Weiblicher Blick auf Alltägliches
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DAGMAR BRUNNER

 

Ein neuer Frauenstadtrundgang widmet sich dem kulinarischen Basel.
Was trug im Mittelalter die Frau eines Metzgers oder  Bäckers zum Umsatz bei? Wie beeinflusste die Industrialisierung die Esskultur? Wieso wurden in Basel Pflanzgärten eingeführt? Was ass und trank eine Hochzeitsgesellschaft der Basler Oberschicht? Wie haben sich die Tischsitten verändert? Welches sind typische Basler Rezepte?
Solche Fragen und viele weitere kommen im neuen Frauenstadtrundgang zur Sprache, den vier Forscherinnen erarbeitet haben und demnächst öffentlich vorstellen werden. Vor einem Jahr wurden sie zu dem Thema angeregt und haben sich zunächst eingelesen, dann akribisch recherchiert, die Funde wissenschaftlich aufbereitet und ein umfangreiches Dossier erstellt, die Route festgelegt, die Inhalte in Sprechtexte gesetzt und szenische Darstellungsformen erprobt. So gerüstet, werden sie von Marktfrauen und Zunftregeln, vom Bierbrauen und von Nahrungsmangel, Kochschulen und Essgewohnheiten erzählen und damit Einblick in eine Seite von Basel geben, die vielen weitgehend unbekannt sein dürfte.
Seit über 20 Jahren beleuchtet der Verein Frauenstadtrundgang mittels der Geschlechterforschung die lokale Geschichte und Gegenwart; er zählt heute 19 Aktiv-Frauen und rund 300 Mitglieder. Da seine Angebote ein breites  Publikum erreichen wollen, sind sie nicht nur historisch  genau, sondern auch lebendig und verständlich abgefasst. Über 40 Rundgänge haben bisher stattgefunden, und elf Publikationen sind erschienen. Aktuell werden neun Rundgänge angeboten, so etwa zur Uni und den Frauen, zu Sex und Sitte im historischen Basel, zu weiblichen Ikonen der Stadt, zu den Hexenverfolgungen und zum Frauenstimmrecht sowie zu Frauenspezifischem im St. Alban-Tal, in Liestal und der Ermitage in Arlesheim. Die Rundgänge sind einerseits zu fixen Terminen öffentlich, können aber auch an frei wählbaren Daten von Firmen, Organisationen und Privatleuten gebucht werden. Der neue macht jedenfalls Lust auf Mehlsuppe und Fastenwähe, Magenmorsellen,  Läckerli oder Hypokras.

 

‹Spyys und Drangg. Ein kulinarisch-historischer Rundgang durch Basel›: ab Sa 16.4., 14 h, Pfalz (hinter dem Münster), ca. 90 Min. Weitere Angebote: www.frauenstadtrundgang-basel.ch

 

Ausserdem: Eingaben für den Chancengleichheitspreis beider Basel 2011: bis Di 10.5., Infos: www.chancengleichheitspreis.ch

 

(Heft April 2011, S. 25)