DAGMAR BRUNNER
Andreas und Tobias Voegelin zeigen und dokumentieren ein gemeinsames Fotoprojekt.
Es begann als familiäres Vorhaben, doch zwei Jahre später ist es weit über diesen Raum hinausgewachsen und auf bestem Weg, auch in anderen Weltgegenden Fuss zu fassen. Andreas F. Voegelin (Jg. 1954), langjährig als Fotograf im Antikenmuseum tätig, und sein Sohn Tobias (Jg. 1987), Beleuchter am Theater Basel und Fotograf, wollten schon länger etwas Gemeinsames anpacken, und eines Tages hatten sie die passende Idee: Sie baten zwei Menschen, sich je zweimal fotografieren zu lassen, einmal für ein Schwarzweiss-Porträt im Studio, das sie dann mitauswählen durften, und einmal für ein farbiges Foto am Lieblingsort der Personen, das als freie Arbeit des Fotografen entstand. Das ‹Selbstbild› wurde von Andreas, das ‹Fremdbild› von Tobias gemacht, und beide Bilder wurden einander gegenübergestellt. Sodann suchten die Dargestellten eine Nachfolge, die sich wiederum auf dieselbe Weise fotografieren liess. 99 Menschen wirkten mit und wurden so für die beiden Fotografen von Unbekannten zumindest zu Bekannten. Doch damit nicht genug: Einige auswärtige Kollegen wurden aufgefordert, die Idee an ihrem Lebensort aufzunehmen, sei es in Aarau, Indien oder Südkorea, und wie es scheint, geht die Fotostafette bereits weiter. Worauf aber wollen die Initianten hinaus?
Vielschichtiges Erzählen. Es lässt sich auf ein Wort reduzieren: Kommunikation. Vater und Sohn Voegelin sind fasziniert von unterschiedlichsten Menschen, vom ‹Zufall› von Begegnungen, von existenziellen Fragen wie: Was wäre, wenn ich es anders gemacht hätte? Sie fanden es spannend zu erleben, wie die ihnen zumeist Unbekannten sich präsentierten und für wen sie sich als Nachfolge entschieden. Beeinflussten Beruf, Geschlecht, Herkunft oder Freundschaften die Wahl? Sie erfuhren Überraschendes und eine wunderbare Vielfalt, die man nun in einer Ausstellung und einem Bildband kennenlernen kann. Die Fotografien erzählen Geschichten über die Porträtierten hinaus, von unserer Zeit, unseren Befindlichkeiten. Und bestimmt kennt jeder Mensch, der die Ausstellung besucht oder das Buch durchblättert, eine/n der Porträtierten, mit dem ihn eine eigene Geschichte verbindet.
Die Schau im Gundeli wird mit Barbetrieb und von Veranstaltungen begleitet, u.a. einer Theaterproduktion, einem Café Philo und drei verschiedenen Konzerten.
Ausstellung: ‹Neunundneunzig unbekannte Bekannte›, Fotoprojekt von Andreas und Tobias Voegelin: Fr 18.2., 19 h (Vernissage), bis So 27.2., Hohlraum 11, Baumgartenweg 11, www.neunundneunzig.ch
Gleichnamiges Buch mit Texten von Boris Schibler und David Wohnlich, Fotos und Hg. A. und T. Voegelin, Basel 2011, ISBN 978-3-033-02789-3. 224 S., gb., Format 29,7 x 21 cm, CH 68 in der Ausstellung, danach CHF 78
(Heft Februar 2011, S. 25)




