DAGMAR BRUNNER
Editorial.
In Zürich können sie jubeln, die Kulturfreunde, dort ist die Abstimmung zur Erweiterung des Landesmuseums positiv verlaufen: 20 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds wurden für die Realisierung des Erweiterungsbaus bewilligt. Bei der Theaterabstimmung im Baselbiet ging es zwar um etwas weniger Geld, doch hat der Wille nicht gereicht, um dem Theater Basel die versprochene Entlastung und die längst fällige Anerkennung zu gewähren. Die Verschlechterung der Finanzlage diente als Killerargument, und das Theater war als vermeintlich ‹elitäre› Institution ein willkommenes Opfer. Die viel beschworene Partnerschaft der beiden Basel, die bei Uni und Spital, Fussball und Fasnacht durchaus funktioniert, hat versagt, und die fatale Meinung kursiert, dass, was nicht von der Mehrheit geschätzt wird, auch nicht unterstützt werden muss. Ein tristes Omen für einen Kanton, der einst als fortschrittlich galt und heute, jedenfalls ausserhalb der stadtnahen Gemeinden, Kleingeistigkeit zelebriert. Kulturfeindlichkeit und Misstrauen gegenüber städtischen Aufgaben und Leistungen sind aber nicht zukunftsfähig, und so wird man sich früher oder später ins Abseits manövrieren oder umbesinnen müssen. Das Theater trotzt dem entgangenen ‹Profit› mit einem Profil, das weit über den Baselbieter Horizont hinausstrahlt. Mehr zum Thema S. 14.
Nach der Baselbieter Theaterabstimmung steht im März übrigens erneut eine brisante kulturpolitische Entscheidung an, wenn sich der Ständerat abschliessend mit dem Preisbindungsgesetz befasst. Während der Nationalrat sich für eine Buchpreisbindung ohne Ausnahme für den Online- und den Versandbuchhandel ausgesprochen hat, wollte der Ständerat die Internet-Shops bisher davon ausnehmen. Würde sich diese Meinung durch- setzen, müsste das Gesetz, um das so lange gerungen wurde, bekämpft werden, weil der Buchhandel damit nicht geschützt, sondern massiv diskriminiert würde. Infos dazu unter www.swissbooks.ch
Im vorliegenden Heft finden Sie u.a. Beiträge zu dem in Basel unvergessenen Opernregisseur und Bühnenbildner Herbert Wernicke (S. 15), zum indischen Regisseur Satyajit Ray (S. 8) und zum derzeit omnipräsenten Schweizer Schauspieler Bruno Ganz (S. 10). Im Lörracher Kulturhaus Burghof stehen durch personelle Wechsel und wohl auch krankheitsbedingt Veränderungen an (S. 11). Während alte Bühnenbarden z.T. auf Abschiedstour gehen (S. 13), präsentiert die erfahrene Schauspielerin Charlotte Heinimann ihr erstes Kabarettsolo (S. 16). Nahrung fürs Hirn bieten Christian Grafs ‹Denkpausen› an (S. 17), und auf literarischer Perlensuche sind das ‹Literaturblatt Baden-Württemberg› (S. 19) und der Verein Baobab (S. 20). Im Baselbiet ist aktuelle Fotokunst (S. 21) und in Aarau eine grossangelegte Zeichen-Ausstellung zu sehen (S. 25). Das Thema Stadtentwicklung ist diesmal den Hochbauten gewidmet (S. 26/27).
(Heft März 2011, S. 3)




