«Pack’ die Badehose ein ...»
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TILO RICHTER

 

Nach einem Traumstart in die Saison hofft man in den Basler Freibädern auf den Supersommer.
Bis zum Ende der Badesaison am 11. September kann man sich in den Gartenbädern Abkühlung verschaffen oder etwas für’s Wohlbefinden tun.

 

Eglisee – der Klassiker und Jubilar. Vor genau 100 Jahren öffnete das Gartenbad Eglisee als ‹Sommerbadanstalt mit künstlichem Becken› seine Pforten. Das Sportmuseum hat aus diesem Anlass im Eglisee eine interaktive Ausstellung zum Thema Schwimmen installiert, die auch an diese Anfänge erinnert. Bis heute ist das Eglisee – sommers als Schwimmbad und seit 1968 winters als Kunsteisbahn – geprägt von der neusachlichen Architektur aus den frühen Dreissigerjahren. Architekt Theodor Hünerwadel entwarf die Anlagen des mit 38’000 Quadratmetern Fläche damals grössten Freibades der Schweiz. Mehrere Becken stehen hier bereit, darunter eines mit 50-Meter-Bahnen und  eines mit Sprungtürmen. Die Besonderheit des Eglisee ist das separate Frauenbad – ‹s Fraueli› – mit zwei Becken. Hervorgegangen aus der Anlage von 1911, erfreut es sich grosser Beliebtheit, sorgt aber auch für Diskussionen: Den Streit zwischen verschleierten Musliminnen und barbusig Badenden nannte die Presse schon den ‹Kampf der Kulturen›. Letzte erfreuliche Neuerung: eine eigens eingerichtete  Minibibliothek mit Lesestoff für die Liegewiese.
Egliseestr. 85, Eintritt CHF 6; Jubiläumsfest: Sa 2. und So 3.7. 

 

Joggeli – das Warmwasserparadies. Das St. Jakob-Bad darf für sich in Anspruch nehmen, das bekannteste der Basler Freibäder zu sein. Die räumliche Nähe zum Fussballstadion und zu den Sporthallen des St. Jakob Parks prädestiniert es für besonders aktive Erholung, 50-Meter-Bahnen (auch für Wettkämpfe) gehören hier ebenso selbstverständlich dazu wie zahlreiche spektakuläre Rutschen und ein imposanter Sprungturm für Mutige: 3, 5 und 10 Meter Höhe sind zu meistern. Ausgedehnte Grünflächen und der alte Baumbestand des 1955 eröffneten Bades sind die angenehmen Nebenschauplätze des sommerlichen Treibens, das von Mitte Juli bis Mitte August um ein Open-Air-Kino ergänzt wird. Das Joggeli ist dank beheizter Wasserbecken übrigens auch ein Schlechtwettertipp.
St. Jakobs-Strasse, Eintritt CHF 6, Filme: www.kinoampool.ch

 

Bachgraben – das Familienbad. Im Nordwesten von Basel liegt das 1962 eröffnete, nach Plänen von Otto und Walter Senn sehr grosszügig angelegte Gartenbad Bachgraben. Die drei Becken zwischen den alten Bäumen erfüllen ganz unterschiedliche Bedürfnisse, auch hier gibt es 50 Meter am Stück für ambitionierte SportlerInnen, aber auch flache Spiel- und Planschbecken. Erwähnenswert ist die grosse Wellenrutsche. Nach der Badesaison dient das Bachgrabenbad als 15-Loch-Golfanlage, die ohne Clubmitgliedschaft bespielbar ist.
Belforterstr. 135, Eintritt CHF 6

 

Sonnenbad – klein aber fein. Nur ein paar Schritte vom Gundeli auf den Margarethenhügel braucht es, um mitten in einer grün-blauen Oase zu landen. Das Sonnenbad ist das kleinste unter den Basler Gartenbädern, überzeugt aber seit 1903 durch seine familiäre und ruhige Atmosphäre. Kleine Kinder sind hier dank Babybecken besonders gut aufgehoben; Damen und Herren können sich in Séparés zurückziehen. Das Schwimmerbecken kann und will mit zwölf mal fünf Metern Fläche gar nicht mit denen der anderen Bäder konkurrieren. Im Sonnenbad geht es nicht zuerst um Sport, sondern um dolce far niente und – nomen est omen – Sonnenbaden.
Friedhofstr. 9, Binningen, Eintritt CHF 5.50, www.sonnenbad.ch

 

Rhybadhysli – alles im Fluss. Das Kleinbasler Ufer ist die Startrampe für den Gang ins kühle Nass; treiben lassen kann man sich vom Museum Tinguely bis zur unteren Buvette an der Dreirosenbrücke. Eine lange Tradition  haben zudem die Grossbasler Rheinbadhäuser, von denen es einst drei gab: Neben den heute noch erhaltenen in der Breite (seit 1898) und im St. Johann (seit 1887) existierte bis 1961 noch eine weitere Bade- und Waschanstalt, das 1831 eröffnete ‹Pfalzbadhysli› an der Münsterfähre. Zwei Vereine retteten das Badhysli im St. Johann und das in der Breite vor dem Abriss. Das Rhybadhysli Breiti profitiert heute von der Symbiose mit dem Restaurant Veronica; ab Oktober bis ins Frühjahr kann man zusätzlich die ‹Sauna am Rhy› nutzen. Dass der Rhein die wichtigste Wasserader von Basel ist, zeigt auch das Rheinschwimmen der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft; dieses Jahr ist der Publikumsmagnet auf Mitte August angesetzt. Ein Kult-Accessoire darf dabei nicht fehlen: Tilo Ahmels’ Badesack  ‹Wickelfisch›, den es in fünf Farben gibt und der ein kleines Pendant für Wertsachen bekommen hat.
St. Alban-Rheinweg 195, Eintritt CHF 5, www.badhysli.ch
St. Johanns-Rheinweg, Eintritt CHF 5.50, www.rhybadhysli-santihans.ch
Rheinschwimmen der SLRG: Di 16.8., 18 h, Start: Schaffhauserrheinweg 93
Badesack: www.tiloahmels.ch

 

Naturbad Riehen – der künftige Favorit? Das alte Riehener Gartenbad neben der Wiese musste 2007 dem Bau der Zollfreistrasse weichen. Die Gemeinde plant den Neubau eines Naturbades nach Entwurf der Basler Architekten  Herzog & de Meuron, dessen Finanzierung (9 Millionen Franken) seit März 2011 steht. Alle Funktionsgebäude werden in Holz ausgeführt. Der Baustart folgt 2012, ab Sommer 2013 soll am Schlipf in Riehen wieder gebadet werden – diesmal chlorfrei mit ökologisch aufbereitetem Wasser. Auch hier wird der sportliche Aspekt nicht zu kurz kommen, ein 25-Meter-Becken mit vier Bahnen und eine Sprunganlage sind dann ebenso vorhanden wie Nichtschwimmer- und Kleinkinderplanschbecken. 6’000 Quadratmeter, davon mehr als ein Sechstel Wasserfläche, sollen es am Ende sein; bis zu 2’000 Badegäste pro Tag werden hier Platz finden.
Weilstrasse, Riehen, voraussichtliche Eröffnung: Sommer 2013

 

(Heft Juli/August 2011, S. 26)