Theater- und Tanzförderung im Wandel | Editorial
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Das bestehende ‹Modell zur Förderung von Theater und Tanz in der Region Basel› stammt aus den Neunzigerjahren und hat zweifellos dazu beigetragen, dass sich die freie Szene vielfältig entwickeln und präsentieren konnte. Doch wird es heute von vielen – auch den Förderstellen – als unbefriedigend und nicht mehr zeitgemäss empfunden. Denn etliche Rahmenbedingungen haben sich verändert; der Markt, die Ansprüche, die Infrastrukturen. Es wurden zwar immer wieder Anpassungen vorgenommen, aber nun steht eine Neuorientierung an. Das alte Flickwerk wird von neuen Bestimmungen abgelöst, die bis Ende 2006 von den kantonalen Fachgremien erarbeitet wurden und derzeit mit ExponentInnen der Szene diskutiert werden. Sowohl die bisherige Praxis wie die Vorschläge für ein neues Fördermodell sind in der aktuellen Ausgabe der Info-Gazette der Baselbieter Kulturabteilung (sowie im Internet) nachzulesen. Sie sind u.a. mit pointierten, praxisnahen Forderungen von Christoph Meury, dem Leiter des Theaters Roxy, ergänzt.
An den bisher formulierten Zielen der Förderung wird nicht gerüttelt; Qualität und Innovation in Form und Inhalt sowie Transparenz in der Arbeitsweise gelten weiterhin, doch kommen neue Anforderungen und Gesichtspunkte hinzu. Allerdings werden der Förderung kaum mehr Mittel zur Verfügung stehen. Und so ist vom neuen Modell Folgendes zu erwarten: stärkere Unterstützung des Nachwuchses und von mittelgrossen Projekten, mehr Ko-Finanzierung an Vorhaben und Gruppen, die sich mit Veranstaltenden ausserhalb der Region vernetzen, mehr subsidiäre statt produktionssichernde Beiträge, Geld für externe Gastspiele und Wiederaufnahmen, ferner allenfalls subsidiäre Erfolgs- und Qualitätsprämien.
Die Stossrichtung ist klar: Das neue Modell verlangt von den Kulturschaffenden und -veranstaltenden mehr Beweglichkeit, ‹Geschäftssinn›, nachhaltige Konzepte und Kooperationen, ohne Aufgabe der künstlerischen Qualität und Kontinuität. Der Rückfall ins Gieskannenprinzip (jeder kriegt ein bisschen) soll mit klaren Akzenten und Richtlinien verhindert werden. Die beiden Kulturressorts und der Fachausschuss BS/BL wollen künftig eher in der Basis- und Vermittlungsförderung tätig sein. Die Aufgabe der prioritären Förderung von Gruppen oder Projekten sollen vermehrt die subventionierten Häuser übernehmen, deren Eigenständigkeit und Initiative z.B. mit Leistungsaufträgen und durch finanzielle Umverteilungen geregelt werden. Wie und ob es mit den bisherigen ‹Plattformen› für Theater und Tanz weitergeht, ist noch offen. Die guten Erfahrungen damit werden ausgewertet und die Praxis in geeignetem Rahmen weitergeführt.
Bis im Frühling 2007 sollten die Vorabklärungen für das neue Modell abgeschlossen sein, und im August könnten die Bestimmungen per 1.1.2008 in Kraft treten. Es sei noch längst nicht alles spruchreif, schreibt Niggi Ullrich, der Leiter von ‹kulturelles.bl› in seinen Mitteilungen.
Wer sich jetzt als Theater- oder Tanzmensch nicht für diese Weichenstellung interessiert, die hoffentlich auch der Kaserne neuen Aufwind bringt, ist selber schuld.


| Dagmar Brunner


 

Quelle: Info-Gazette der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft, ‹kulturelles.bl›, Nr. 3/06. Mehr Infos: www.kulturelles.bl.ch

 

 

(Heft Februar 2007)