ALFRED ZILTENER
Das Kammerorchester Basel zieht in den Ackermannshof.
«Das ist ein Meilenstein für uns», freut sich Hans-Georg Hofmann, der künstlerische Leiter des Kammerorchesters Basel (KOB). Im Sommer kann das Orchester erstmals in ein festes Domizil einziehen: das neue Kulturzentrum Ackermannshof in der St. Johann-Vorstadt. Hier ist nun alles unter einem Dach vereint, Verwaltung, Probenraum und Möglichkeiten für Konzerte in kleiner Besetzung. Ein grosser Vorteil ist zudem die zentrale Lage, die den direkten Kontakt zum Publikum erleichtert – etwa mit einer Gesprächsreihe, die modisch neudeutsch ‹Let’s talk about› heisst. Sechs Abende sind bisher vorgesehen, an denen Solistinnen und Musiker des Orchesters von den Proben für das nächste Konzert oder von Erlebnissen und Erfahrungen während einer Tournee berichten.
Anlässlich der Eröffnung des Ackermannshofs startet auch die Reihe ‹Nachtklang›. Alle zwei Monate lädt das KOB um 22 Uhr zu einem Kammerkonzert in Lounge-Atmosphäre ein, mit vorwiegend barocker Musik, Wein und Kerzenlicht. ‹Bach-Surprise› heisst der erste Abend mit Kerstin Kramp, Oboe, der Geigerin Yuki Kasai, dem Cellisten Christoph Dangel und dem wunderbaren Continuo-Cembalisten Sergio Ciomei. Später in der Saison werden der Lautenspieler Daniele Caminiti und Giorgio Paronuzzi am Cembalo zu hören sein.
Vielseitiges Programm. Im Ackermannshof findet auch das Education–Projekt des KOB mit SchülerInnen der OS Isaak-Iselin statt. Es steht in Zusammenhang mit der Uraufführung einer neuen Komposition von Helena Winkelman für Alphorn und Orchester, mit Balthasar Streiff als Solisten. Die Jugendlichen haben mit Streiff und dem KOB-Trompeter Simon Lilly neuartige Blasinstrumente gebaut und werden damit eine von Winkelman eigens entwickelte Education-Version ihres Stücks aufführen.
Diese Veranstaltungen ergänzen ein gewohnt attraktives, vielseitiges Programm mit sieben Abo-Abenden, einem Extrakonzert und einem Familienkonzert mit Jürg Kienberger. Im September bringt das Orchester ein bislang unbekanntes, in der Paul Sacher-Stiftung aufbewahrtes frühes Stück für Streichorchester von Mauricio Kagel zu Gehör, das – so Hofmann – noch ganz unter dem Einfluss der zweiten Wiener Schule steht; Dirigent ist der französische Senkrechtstarter Jérémie Rohrer. Später singt die phänomenale Measha Brueggergosman Songs von Charles Ives und William Bolcom. Giovanni Antonini setzt seinen viel gepriesenen Beethoven-Zyklus fort mit der Achten und dem Tripelkonzert. Mit Antonini tourt das KOB im nächsten April auch durch Südostasien, von Macao über Beijing und Shanghai ins südkoreanische Daejeon.
Erhellende und amüsante Einblicke ins Innenleben dieses engagierten Klangkörpers bietet der Dokumentarfilm ‹Bartoks Quinten› von Christine Burlet, der auch als DVD erhältlich ist.
KOB-Konzerte in Basel: Fr 2.9., 22 h (Reihe ‹Nachtklang›), Ackermannshof, und Sa 24.9., 19.30, Stadtcasino Basel (Mozart, Kagel, Brahms), www.kammerorchesterbasel.ch Film: www.bartoksquinten.ch, www.teamstratenwerth.ch
(Heft Juli/August 2011, S. 10)




