ALFRED SCHLIENGER
Kommentar. Die Hoffnung, dass das neue publizistische Projekt Tages-Woche (TaWo) ein Erfolg wird, ist in breiten Kreisen der Region Basel buchstäblich mit Händen zu greifen. In Tausenden von Rückmeldungen etwa auf der Plattform von ‹Rettet Basel!› wird diese Initiative zur Herstellung echter Medienvielfalt enthusiastisch begrüsst. Es sind drei Dinge, die den Erfolg oder Misserfolg des Projekts entscheidend beeinflussen werden: das Konzept, das redaktionelle Personal, die Leserschaft und ihre Abstützung.
Das Konzept – täglich online, freitags als Wochenzeitung – überzeugt inzwischen auch skeptische Köpfe. Viele, die die BaZ noch abonniert haben, stellen fest, wie wenig sie darin wirklich lesen (Branchenjargon: ‹6minuten›). Die News im Netz, die Vertiefung im Wochenblatt könnte
also eine angenehme Entlastung und Verwesentlichung im Medienalltag bringen.
Entscheidend für die Qualität wird aber die Redaktion sein und die Relevanz ihrer gesellschaftspolitischen Recherchen und Positionsbezüge. Insider stellen fest: Die Leute, die inhaltlich am klarsten gegen den Somm-Kurs in der BaZ opponiert haben, sind – mit Ausnahme von Urs Buess – nicht zur TaWo, sondern zu anderen Medien gegangen. Bei der TaWo scheinen sich mehrheitlich jene Leute zu sammeln, die vor allem von den neuartigen technologischen Möglichkeiten fasziniert sind. Zugegeben, das neue Medienprodukt muss keine Anti-BaZ sein, um Erfolg zu haben. Aber es muss eine echte Alternative bieten, damit alle, die das wollen, auf die BaZ wirklich verzichten können. Wenn die TaWo das nicht schafft, bleibt sie ein Nischenprodukt. Und von echter Medienvielfalt kann man dann nicht reden.
Abgestimmt wird also mit den Füssen. Neue Leserschichten zu erschliessen wird auch der TaWo nur in beschränktem Umfang möglich sein. Ihr Hauptreservoir liegt bei jenen, die der BaZ bereits davongelaufen sind oder es nun tun werden. Wohl noch nie konnte in der Schweiz ein Medienprodukt mit so grosser wirtschaftlicher Unabhängigkeit lanciert werden wie jetzt die TaWo – dank einer grosszügigen Mäzenin mit einem gesellschaftlich offenen Blick. Dazu kann man Basel und die TaWo nur beglückwünschen. Gleichzeitig drängt es sich auf, die Trägerschaft dieser neuen Zeitung über die Stiftung für Medienvielfalt hinaus in breiten Gesellschaftsschichten zu verankern. Eine Zeitung, die ihren AbonnentInnen gehört, wäre in diesem Fall eine sehr realistische und gesellschaftlich relevante Option.
Der Autor ist Mitbegründer der Internet-Plattform ‹Rettet Basel›. Er vertritt seine persönliche Meinung.
(Heft Oktober 2011, S. 20)




