STEPHAN PETERSEN
Das Naturhistorische Museum lässt Skelette erzählen.
Was bleibt nach dem Tod von einem Menschen? Familienmitglieder und Freunde erinnern sich an ihn. Fotos und Dokumente geben Aufschluss über sein Aussehen, sein Leben und seinen Charakter. Und nach einigen Jahrhunderten? Sind die Erinnerungen an den Verstorbenen verloren, die Zeugnisse verblasst oder verschwunden. Ein anderer sichtbarer Beweis für die Existenz eines Menschen bleibt jedoch: sein Skelett, seine Knochen.
In einer Sonderausstellung mit dem Titel ‹Knochenarbeit – Wenn Skelette erzählen› widmet sich das Naturhistorische Museum Basel menschlichen Überresten. Ziel der Ausstellung ist es, nicht nur die hauseigene Sammlung, sondern darüber hinaus Knochen als aussagekräftige Quelle vorzustellen sowie die Arbeit von AnthropologInnen zu erläutern. Dabei ist Interessantes über menschliche Skelette als Schaufenster in die Vergangenheit zu erfahren. Wie hat sich ein Mensch ernährt? In welchem Alter starb er? Welchen Beruf übte er aus? Die Knochen geben hierauf in vielen Fällen aufschlussreiche Antworten. So lassen sich nicht nur Rückschlüsse auf historische gesellschaftliche Verhältnisse, sondern auch auf Einzelschicksale ziehen.
Spurensuche. Ein Beispiel für eine solche Rekonstruktion ist das berühmteste Skelett der museumseigenen Sammlung. Die Rede ist von Theo, dem Pfeifenraucher, der ebenfalls in der Sonderausstellung vertreten ist. Anhand seines Skeletts sowie zweier weiterer wird erläutert, wie sich AnthropologInnen ihr Wissen aneignen. In einem Teil des Ausstellungsbereichs können Besuchende selbst zu Forschenden werden. Deformierte Knochen veranschaulichen, an welchen Gebrechen die jeweiligen Menschen gelitten haben. Wer nicht selbst aktiv sein möchte, setzt sich die Kopfhörer auf und erfährt Erhellendes über die Krankengeschichten von Menschen, deren Knochen sich in einer vier Meter hohen, transparenten Installation befinden.
Neben der Wissensvermittlung hat das Erlebnis einen grossen Stellenwert. So können die Gäste einer fiktiven Geschichte lauschen, die auf Erkenntnissen zu fünf ausgewählten Skeletten basiert. Einen Moment der Ruhe bietet der letzte Raum der Ausstellung. Hier hängen Fotos von Menschen, die einen Tag ihres Lebens porträtiert haben. Hinter jeder Serie steckt eine Persönlichkeit. Was bleibt also? Vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass solche Fotos dank digitaler Speichermedien zumindest theoretisch auch nach Jahrhunderten noch da sind – wie die Knochen.
Sonderausstellung ‹Knochenarbeit. Wenn Skelette erzählen›: bis So 29.4.12, Naturhistorisches Museum Basel → S. 49
(Heft November 2011, S. 25)




