Kampf & Spass
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ALFRED ZILTENER

 

Die Cinevox Junior Company stellt neue Choreografien und junge Tanztalente vor. Gleich mit zwei Programmen kommt die Cine-vox Junior Company bei ihrem diesjährigen Gastspiel nach Basel. Die von der Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Malou Fenaroli Leclerc gegründete und geleitete Compagnie ist ein Sonderfall in der Schweizer Ballettszene. Sie nimmt begabte TänzerInnen nach der Ausbil-dung auf, fördert sie weiter und gibt ihnen bei einer jährlichen Schweiz-Tournee Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. In diesem Jahr sind es 22 junge Talente aus vier Kontinenten.
Ballettmeister ist der Basler Franz Brodmann. Das zweite Programm mit Highlights von früheren Tourneen bringt eine Wiederbegegnung mit seiner Version von zwei Klassikern der Ballettgeschichte: einen weit in den Publikumsraum ausgreifenden Ravel-‹Bolero› und eine packende Fassung von Strawinskys ‹Sacre du printemps›. Zweite ständige Choreografin ist Jacqueline Beck. Kommt Brodmann vom (neo-)klassischen Tanz her, so ist ihr Ausgangspunkt der Contemporary Dance. Auch von ihr sind zwei Reprisen zu sehen. Für das neue Programm der Truppe hat sie u.a. ‹Homeland› geschaffen, ein reines Männerstück zu südafrikanischer Musik.
Brodmann hat das Schumann-Jahr 2010 zum Anlass genommen, sich mit dessen Klavierkonzert zu beschäftigen. Der Titel seiner Choreografie ‹Out of white› verweise auf den Beginn des Stücks, erklärt er, wo aus dem Nichts ganz organisch die Musik wachse – eine Musik voller Sehnsucht, die in ihm ein Bild von Vogelschwärmen wachgerufen habe, ein Bild, das er in den Ecksätzen verarbeitet hat. Das kämpferische Männer-Pas de deux im zweiten Satz könne man mit Florestan und Eusebius in Verbindung bringen, den gegensätzlichen Freunden in Schumanns Schriften, die für die innere Zerrissenheit des Komponisten stehen.
Als Gastchoreograf arbeitet der Schweizer Félix Duméril – einige Jahre Ballettdirektor am Stadttheater Bern – erstmals mit der Cinevox Junior Company (s. auch Text oben). Sein witziges ‹Toutes directions, autres directions› erzählt vom Stress des Choreografen, der in allzu kurzer Zeit mit Tanzenden, die er nicht kennt, ein neues Werk erarbeiten soll. Schliesslich bricht der bedauernswerte Künstler zusammen und muss von der Compagnie getröstet werden. Die Musik von Emir Kusturica erhöht zusätzlich das Vergnügen an diesem Tanz-Spass.

 

Cinevox-Programm 1 ‹Spirit of Dance›: Fr 7.5., 20 h, Programm 2 ‹Favourites›: Sa 8.5., 20 h, Scala Basel

 

(Heft Mai 2010, S. 13)