DAGMAR BRUNNER
Editorial. Endlich: Ende Oktober wird die erste Basler Tages-Woche erscheinen, für die sich das Kürzel TaWo bereits zu etablieren beginnt. Auf dieses Angebot warten in unserer Stadt viele und nicht erst seit den Besitz- und Leitungswechseln in der Basler Zeitung. Im selben Jahr 1992, als die Nordschweiz (früher Basler Volksblatt), die Basler AZ und das Dementi eingingen, wurde letztmals versucht, (wieder) eine zweite Basler Tageszeitung zu lancieren. Doch diese Neue Zeitung (NeZ) scheiterte aus finanziellen Gründen, bevor sie richtig starten konnte.
Ob es diesmal der TaWo gelingt, eine echte Alternative zur dominanten BaZ und eine kreative Konkurrenz zu weiteren bestehenden Medien (etwa Online Reports) zu schaffen, wird sich weisen. Einfach wird sie es nicht haben, trotz der geradezu idealen Startverhältnisse. Ein Medium, das täglich online und wöchentlich als Printprodukt erscheint, ist gewöhnungsbedürftig. Zwar werden News heute schon fleissig auf dem Netz gelesen, doch viele schätzen noch immer das morgendliche Rascheln von Zeitungspapier. Und entgegen düsterer Prognosen haben auch gedruckte Medien durchaus eine Zukunft (s. ‹Hauskultur› nebenan). Jedenfalls setzt sich die TaWo auf beiden Kanälen einer mächtigen Konkurrenz aus. Und kann gewinnen, wenn sie zuverlässig, glaubwürdig, schnell, originell und unabhängig ist. Auch Transparenz ist gefragt: Präzise Angaben über Auflage, Vertrieb und Finanzplanung sollten keine Tabus bleiben.
Dass die Tages-Woche nun loslegen kann, verdankt sich in erster Linie ihrer Mäzenin Beatrice Oeri, die mit Basels Pressegeschichte aufs Engste, nämlich familiär verbunden ist. Ihr Grossvater Albert Oeri (1875–1950) war langjähriger Chefredaktor der Basler Nachrichten, die 1977 mit der National-Zeitung zur Basler Zeitung zwangsvereinigt wurde. Als Journalist und liberal-konservativer Politiker (1931–49 im Nationalrat), engagierte er sich u.a. vehement gegen den Nationalsozialismus, trat für die Aufnahme von Flüchtlingen sowie für Pressefreiheit ein, was ihm damals viele Gegner und Unannehmlichkeiten bescherte. Wenn ein Quäntchen vom Mut dieses profilierten Baslers auch die TaWo begleitet, ist uns der Medienzuwachs herzlich willkommen! Lesen Sie mehr zur neuen Zeitung auf S. 18–20.
Just sechs Wochen vor dem Start der Tages-Woche haben zwei weitere Medienprodukte begonnen, um die hiesige Leserschaft und den Anzeigenmarkt zu buhlen: Der Sonntag erschien erstmals mit einer eigenen Basel-Ausgabe, die vom ehemaligen BaZ-Redaktor Christian Mensch geleitet wird. Und das gepflegt wirkende Journal de Bâle von Philipp Probst bringt zweimonatlich in Deutsch und Englisch Lesestoff mit Baselbezug und attraktiven Bildern. Diese plötzliche Medienvielfalt ist erfreulich – und hoffentlich von Dauer!
(Heft Oktober 2011, S. 3)




