Die Basler ‹formation poe.son› erzählt das Psychogramm einer Tropennnacht.
Der Satz «Theater ist mein Lieblingsfilm» fällt mehrmals während dem Gespräch mit der Regisseurin Sarah Maria Bürgin. Vor zehn Jahren hat sie während ihres Regie-Studiums in Hamburg das freie Ensemble ‹formation poe:son› gegründet; der Name vereint Poesie und Gift (poison). Theater in der Nähe zum Film zu machen, bedeutet für sie und ihre MitstreiterInnen zweierlei: einerseits eine realistische Darstellungsweise, andererseits grosse, direkte Emotionalität. «Ich will himmeltraurige Geschichten erzählen», bekennt sie und: «Ich will heulen im Theater.»
Ihre Arbeiten sind «dunkle Balladen», in denen «die Figuren nach aussen gekehrt werden». Intimität ist ihr wichtig; ihr Theater-Film lebt von Nahaufnahmen, und die Filmmusik darf triefen. Das meint nicht Kitsch und schon gar nicht die Pseudo-Intimität von Kallwass und Co. Ihr Theater will berühren. Damit stellt sich ‹poe:son› quer zum aktuellen deutschsprachigen Theater mit seinem Hang zum Zynismus und seiner Angst vor ungebrochenen Gefühlen. Wichtig ist Bürgin auch die Sprache: «Sprache ist wie Musik. Theater machen ist gemeinsam musizieren.» Am schönsten hat die Gruppe ihr Ideal bislang in ‹smoke fish› (2005) realisiert, einem stimmungsvollen poetischen Kammerspiel um eine Liebesbeziehung, die sich in Andeutungen und im gemeinsamen Schweigen erfüllt.
‹Poe:son› ist ein Ensemble von sehr unterschiedlichen KünstlerInnen. Die Schauspielerin Patricia Nocon spielte schon 1998 in Bürgins erster Theaterarbeit in einem kleinen Kino in der Nähe der Reeperbahn. Der Designer und Bühnenbildner Jens Burde kam 2002 dazu, für ‹Mörderballade›, eine Verschränkung von Büchners ‹Woyzeck› und den ‹murder ballads› von Nick Cave. Nach Bürgins Rückkehr in die Schweiz stiessen der Fotograf Nicholas Winter, der Komponist Markus Inderbitzin, der Schauspieler Kenneth Huber und die Autorin Stefanie Grob zur Gruppe. ‹Franzina› nach Ingeborg Bachmann war 2004 ihre erste gemeinsame Arbeit. Ihr neues Stück heisst ‹bullet rain› und ist eine freie Adaption von Sandor Marais Roman ‹Die Glut›. Erzählt wird das «Psychogramm einer Nacht in den Tropen», es spielen Nocon, Huber und Kurt Grünenfelder. | Alfred Ziltener
‹Bullet rain›: Mi 15. bis So 19.10., 20.00, Theater Roxy, Birsfelden
Ausserdem im Roxy-Foyer: Ausstellung mit Fotografien von Nicholas Winter: Do 16.10., 17.00 (Vernissage) bis So 21.12.
(Heft Oktober 2008)




