ALFRED SCHLIENGER
Dokumentarfilm ‹Unser Garten Eden›. Der Schrebergarten gehört wohl zu den Urbildern einer schweizerischen, kleinbürgerlichen Idylle. Ein Pflanzplätz, intensivst genutzt, tätiger Ausgleich zum Arbeitsalltag, ein Ort, wo man selbst beim Ausspannen sieht, was man gemacht hat, und dem Wachsen und Gedeihen von Blumen und Gemüse zuschauen kann.
Mano Khalil, ein gebürtiger Kurde, bebaut im Familiengartenverein Bümpliz-Bottigenmoos selber einen solchen Schrebergarten. Während zwei Jahren hat er seine MitgärtnerInnen gefilmt und ein überraschendes, so berührendes wie erheiterndes Porträt zusammengestellt. Pächter aus über 20 Nationen bevölkern diese Schrebergartensiedlung mit ihren 150 Parzellen. Und auf manchen flattern stolz die ausländischen Fahnen. Die vermeintlich urschweizerische Domäne ist heute ein multikulturell durchmischtes Biotop. Mit allen Freuden und Problemen. Hitzig geht es zu an der Generalversammlung, die Einheimischen sind klar in der Minderheit, der italienische Präsident sucht die Wogen zu glätten – und reizt damit zu neuem Widerspruch. Und immer trägt der präsidiale Coiffeurmeister, der sich gerne mit Bush und Berlusconi vergleicht, eine Krawatte, auch bei der Arbeit im Garten. Noblesse oblige. Pingeliger als jeder Schweizer wacht er über die Einhaltung der Regeln.
Einen Running Gag bildet der überaus komplizierte Bau eines gemeinsamen Grills, auf dem sowohl die Kroaten ihr Spanferkel als auch die Muslime ihr Lamm braten können, ohne dass sich das Bratgut berührt. Eingeflochten sind die Migrationsgeschichten der Porträtierten, und da wird das Vertrauen spürbar, das diese zu ihrem filmenden Nachbarn haben, dem sie auch privateste Freuden und Sorgen erzählen. Mano Khalil gelingt eine Mischung, die viel aussagt über das Suchen und manchmal auch über das Finden von neuen Wurzeln. Nur idyllisch ist das nicht. Aber im liebevollen Blick auf diese grosse kleine Welt sehr menschlich und lebendig.
‹Unser Garten Eden› läuft in einem der Kultkinos.
(Heft Mai 2010, S. 9)




