Hintergründige Installationen
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ALFRED ZILTENER

 

Theatermaschinen. Die neue Ausstellung im Theater Roxy zeigt Installationen von Tobias Rosenberger. Der 1980 geborene Künstler hat in Giessen Angewandte Theaterwissenschaft studiert, und viele seine Werke haben denn auch einen stark szenischen Charakter. Das gilt besonders für ‹The An-archic Device›, eine Mischung zwischen Juke-Box und Miniatur-Kino. Diese in Mexico-City entstandene, von Antonin Artauds ‹Die Eroberung von Mexico› inspirierte anarchische Maschine besteht aus einem menschengrossen Kasten, in dessen oberem Teil ein einfacher Kinosaal nachgebaut ist. Im Hintergrund ist die Leinwand anzunehmen, vorne deuten Sessel den Saal an und beziehen so die Position des Publikums in das Kunstwerk mit ein. Ist die Maschineim Standby-Modus, ist ein Text Artauds zu hören; wird durch den Schlitz im unteren Teil Geld eingeworfen, öffnet sich der Hintergrund und ein mehrschichtiges Video- und Licht-spektakel ist zu sehen, das Motive von Antonin Artaud aufnimmt.
‹The great Defender› beruht auf Texten eines chinesischen Militärberaters aus dem 5. Jahrhundert v.Chr.: ein angedeuteter Messestand, an dem ein smarter Geschäftsmann per Video Kriegstechniken anpreist und so auf die Paralle-lität von Eroberungs- und Verteidigungsstra-tegien zwischen Staaten und zwischen Wirtschaftsunternehmen verweist.
‹Projektion 1675› bezieht sich auf den Philo-sophen Leibniz, der in eben diesem Jahr das Projekt eines umfassenden Theaters der Natur und der Künste entwirft, in dem auch alle wissenschaftlichen Erkenntnisse vorgeführt werden sollen. Es besteht aus einer Tonspur mit dem Text von Leibniz, der bequem auf zwei Sesseln angehört werden kann, und einem Guckkasten – wie sie bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts populär waren – der dieses ‹Theater› andeutungsweise umsetzt.

 

‹Theatermaschinen – Theatermodelle›: Mi 14.4. bis So 20.6., Theater Roxy, Birsfelden

(Heft April 2010, S. 19)