Schmuckstücke von Beatrice Chiquet sind mehr als nur dekorativ. Sie sind Objekte, die den Übergang zur Skulptur fliessend machen. Man kann sie tragen, aber sie wirken auch für sich. Einmal abgelegt, werden sie zu Kleinobjekten. Sie in die Schmuckschatulle zu verbannen, würde das, was sie sein können, halbieren.
So ist es nur folgerichtig, dass auch Beatrice Chiquet den entscheidenden Schritt weiter gegangen ist – hin zur Skulptur, zur eigenständigen, nun nicht mehr tragbaren. Dabei ist die Künstlerin ihrem erlernten Beruf als Goldschmiedin treu geblieben, das lässt sich an der Bearbeitung des Materials erkennen. Handwerk und künstlerischer Ausdruck haben hier sichtbar zusammengefunden. Nun tragen die Werke auch Titel, schalkhafte mitunter wie ‹Rapunzel lass dein Haar herunter›, ‹Voyeur› oder gar ‹Das lustige Weib mit ihrem Liebhaber›. Sinnlich sind ihre Werke, nicht selten verspielt, aber auch den Schmerz nicht verschweigend wie in den ‹Hommages à Frida Kahlo›.
Ein spannungsreiches Unterscheidungsmerkmal zwischen Objekten und Skulpturen findet sich im Entstehungsprozess. Entwickelt sich bei den Objekten die Idee nicht selten aus den ‹aufgestöberten› Materialien, die das Endprodukt als objet trouvé erscheinen lassen, so steht bei den Skultpuren die Idee am Anfang und gelangt erst auf dem Weg über Skizze und Modell zur endgültigen Gestalt.
Ein bevorzugtes Thema ist das der Paare in den unterschiedlichsten Konstellationen und Beziehungen. Die menschliche Gestalt kehrt immer wieder, wobei, wie es im Katalog heisst, «immer vom Körper her gedacht (...) wird (...), nicht als in sich ruhende Kraft, sondern in seiner vitalsten Bewegung». «Bewegung, die von der Seele kommt», nennt es die Künstlerin.
Ab Anfang November stellt die Galeristin Margrit Gass, Art projects, eine Auswahl von Beatrice Chiquets Werken im Ostquai aus. Dazu erscheint ein von der Grafikerin Petra Rappo gestalteter Katalog, mit einem Text der Kunsthistorikerin Hortensia von Roda. | Christopher Zimmer
Beatrice Chiquet, ‹Objekte und Skulpturen›: Fr 3.11., 18.00 (Vernissage) bis So 19.11., täglich 11.00—17.00, Mi/Do bis 20.00, Ostquai, Hafenstrasse 25, Lageplan: www.ostquai.ch
Minestrone, Kürbissuppe und würzige Poesie, gesprochen von Josefine Krumm: Mi 15.11., 19.00, Ostquai
(November 2006)




