CHRISTOPHER ZIMMER
Das 7. Europäische Jugendchor Festival bringt die Region zum Klingen. Wer bei Verwandten, Freunden oder Bekannten nachfragt, hört wohl des öfteren, dass sie oder ihre Kinder in einem Chor singen. Mag die Musikpädagogik auch – zurecht – ein Klagelied darüber anstimmen, dass in den Familien immer weniger gesungen wird, und damit wertvolles Entwicklungspotenzial ungenutzt verkümmert, zeigt ein Blick auf die Chorlandschaft: Trotz Internet und MP3 ist das aktive Mitsingen noch attraktiv. Auch und gerade Basel hat da allerlei zu bieten, was nicht nur durch Klang die Emotionen schürt, wie weiland die Querelen um die gendertaugliche Umbenennung eines stadtbekannten Chores gezeigt haben. Doch abgesehen von solch fasnächtlicher Sujettauglichkeit pfeifen es die Spatzen ganzjährig von den Dächern: In Basel (und Umgebung) wird fleissig gesungen.
So auch beim Europäischen Jugendchor Festival, das seit 1992 alle drei Jahre stattfindet und damit heuer zum siebten Mal die Region für fünf Tage mit einem Musik-Marathon beschallt, dessen Eckzahlen staunen machen: Bei rund 40 Veranstaltungen in Kirchen und Sälen im Raum Basel und in der Basler Innerstadt werden zehn Kinder- und Jugendchöre aus Europa, sieben aus der Schweiz und ein Gastchor aus China mit über 800 Sangesfreudigen auftreten, eine Zahl, die durch die Mitwirkung von hiesigen Gymnasialchören auf stattliche 1250 steigt.
Die Programmpalette ist bunt gemischt, mit klas-sischer Chormusik, Jazz-, Pop- und Rock-arrangements, Gospels und Volksliedern, Kostümen und Trachten, Lichteffekten und Choreografien, Rezitationen und Schattenspielen sowie Uraufführungen junger Basler Komponierender.
Dass dahinter auch ein ansehnliches Budget von rund einer Million Franken steckt, versteht sich von selbst. Doch trotz der partnerschaftlichen Finanzierung durch die beiden Basler Kantone, trotz Christoph Merian Stiftung und etlichen weiteren Sponsoren würde all das nicht möglich sein ohne sehr viel Freiwilligenarbeit, nicht zuletzt der zahlreichen Gastfamilien. Das ist nicht nur erfreulich, sondern auch ein Garant dafür, dass sich der Austausch nicht bloss zwischen Bühne und Parkett abspielt, sondern im persönlichen Kontakt von vielen mit vielen.
Europäisches Jugendchor Festival Basel: Mi 12. bis So 16.5., → S. 35
(Heft Mai 2010, S. 14)




