
Konzert Opernstudio: Di 27.6., Kaserne Basel, Reithalle
Lieder — mal anders
db. Sie ist kein Geheimtipp mehr, aber entwickelt sich immer weiter: die Basler A-cappella-Band The Glue. Die fünf jungen Sänger sind in den letzten acht Jahren rund 500 Mal aufgetreten, haben drei CDs und eine DVD publiziert und etliche Auszeichnungen erhalten. Sie lassen sich stilistisch nicht einordnen, singen am liebsten Eigenkompositionen von Salsa über Reggae bis Country und Drum’n’Bass mit gehaltvoll-skurrilen Texten, glasklaren Stimmen und charmant-originellen Auftritten. Demnächst sind sie erneut live zu erleben, Reservation wird empfohlen.
Liedern ist auch die erste CD von Bettina Klöti und Vera Kappeler gewidmet, dem Duo ‹Bergerausch›. In Archiven haben sie nach verschollenen Schweizer Volksmelodien gesucht und sind dabei auf beeindruckende, schräge Balladen, Liebes- und Tanzlieder gestossen. Diese haben sie zeitgemäss musikalisch übersetzt und präsentieren sie zusammen mit vertonten Gedichten von Adolf Wölfli auf ihrer CD ‹Erdstern›.
Konzert ‹The Glue›: Fr 9.6., 20.00, Schauspielhaus Basel, www.theglue.ch
CD-Taufe ‹Erdstern›: Mi 7.6., 20.30
Jugendtheatertreffen
7. Jugendtheaterclubtreffen ‹Spiilplätz›: Mi 14. bis So 18.6., Theater Basel, Junges Theater Basel, Vorstadt-Theater
Ausserdem: Theatertage Aarau, Festival des Schweizer Amateurtheaters: Fr 9. bis Sa 11.6., Theater Tuchlaube, Aarau, www.theatertage.ch
Grausames Spiel
db. Von einer despotischen Witwe und ihren fünf lebenshungrigen Töchtern handelt das letzte Stück des spanischen Dichters Federico Garcia Lorca, ‹Bernarda Albas Haus›. Der Autor schrieb es 1936 kurz vor seiner Ermordung, und es ist bis heute eine ergreifende Tragödie, die den Umgang mit Herrschaft und den Konflikt zwischen Norm und Individualität thematisiert. Die Arlesheimer Regisseurin Ursula Hallepape bringt das ‹Frauenstück› mit neun Mitwirkenden in einer Halle des Walzwerks zur Aufführung. Dabei kommen Schauspiel, Tanz und Bewegung zum Einsatz und es werden Bezüge zur Gegenwart hergestellt. Mit ihrem ‹theater on› hat Hallepape bereits sechs erfolgreiche Produktionen realisiert und möchte die neue Spielstätte peu à peu in einen Begegnungsort für darstellende Künste verwandeln. Ab September etwa steht Shakespeares ‹Sommernachtstraum› auf dem Programm.
‹Theater on› spielt ‹Bernarda Albas Haus›:
Fr 9.6., 20.00 (Premiere) bis So 25.6., Walzwerk, Münchenstein. Karten: T 079 521 53 40, Infos: www.theateron.ch
Musik an ungewohnten Orten
db. Seit rund 30 Jahren sind jeweils im Juni sowie nach den Sommerferien bis Ende September die ‹Altstadt-Serenaden› zu vernehmen. Die rund einstündigen Konzerte mit vorwiegend ‹klassischer› Musik finden in verschiedenen Räumen links und rechts des Rheins statt, sind gratis und meist gut besucht. Es spielen Mitglieder des Sinfonieorchesters, Ensembles der Musikhochschule und freischaffende MusikerInnen jeden Alters. Das Angebot wird von der Stiftung Basler Orchester-Gesellschaft koordiniert und finanziert. Diese richtet auch einen ‹Förderpreis für junge MusikerInnen aus›; und schon oft sind ihre PreisträgerInnen später international bekannt geworden, u.a. Sol Gabetta (½ nebenan). – Auch Konzerte in Kunsträumen sind beliebt. Die Reihe ‹les muséiques› steht zum fünften und letzten Mal unter der künstlerischen Leitung von Gidon Kremer. Während elf Tagen sind hochkarätige MusikerInnen in 16 Museen zu hören; Schwerpunkte bilden Konzerte von Mozart, Robert Schumann und Sofia Gubaidulina.
Altstadt-Serenaden: ab Mi 7., 14., 21. und 28.6. sowie ab 16.8. bis 27.9.
Festival ‹les muséiques›: Do 1. bis So 11.6., www.lesmuseiques.ch, 30 bis 120 Franken
Mozarts Mysterium
db. Mozart überall, auch in Dornach. Nach der vergnüglichen ‹Entführung aus dem Serail› des Neuen Theaters am Bahnhof spielt nun die Goetheanum-Bühne ‹Die Zauberflöte›. Der Literaturexperte Peter von Matt hat sie als eines der «grossen Rätselwerke unserer Kultur» bezeichnet, und auch Goethe war davon so begeistert, dass er die Oper während seiner langjährigen Intendanz am Hoftheater in Weimar insgesamt 82-mal aufführen liess. Das Doppelbödige dieses Werks faszinierte und beflügelte ihn gar zu einer eigenen Fassung bzw. Fortsetzung, die bis auf den ersten Akt freilich Fragment blieb. Mozarts Singspiel ist bis heute umstritten, manche halten es für überschätzt. Am Goetheanum wird das märchenhafte Stück als heiter-ernstes Mysterienspiel präsentiert, das einen Einweihungsweg beschreibt; das Gelände und die Architektur des Gebäudes werden in die Aufführung einbezogen. Regie führt Johannes Peyer, die ‹basel sinfonietta› spielt unter Christof Escher.
‹Die Zauberflöte›: So 4.6., 19.00 (Premiere) bis So 18.6., Goetheanum, Dornach, T 061 706 44 44. Infos: www.zauberfloete.goetheanum.org
Ausserdem: 24. Internationales Theaterfestival Freiburg zum Thema ‹Glauben›: Fr 16. bis So 25.6., diverse Orte, Freiburg (D)
Ost-West-Begegnungen
db. Asien boomt, auch in der Kultur. So stehen etwa die 19. Tanztage Bern ganz im Zeichen von Fernost. Fünf Compagnien mit ChoreografInnen und TänzerInnen aus China, Japan, Korea, Taiwan, Thailand und dem Westen zeigen Produktionen, in denen sich östliche und westliche Denk- und Arbeitsweisen, aber auch Tradition und Moderne begegnen, auseinander setzen, verbinden. Die Konfrontationen wollen zu neuen Ausdrucksformen anregen. Im Vorfeld wurden asiatische Filme gezeigt; das Festival selbst wird mit der Verleihung des Schweizer Tanz- und Choreografie-Preises 2006 eröffnet. Ergänzend gibt es ein Kinder-Tanzstück, asiatische Küche und eine Lounge-Bar mit Überraschungsauftritten. Erstmals wird eine Tanzjournalistin sofort nach den Aufführungen eine Kurzkritik verfassen. Auf der Website sind neu kurze Videoausschnitte zu finden, die Zusatzinfos liefern.
19. Berner Tanztage: Mi 7. bis Sa 17.6., Infos: www.tanztage.ch
Bunte Kulturfeste
db. Mit Musik und Tanz aus verschiedenen Weltregionen, Kinderprogramm, einem bunten Markt mit Verkaufs- und Infoständen, Fussballspiel-Übertragungen, Folklore und vielfältiger Gastronomie wird Ende Juni die neu gestaltete Claramatte eingeweiht. Der Verein Claramatte hat gemeinsam mit dem spanisch-galizischen Verein Sementeira, den Robispielaktionen und der Christoph Merian Stiftung ein reichhaltiges Festwochenende für die Quartierbevölkerung (und alle andern auch!) organisiert. – Einen attraktiven Mix bietet auch die dritte Ausgabe der ‹Kulturtage Schwarzbubenland›. WM-Spiele auf Grossleinwand, Blasmusik und Podiumsdiskussionen wechseln sich ab mit Jugendtheater, Film, Oper, Literatur und Kunst. Kernstück des Grossanlasses ist eine Kunstausstellung, an der sich rund 50, teils namhafte Kunstschaffende der Region beteiligen. Mit ihrer Initiative möchten die beiden Künstler Daniel Gemperle und Thomas Woodtli das Kulturleben vor Ort einem breiten Publikum näher bringen.
Claramatte-Fest: Fr 23.6., 17.00 (Eröffnung mit Apero) bis So 25.6., 19.00
Kulturtage Schwarzbubenland: Fr 9. bis So 25.6., www.kulturtage06.ch
Arabische Literatur
db. 1999 ist Hassan Hammad aus Ägypten, wo er arabische Literatur studierte und unterrichtete, in die Schweiz gekommen. Um seine reiche Kultur hier bekannter zu machen, gründete er fünf Jahre später in Basel seinen eigenen Verlag Lisan für moderne arabische Literatur in deutscher Sprache. Bisher sind fünf Bücher erschienen, die vom Leben in anderen Welten erzählen, darunter humorvolle Erzählungen von Suleman Taufiq über das allmähliche Erwachen heimischer Gefühle in der Fremde, sowie eine Anthologie mit Beiträgen von 20 jungen Lyrikerinnen aus dem arabischen Raum. Zudem hat der Verleger eine Zeitschrift ins Leben gerufen, die das literarische Schaffen im arabischen Sprachraum erkundet. Die erste Ausgabe des halbjährlich geplanten Magazins ist zwei wichtigen ägyptischen Gegenwartsautoren gewidmet und stellt kürzere Texte weiterer DichterInnen vor. Die Bücher sind u.a. in der Buchhandlung Das Narrenschiff erhältlich.
Lyrik von Frauen: ‹Dinge, die andere nicht sehen›, Lisan Verlag, Basel, 2006. 112 S., kt., CHF 21. www.lisan.ch
Visuelle Leckerbissen
db. Hochkarätige Fotografie einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ist das Anliegen von ‹Soirée Shot›, einer Initiative des renommierten Basler Grafikateliers Müller/ Hess. Bei der Gestaltung von Büchern und Zeitschriften haben sie ein dichtes internationales Kontaktnetz mit FotografInnen geknüpft. Seit 2004 bieten sie mit Auktionen und neu auch im ‹Soirée Shot Shop› eine Fülle von zeitgenössischen und historischen Bildern zum Kauf an, darunter Aufnahmen, die aus Platzgründen nie publiziert wurden oder gezeigt werden konnten, Einzelfotos, Serien, Abbildungen aus Fotobüchern und Zeitschriften, Lieblingsstücke von KuratorInnen und Schätze aus dem Fundus von Keystone, dem grössten Schweizer Bildarchiv. Die dritte Auktion wird die Basler Voltahalle beleben.
Auktion ‹Soirée Shot›: Do 15.6., Vorbesichtigung 10.00, Türöffnung und Apéro 18.30, Auktionsbeginn 20.00, www.soiree-shot.com
db. Verschiedene Lehrgänge der Schule für Gestaltung neigen sich dem Ende zu, und die Studierenden zeigen ihre Abschlusswerke. So etwa die Fachklasse für Gestaltung, wo 28 angehende Berufsleute ihre dreijährige Ausbildung mit einer Projektarbeit zum Thema ‹Behausung/behausen› beenden. Gestaltet wurden u.a. Videospots zu Architekturthemen, Webseiten zu Einrichtungsthemen, Möbel und Reiseutensilien sowie Plakate und Bücher zu Wohnthemen. Den zweijährigen Bildungsgang Textildesign beschliessen elf Diplomandinnen mit Arbeiten zu frei gewählten Themen, die sie in verbindliche Entwurfsserien oder Prototypen für textile Produkte umzusetzen hatten. Das Diplomprojekt der zweijährigen Weiterbildung Typografische/r GestalterIn umfasst eine Dokumentation und drei Aufgaben zu einem vorgegebenen Thema.
Diplomarbeiten, Vernissagen und Ausstellungen: ab Do 22.6., diverse Orte (½ Agenda). Infos: T 061 695 67 70, www.sfgbasel.ch
Kunstraum Vrits
db. Einen neuen, kuratierten Ausstellungsraum für junge Kunst haben Kilian Rüthemann und Emil Klein geplant, die schon bei den Kunsträumen ‹Schalter› und ‹Filiale› mitgewirkt haben. Unter dem Label Vrits richten sie in einem Designladen ein Kabinett für Ausstellungen ein; parallel können die Ausstellenden im Ladenraum ihre Multiples, Editionen und kleinere Einzelstücke zum Kauf anbieten. Zusätzlich sollen die Räume literarisch-musikalisch bespielt werden.
‹Vrits›: Fr 9.6., 19.00 (Vernissage) bis Sa 24.6., Feldbergstr. 10, T 061 691 23 33. Do 14.00—21.00, Fr 14.00—19.00, Sa 11.00—17.00. Infos: www.vrits.net
Milch, Lait, Latte, Latg
cw. Singen verbindet – unabhängig von Herkunft und Sprache. Volkslieder sind ein Mittel, um sich in neuen Gemeinschaften einzuleben und aktiv zu beteiligen. Dies wird im Rahmen eines ‹swixx›-Projektbeitrags auf den Punkt gebracht: Die Künstlergruppe Com& Com (Johannes M. Hedinger und Marcus Gossolt) erarbeitete in Zusammenarbeit mit Marius Tschirky (Komposition) ein neues Kindervolkslied in fünf Sprachen (die vier Landessprachen plus Englisch). Die Strophen können problemlos auch mit anderen Sprachen ergänzt werden. An die hundert Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus allen Regionen der Schweiz haben das Lied für die CD ‹d’Schwiz la Suisse la Svizzera la Svizra› gesungen. Stilistisch bewegt sich das Lied zwischen Tradition und heutigem Musikgeschmack von Kids. Auf der CD gibts sogar einen Remix von den Rappern MasterMind und The Dawn. Textlich ist der lustige Song von eher bescheidener Qualität.
Weitere Informationen: www.dschwiz.ch
Terra Cognita
db. Zweimal jährlich erscheint die Schweizer Zeitschrift zu Integration und Migration, ‹terra cognita›, herausgegeben von der Eidge–nössischen Ausländerkommission. Ihre Themenhefte beleuchteten bisher u.a. Bildung, Arbeit, Einbürgerung, Wohnen und Gewalt; die aktuelle Nummer ist den MigrantInnen in der Kunst- und Kulturszene gewidmet. Unter dem Titel ‹Créations suisses› wird mehrsprachig Einblick in ihr vielfältiges Kulturschaffen vermittelt, wobei der Musik und der Literatur breiter Raum gewährt wird, u.a. mit literarischen Kostproben. Beschrieben werden auch die Rolle von Kulturvereinen, das Denken in Schubladen, der Nutzen des kulturellen Austauschs und die Kulturarbeit in benachteiligten Quartieren. Stimmige Fotos des Marokko-Berners Driss Manchoube sorgen für Auflockerung, und die abschliessende Infothek stellt ausgewählte Bücher und Medien zum Schwerpunktthema sowie Neuerscheinungen zu Integration und Migration vor. Die beigelegte CD ‹Mischpult Schweiz› bringt ‹Sounds from Home› zu Gehör.
‹terra cognita›, Nr. 8, April 2006, 116 S., br., gratis, www.terra-cognita.ch
Lesezirkel zu ‹Fremdheit›
db. Zu sommerlicher Lektüre ist verpflichtet, wer im Herbst eine mehrteilige Veranstaltung im Literaturhaus Basel besuchen möchte. Dort wird sich nämlich an vier Abenden ein Lesezirkel zum Komplex ‹Fremde und Fremdheit› treffen. Die Teilnehmenden tauschen ihre Leseerlebnisse aus und diskutieren darüber, wie die Bücher das Thema sprachlich und formal bewältigen. Auf dem Programm steht neue Literatur, die spannende Auseinandersetzungen verspricht: Terézia Moras ‹Alle Tage›, Aglaja Veteranyis ‹Vom gesäumten Meer, den gemieteten Socken und Frau Butter›, Ilija Trojanows ‹Der Weltensammler› und Michel Mettlers ‹Die Spange›. Die Anmeldung sollte bis 10.6. erfolgen, es sind maximal 20 Leute zugelassen.
Lesezirkel ‹Fremdheit›: Mo 18.9., 16.10., 13.11. und 11.12., Literaturhaus Basel, T 061 261 29 50, www.literaturhaus-basel.ch
Kultur des Südens
cw. Die Musikerin Ling-Ling Yu begann mit neun Jahren Pipa, Geige und Erhu zu spielen. Seit mehreren Jahren lebt die gebürtige Chinesin in der Schweiz und verzaubert das Publikum mit Interpretationen traditioneller chinesischer Werke. Weitere Informationen zu Ling-Ling Yu und vielen anderen KünstlerInnen findet man auf der Internetplattform ‹coordinarte.ch› von ‹Kultur und Entwicklung›. Diese dient als Dokumentationsstelle für Kunst und Kultur aus Afrika, Asien und Lateinamerika in der Schweiz. Eine übersichtliche Agenda präsentiert Auftritte von KünstlerInnen aller Sparten. Ferner werden Kontakte zu Veranstaltenden und Agenturen sowie Tipps bezüglich Förderstellen vermittelt. Zusätzlich ist auf ‹worldwidemusic.ch› eine Spezialagenda für Konzertdaten zu finden. ‹Kultur und Entwicklung› ist die Kulturstelle diverser Hilfswerke und wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und Pro Helvetia mitfinanziert. Ihr Ziel ist die Integration der Kunstschaffenden in die Kulturlandschaft Schweiz, die Förderung des interkulturellen Dialogs und des Respekts für andere kulturelle Werte.
Südkulturnetz: www.coordinarte.ch oder www.worldwidemusic.ch (nur Konzertdaten)
Freiburgs Asian Club
db. Im Kommunalen Kino in Freiburg i.Br. wurden indische Filmreihen jeweils mit Parties abgerundet, die von Neriman Bayram organisiert wurden und sehr beliebt waren. Nun wird daraus ein regelmässig stattfindender multimedialer ‹Cultural Crossover›, der nicht nur grossstädtische Trends nach Freiburg holen, sondern Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenführen will. Unter dem Titel ‹Asian Club› werden Sounds und Beats der urbanen MigrantInnen präsentiert, welche die Musik ihrer Herkunftsländer (Indien, Türkei, arabische Länder) mit westlicher Clubmusik kombinieren und zu neuen, tanzbaren Klängen jenseits des Mainstreams mischen. Bollywood-Music-Clips und künstlerische Video-Arbeiten erweitern das Programm visuell.
Asian Club: ab Sa 17.6., 22.00, E-Werk, Eschholzstr. 77, Freiburg (D)
Sounds from Home
db. Das Thema ‹Secondos und Secondas in der Schweiz› interessiere sie «nicht die Bohne», betont Mhina Namusoke, Tochter von eingewanderten Eltern aus Tansania. Dass sie ihren eigenen Weg geht, hat sie mit einer ersten, erfrischend vielseitigen CD bewiesen. Eine Kostprobe daraus ist nun, neben 19 weiteren Stücken von mehr oder weniger bekannten Musikschaffenden der Schweiz, die allesamt in anderen Kulturen wurzeln, auf einer neuen CD zu hören. Auch ohne Schweizer Pass bereichern diese Talente die hiesige Musikszene mit einer bunten, selbstbewussten Mischung von Melodien, Stilen, Sprachen und Instrumenten. Liebe und Politik, Heimat und Rassismus, Gewalt und Poesie sind die Themen der Lieder, die z.T. erstmals veröffentlicht werden. Die CD ist im Rahmen des ‹swixx›-Projekts unter Mitwirkung von Thomas Burkhalter, Raphael Zehnder und Eric Facon entstanden (und liegt u.a. der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ‹terra cognita› bei). Sie zeigt, wie international das Schweizer Musikleben ist – und macht Lust auf mehr!
‹Sounds from Home — La Suisse Internationale›, mit Gustavo, Chakal, Melinda Nadj Abonji, Kamilya Jubran, Makale, Tempo Al Tempo, Secondo etc., Faze Records (Infos: www.faze.ch), Musikvertrieb
Jugend gegen Rassismus
db. Unter dem Motto ‹Keine Begegnung ohne Bewegung› veranstalten rund 40 Basler Jugendliche bereits zum fünften Mal in Folge das Festival ‹imagine› gegen Rassismus, Vorurteile und Gewalt. Die Idee dazu entstand aus einer Jugendkampagne der entwicklungspolitischen Organisation ‹terre des hommes schweiz›, die den Grossanlass logistisch und finanziell mitträgt. Das Festival möchte vor allem 12- bis 20-Jährigen Mut machen, Rassismus zu erkennen und wirksam zu bekämpfen. Schon im Vorfeld gab es dazu diverse Veranstaltungen in Schulen, die konkrete Lösungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume aufzeigten; ein nationaler Wettbewerb eruierte den besten Antirassismus-Song. Im Zentrum des Festivals steht ein reichhaltiges Konzert- und Showprogramm mit mehr als dreissig Bands aus dem In- und Ausland, flankiert von Kleinkunst und internationaler Küche. Mit über 35000 BesucherInnen ist ‹imagine› das grösste Festival der Nordwestschweiz. Zudem sind Ableger in Brasilien und Kolumbien entstanden bzw. geplant, die den Kulturaustausch fördern und Rassismus als globales Problem angehen.
Festival ‹imagine›: Fr 2.6., 18.00—24.00 und Sa 3.6., 14.00—24.00, Barfi. Infos zum Programm: www.imaginefestival.ch. Weitere Informationen: www.terredeshommes.ch
Computerspiel Xenophilia
db. Vor einem Jahr hat die Bieler Stiftung Swiss Academy for Development (SAD) ein pfiffiges Computerquiz zum Thema ‹fremd sein› herausgebracht. Es fordert Jugendliche von 13 bis 17 auf unterhaltsame Weise auf, sich mit Integration und Migration auseinander zu setzen. Vorurteile und Ängste sollen abgebaut, eigene Denk- und Verhaltensmuster hinterfragt werden. Dies geschieht anhand von konkreten und lebensnahen Situationen. Im ersten Spielblock geht es um das Fremdsein in der Schweiz, im zweiten um Begegnungen mit dem Fremden im Ausland, und in einem dritten Teil können die Teilnehmenden ihre Kenntnisse testen. Das interkulturelle Lehrspiel wurde speziell für den Einsatz in Schulen, Jugendzentren oder Bibliotheken entwickelt, eignet sich aber für ein breites Publikum. Es vermittelt nützliches Hintergrundwissen für den konstruktiven Umgang mit kulturellen Unterschieden. Das Quiz ist samt Broschüre bei der SAD erhältlich.
Xenophilia: SAD, Biel, T 032 344 30 58, www.sad.ch/xenophilia




