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DAGMAR BRUNNER

 

Editorial. Kulturpolitik bewegt derzeit die Gemüter in BS und BL: Das Theater Basel hat zwar einen Notkredit aus dem eigenen Kanton sowie etliche Spendengelder bekommen, was die Folgen der verlorenen Abstimmung im Baselbiet für die Saison 2011/12 etwas mildert. Doch wie soll es danach weiter gehen? Seit 20 Jahren muss an diesem Haus gespart werden, auch in guten Zeiten wurde das Budget nie wieder substanziell aufgestockt. Ein nachhaltiges Finanzierungskonzept, das Planungssicherheit bietet, fehlt derzeit ebenso wie ein neuer Leistungsauftrag. Weitsichtige Politik ist gefragt. Immerhin vermochte sich der kurzsichtige, weil undemokratische und kulturfeindliche Vorschlag von Preiserhöhungen für das auswärtige Theaterpublikum nicht durchzusetzen.
Das künftige Kulturleitbild beschäftigt auch das Baselbiet. Im Auftrag des Landrats lädt die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion Interessierte nun zur Teilnahme an der ‹Tagsatzung›, einem breit angelegten BürgerInnen-forum, ein. In verschiedenen Diskussionsplattformen kann man eigene Vorschläge einbringen oder sich schon vorgängig an einer Online-Umfrage beteiligen. Dafür wird man sogar belohnt bzw. nimmt an einer Verlosung von Kulturgutscheinen teil. Vorbild für die Liestaler ‹Tagsatzung› (alter Begriff für eine gerichtliche oder politische Versammlung) war der Mitwirkungsprozess zum Programm ‹echos› der Pro Helvetia im Jahr 2008, als in Muttenz ein Symposium zum Thema Volkskultur mit viel Erkenntnisgewinn durchgeführt wurde. Denselben Effekt erhofft man sich vom Kulturleitbild-Tag, der an drei Schauplätzen stattfindet.
Die in Debatten und künstlerischen Präsentationen gewonnenen Einsichten, Thesen, Anregungen dienen als Grundlage zur Erarbeitung eines neuen Kulturleitbildes, das in ein adäquates Kulturgesetz münden soll. Dieses regelt u.a., welche Kulturinstitutionen unterstützt werden und von wem, vom Kanton oder von den Gemeinden. Letztere haben aber in der Regel keine Kulturkonzepte. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse ist die Festschreibung des Kulturbegriffs eine heikle Aufgabe. Denn Grenzziehungen (Stadt/Land, Laien/Profis, E/U) widersprechen der Kultur, gerade das Sowohl-als-auch, die Vielfalt machen sie aus. Diese Erkenntnis wäre ein wünschenswertes Resultat der ‹Tagsatzung›. Wir werden im nächsten Heft darüber berichten.
In diesem finden Sie u.a. einen Schwerpunkt zum Wildwuchs-Festival, das heuer auch viel Baselbieter Kunst präsentiert (S. 16/17). Neben lokalen  KulturaktivistInnen wie z.B. Birkenmeiers (S. 13) würdigen wir eine unvergessene nationale Kultur-Ikone: Mani Matter (S. 11). Das neue Filmfestival ‹Bildrausch› (S. 7) lädt zu Begegnungen mit besonderen Filmen ein und die Ausstellung ‹Hier & Dort› zu spannenden Einblicken in Basels Geschichte. Noch im Aufbau ist das Philosophicum (S. 21), während das Haus für elek-tronische Künste (S. 24) soeben den Betrieb aufgenommen hat.

 

‹Tagsatzung›: Sa 7.5., 9 bis 22 h, Hotel Engel, Museum.BL, Kunsthalle Palazzo,  www.tagsatzung-kultur-bl.ch

 

(Heft Mai 2011, S. 3)