Künstlerischer Schlusspunkt
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DAGMAR BRUNNER

 

Der ‹Kulturpunkt› präsentiert seine letzte Ausstellung.
Vor sechs Jahren startete in einer ehemaligen Industriehalle auf dem Walzwerk-Areal in Münchenstein eine vielversprechende Initiative. Der 2002 gegründete Verein Culturanova lancierte den ‹Kulturpunkt›, einen öffentlichen Kunst- und Begegnungsraum für Menschen mit und ohne Behinderung. Nach dem Vorbild der belgischen Atéliers Créahm entstand ein Ausstellungs- und Atelierraum, der vielfältig genutzt wurde. Hier konnte mit Unterstützung professioneller Kunstschaffender gemalt und modelliert werden, es fanden Ausstellungen, Konzerte, Tanzkurse, Filmabende und Gespräche statt, und ein integratives Theaterprojekt probte und präsentierte seine Produktionen.
2007 zog man aus finanziellen Gründen von der Industriehalle in einen kleineren Pavillon auf demselben Gelände um und bot auch einen Bistrobetrieb an. Die Veranstaltungen waren meist gut besucht, von diversen Ausstellungen über die ‹Klangtage› mit namhaften Mitwirkenden bis zum multimedialen Theaterstück ‹Metropolis›, das auch an das Wildwuchs-Festival und die Theatertage Aarau eingeladen wurde. Doch längerfristig erwies sich der Standort in Münchenstein als zu abgelegen.
2010 wurde eine Halle der ehemaligen Fruchthandels AG beim Dreispitz zum neuen Domizil, freilich nur bis Ende 2011. Als Atelierraum nicht geeignet, konzentrierte sich die Arbeit hier auf Ausstellungsprojekte und die Theaterarbeit. Während der vergangenen Kunstmesse Art Basel wurde die erste Schau mit ‹Outside Art› durchgeführt, die auf unerwartetes Interesse stiess.

 

Expressive Querköpfe. Seit Beginn engagiert sich Claude Haltmeyer massgeblich für den ‹Kulturpunkt›, mit dem er um Aufmerksamkeit und Anerkennung für Kunst abseits des Etablierten kämpft. Doch seine Bemühungen um zentraler gelegene Räume für die Kunstateliers und eine Anbindung der Theaterwerkstatt an bestehende Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen (etwa nach dem Vorbild Hora oder von Berliner Beispielen), blieben erfolglos. An Sympathie für seine Integrations-, Vermittlungs- und Förderarbeit für Kunstschaffende mit einer Beeinträchtigung mangelt es dabei nicht, aber in verwandten Betrieben fehlt es schon an Mitteln für die eigenen Kreativwerkstätten, oder es bestehen andere Pläne bzw. zu wenig Interesse.
Da er auch keinen neuen, bezahlbaren Standort finden konnte, endet die sechsjährige ‹Kulturpunkt›-Arbeit mit  einer letzten (Verkaufs-)Ausstellung. Es sind Werke begabter Geschwister: Matthias Noser zeigt rund 130 seiner in der psychiatrischen Klinik Königsfelden entstandenen ‹Holzköpfe›, seine professionell künstlerisch tätige Schwester Pat Noser präsentiert Porträts geschminkter Gesichter.

 

‹Querköpfe – Porträts›: Do 1. bis So 18.12., Kulturpunkt,  Münchensteinerstr. 85, www.kulturpunkt.ch Vernissage: Do 1.12., 18 h, ab 19.30 Live-Rock von ‹Hund und Schwein› Geöffnet: Sa 3., Do 8. und Do 15.12., 16–19 h, Finissage: So 18.12., 11–16 h

 

(Heft Dezember 2011, S. 25)