Editorial
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DAGMAR BRUNNER

Heisser Herbst
Nach dem trüben Sommer scheint uns ein prächtiger Herbst beschieden zu sein, ereignisreich wird er auf jeden Fall. Wahlen stehen an, und auch im hiesigen Kulturleben bewegt sich einiges: Das Festival Culturescapes, das sich diesmal der Kultur Israels widmet, hat Boykottdrohungen und zum Teil Gastspielabsagen hinzunehmen. Boykott verhindert oder schwächt allerdings den Diskurs, der besonders in der jetzigen aufgeheizten politischen Situation wichtig wäre, und er trifft Kunstschaffende, die sich ohnehin kritisch mit ihren Verhältnissen aus- einandersetzen (S. 13).
Gleich zwei altehrwürdige Kultureinrichtungen starten mit attraktiven neuen Gewändern und Inhalten in eine neue Ära: das Museum der Kulturen (S. 24) und der Ackermannshof (S. 23). Letzterer barg u.a. die ehemalige Volksdruckerei, die rund 60 Jahre lang die Basler Arbeiterzeitung druckte, bevor diese 1992 einging. Die Frau, die dort mit Herzblut 15 Jahre lang als redaktioneller ‹Hausdrachen›, wie sie selber sagte, gewirkt hat, war Toya Maissen. Die gebürtige Bündnerin starb 1991 und mit ihr die Hoffnung auf Medienvielfalt in Basel. Nun ist auch diesbezüglich eine Verbesserung in Sicht: Ende Oktober soll die Erstausgabe der angekündigten neuen Zeitung (www.tageswoche.ch) erscheinen. Wir werden darauf zurückkommen.
Der sogenannten Migrationsliteratur ist eine neue Veranstaltungsreihe gewidmet, die wir mit Porträts der AutorInnen unterstützen (S. 19). Über ein neues Museum und aktuelle Design-Initiativen berichten wir auf S. 25. Und ein Thema, das ganz sicher demnächst breit verhandelt wird, ist der 10. Jahrestag von 9/11 (S. 20). Wie die entsetzlichen Morde in Norwegen, sind auch diese Bilder ins Gedächtnis eingebrannt. Über die Vergangenheitsbewältigung eines ehemaligen Basler Terroristen lesen Sie auf S. 21.
Apropos Wahlen: ‹Frauenrechte beider Basel› stellt die Basler Kandidatinnen für den Stände- und Nationalrat vor: So 18.9., 11 h, Mitte, S. 50.

(Heft September 2011, S. 3)